Digitale Gesundheitskompetenz: Einflussfaktoren und Ungleichheit in Europa

Eine mangelnde digitale Gesundheitskompetenz kann einen negativen Einfluss auf die Gesundheitsversorgung haben. Welche Faktoren beeinflussen sie und wo in Europa ist sie am höchsten ausgeprägt?
Digitale Kompetenz und digitale Spaltung – was bedeutet das?
Digital Literacy, oder im Kontext des Gesundheitswesens auch digitale Gesundheitskompetenz, beschreibt die Fähigkeit, digitale Gesundheitstechnologien zu nutzen (1). Sie wird dabei sowohl durch soziodemographische und bildungspolitische Faktoren beeinflusst (2). Digitale Gesundheitstechnologien sollen den Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern. So ist es beispielsweise möglich, Menschen zu versorgen, die regionalbedingt einen eingeschränkten Zugang zu Fachärzten haben (3). Die Digitalisierung solcher Versorgungsprozesse führt allerdings nicht automatisch zur Vereinfachung des Zugangs zu medizinischen Leistungen. Für Menschen mit eingeschränkter digitaler Gesundheitskompetenz fällt die Nutzung dieser Angebote schwer und die Digitalisierung kann eine Hürde für den Zugang zu Gesundheitsleistungen darstellen. Dies führt zu einem sogenannten Digital Divide (dt.: digitale Spaltung) und somit zu einer verschlechterten Versorgung für diese Menschen (4). Die Folgen der digitalen Spaltung sind in Abbildung 1 dargestellt.
Abbildung 1: Folgen digitaler Spaltung
Unterschiede digitaler Gesundheitskompetenz in der Bevölkerungsstruktur
Die Wissenschaftler Qiu, et al. (2025) haben im Vereinigten Königreich, Schweden, Italien und Deutschland eine Online-Befragung mit 6331 Teilnehmern durchgeführt, um die digitale Gesundheitskompetenz in den einzelnen Ländern und Bevölkerungsgruppen zu untersuchen und zu prüfen wie sie den selbstwahrgenommenen Gesundheitszustand beeinflusst (5).
Personen der Altersgruppen 18 bis 24 Jahre und Ü55 Jahre wiesen im Vergleich die niedrigste digitale Gesundheitskompetenz auf. Die Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen zeigte die höchste Kompetenz. Das Geschlecht und die Ethnie der Teilnehmenden hatten keinen direkten Einfluss auf die digitale Gesundheitskompetenz. Teilnehmende, die ihren wahrgenommenen Gesundheitszustand als gut einschätzten, zeigten eine höhere digitale Gesundheitskompetenz. Dies könnte daran liegen, dass solche Personen digitale Gesundheitsangebote wie Wearables aktiv nutzen können, um ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Zusätzlich könnte ein schlechter allgemeiner Gesundheitszustand dazu führen, dass es physisch und psychisch schwieriger ist digitale Gesundheitsangebote zu nutzen (5, 6). Dies spiegelt sich auch in anderen Studien wider. Eine guter selbstwahrgenommener Gesundheitsstatus und ein hohes Bildungsniveau werden hier als positive Einflussfaktoren für die digitale Gesundheitskompetenz beschrieben (7).
Unterschiede digitaler Gesundheitskompetenz in europäischen Ländern
In der Studie von Qiu, et al. 2025 zeigte sich, dass die Teilnehmenden aus dem Vereinigten Königreich und Schweden eine höhere digitale Gesundheitskompetenz aufwiesen als die Teilnehmenden aus Deutschland und Italien (5).
Die Erklärung hierfür ist aufgrund des komplexen Zusammenwirkens soziodemografischer und bildungspolitischer Faktoren vielschichtig. Unter anderem wurden in Schweden und im Vereinigten Königreich gezielte Initiativen umgesetzt, um die digitale Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken. Dabei wurden Partnerschaften mit dem privaten Sektor eingegangen und die digitale Infrastruktur gefördert. Die deutsche Strategie hat sich in der Vergangenheit hingegen eher auf die Digitalisierung der Industrie fokussiert und die Bevölkerung hierbei weniger berücksichtigt, was ein verstärkender Faktor für die nun größere digitale Spaltung ist (5).
