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An alle, die die digitale Gesundheitsversorgung mitgestalten: Inklusion beginnt bei Ihnen

Technologie ohne Inklusion ist kein Fortschritt. Sie ist lediglich ein weiteres Hindernis. Wie können wir also sicherstellen, dass digitale Gesundheit wirklich für alle funktioniert?

Zugang ist nicht gleich Inklusion

Digitale Inklusion im Gesundheitswesen bedeutet, dass alle Menschen unabhängig von Alter, Einkommen, Bildung, Fähigkeiten oder Herkunft Zugang zu digitalen Technologien haben und über die nötigen Kompetenzen und das Vertrauen verfügen, diese zu nutzen (1, 2). Dazu zählen ein zuverlässiger Internetzugang, geeignete Endgeräte, verständliche Inhalte sowie die Befähigung zur sinnvollen Nutzung durch digitale Bildung und Schulungen (1-5).

Die sinnvolle Nutzung digitaler Werkzeuge hängt von deren Benutzerfreundlichkeit, Komplexität, ethischer Vertretbarkeit und dem wahrgenommenen Nutzen ab. Diese Faktoren werden im Theoretical Framework of Acceptability (TFA) beschrieben (6). Dieses Modell betont insbesondere die Bedeutung von wahrgenommener Relevanz und dem Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer für die Akzeptanz neuer Technologien.

Warum Inklusion an erster Stelle stehen muss

Ohne digitale Inklusion laufen Innovationen Gefahr, eine weitere Form des Ausschlusses zu werden. Mit der zunehmenden Digitalisierung von Gesundheitssystemen droht insbesondere jenen Menschen der Anschluss zu fehlen, die ohnehin schon benachteiligt sind, beispielsweise aufgrund von Armut, Alter, Behinderung, chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen (4, 5). Gerade diese Gruppen könnten besonders stark von digitalen Gesundheitsangeboten profitieren nutzen diese aber am seltensten. Dieses Phänomen wird als Digital-Health-Paradox bezeichnet (3). Weitere empirische Studien belegen diese Sorge (7). All dies verdeutlicht, dass digitale Gesundheit von Anfang an gerecht gestaltet werden muss.

Inklusion erfordert Einsatz

Damit digitale Gesundheit nicht zur Quelle sozialer Ungleichheit wird, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Die Studie von Walness et al. (2024) zeigt: Digitale Inklusion gelingt nur durch nutzerzentrierte Gestaltung, praktische Unterstützung und kulturelle Sensibilität. Dazu gehören Schulungen für Patientinnen und Patienten sowie für Fachpersonal, barrierefreie Formate (zum Beispiel größere Schrift, Desktopversionen für Apps, übersetzte Videoanleitungen) und eine klare Kommunikation des Mehrwerts digitaler Angebote als Ergänzung zur traditionellen Versorgung (1).

Die Beteiligung von Patientinnen und Patienten im Entwicklungsprozess erhöht die Relevanz und das Vertrauen. Digitale Anwendungen sollten dort entstehen, wo sie später auch genutzt werden, also in Praxen, Kliniken oder Pflegeeinrichtungen. Fachkräfte im Gesundheitswesen spielen eine Schlüsselrolle: Sie müssen digitale Werkzeuge verstehen, ihnen vertrauen und sie aktiv empfehlen, um ungewollte Barrieren im Zugang abzubauen (1)

Vom Nice-to-have zum Muss

Damit digitale Gesundheit ihr Potenzial entfalten kann, braucht es verbindliche Grundsätze (siehe auch Abbildung):

  • Gestaltung von Beginn an mit Fokus auf die am stärksten ausgeschlossenen Gruppen
  • Systemweite Förderung digitaler Gesundheitskompetenz
  • Ko-Kreation von Lösungen mit diversen Nutzergruppen
  • Befähigung von Fachpersonal, Inklusion aktiv zu fördern statt sie unbewusst zu verhindern

Diese Maßnahmen greifen zentrale Dimensionen des Theoretical Framework of Acceptability (6) auf: Sie reduzieren den wahrgenommenen Aufwand, erhöhen die Verständlichkeit (Intervention Coherence) und stärken die ethische Akzeptanz.

Mit anderen Worten: Digitale Gesundheitslösungen müssen sich in das Leben der Menschen integrieren und nicht umgekehrt. Inklusion ist kein zusätzliches Extra. Sie ist das Fundament. Ohne sie wird digitale Gesundheit zu einer neuen Art von sozialer Ungleichheit.

Literatur

  1. Wanless B, Hassan N, McClellan C, Sothinathan C, Abelleyra Lastoria DA, Herweijer T et al. How Do We Better Serve Excluded Populations When Delivering Digital Health Technology? Inclusion Evaluation of a Digital Musculoskeletal Self-Management Solution. Musculoskeletal Care 2024; 22(3):e1925.
  1. Sun Z, Sun W, Gao H, Fa R, Chen S, Qian D. Digital Inclusion, Cultural Capital, and Health Status of Urban and Rural Residents: An Empirical Study Based on 2017 CGSS Database. Int J Environ Res Public Health 2023; 20(5).
  1. Paccoud I, Leist AK, Schwaninger I, van Kessel R, Klucken J. Socio-ethical challenges and opportunities for advancing diversity, equity, and inclusion in digital medicine. Digit Health 2024; 10:20552076241277705.
  1. Petrou C, Jameel L, Nahabedian N, Kane F. A call for digital inclusion initiatives in mental health services: An integrative review. J Psychiatr Ment Health Nurs 2023; 30(5):911–41.
  1. Kluge HHP, Azzopardi-Muscat N, Novillo-Ortiz D. Digital health advances in the European Region, but uneven progress in digital literacy and inclusion leave disadvantaged populations behind. Int J Med Inform 2023; 178:105168.
  1. Sekhon M, Cartwright M, Francis JJ. Acceptability of health care interventions: A theoretical framework and proposed research agenda. Br J Health Psychol 2018; 23(3):519–31. 7. Veinot TC, Mitchell H, Ancker JS. Good intentions are not enough: how informatics interventions can worsen inequality. J Am Med Inform Assoc 2018; 25(8):1080–8.

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