Digitale Gesundheitskompetenz in Deutschland stärken
Da es eine Korrelation zwischen dem allgemeinen Gesundheitsbewusstsein und der digitalen Gesundheitskompetenz gibt, sollten Programme zur Stärkung digitaler Gesundheitskompetenz eine Verknüpfung zu einem allgemein gesunden Lebensstil herstellen. Des Weiteren müssen zukünftige Weiterbildungsprogramme die soziodemographischen Gegebenheiten in den einzelnen Bevölkerungsgruppen berücksichtigen und dementsprechend Formate und Inhalte anpassen (8). Gemäß § 20k SGB V haben die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Aufgabe, die digitale Gesundheitskompetenz ihrer Versicherten zu stärken (9). Hierfür sind auf den Internetseiten der jeweiligen Kassen verschiedene Aufklärungsprogramme verfügbar (10–12).
Quellen
Literatur
- Del Arias López MP, Ong BA, Borrat Frigola X, Fernández AL, Hicklent RS, Obeles AJT et al. Digital literacy as a new determinant of health: A scoping review. PLOS Digit Health 2023; 2(10):e0000279. doi: 10.1371/journal.pdig.0000279.
- Shi Z, Du X, Li J, Hou R, Sun J, Marohabutr T. Factors influencing digital health literacy among older adults: a scoping review. Front Public Health 2024; 12:1447747. doi: 10.3389/fpubh.2024.1447747.
- Augustin J, Trialonis-Suthakharan N, Nowossadeck E. Maßnahmen zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Regionen – eine narrative Übersichtsarbeit. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2025. doi: 10.1007/s00103-025-04119-0.
- Saeed SA, Masters RM. Disparities in Health Care and the Digital Divide. Curr Psychiatry Rep 2021; 23(9):61. doi: 10.1007/s11920-021-01274-4.
- Qiu CS, Lunova T, Greenfield G, Kerr G, Ergüven Ö, Beaney T et al. Determinants of Digital Health Literacy: International Cross-Sectional Study. J Med Internet Res 2025; 27:e66631. doi: 10.2196/66631.
- Kang HS, Exworthy M. Wearing the Future-Wearables to Empower Users to Take Greater Responsibility for Their Health and Care: Scoping Review. JMIR Mhealth Uhealth 2022; 10(7):e35684. doi: 10.2196/35684.
- Ghazi SN, Berner J, Anderberg P, Sanmartin Berglund J. The prevalence of eHealth literacy and its relationship with perceived health status and psychological distress during Covid-19: a cross-sectional study of older adults in Blekinge, Sweden. BMC Geriatr 2023; 23(1):5. doi: 10.1186/s12877-022-03723-y.
- Choukou M-A, Sanchez-Ramirez DC, Pol M, Uddin M, Monnin C, Syed-Abdul S. COVID-19 infodemic and digital health literacy in vulnerable populations: A scoping review. Digit Health 2022; 8:20552076221076927. doi: 10.1177/20552076221076927.
- Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung, § 20k Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz: § 20k SGB V.
- BARMER. Digitale Gesundheitskompetenz: Unverzichtbar für die Zukunft. Verfügbar unter: https://www.durch-blickt.de/.
- DAK Gesundheit. Förderung digitaler Gesundheitskompetenz; 2026. Verfügbar unter: https://www.dak.de/dak/veranstaltungen/foerderung-digitaler-gesundheitskompetenz_12030.
- TK Die Techniker. TK-GesundheitsKompetenz – digitales Gesundheitswissen aufbauen und nutzen; 2026. Verfügbar unter: https://www.tk.de/techniker/gesundheit-foerdern/digitale-gesundheit/tk-gesundheitskompetenz-digitales-gesundheitswissen-2163624.
Grigori Rogge


