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Europäische Gesundheitssysteme im Vergleich: Digitalisierungsgrad und Zugang zu medizinischen Leistungen

Eine aktuelle gesundheitsökonomische Studie analysiert 27 EU-Mitgliedstaaten im Hinblick auf Gesundheitsausgaben, Digitalisierungsgrad und den Zugang zu medizinischen Leistungen. Durch eine Clusteranalyse konnten fünf Ländergruppen identifiziert werden.

Digitalisierung und Gesundheitsversorgung

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Richtlinien, Verordnungen und Finanzierungsprogramme entwickelt, um die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in der EU voranzutreiben (1). Eines der zentralen Ziele ist es, einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsleistungen zu schaffen und dabei die besonderen Bedürfnisse vulnerabler Bevölkerungsgruppen angemessen zu berücksichtigen. Digitale Technologien wie telemedizinische Dienste oder Mobile-Health-Anwendungen helfen, Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung abzubauen (2). Wie weit die europäischen Länder im digitalen Fortschritt sind und inwieweit der Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung dabei gewährleistet ist, zeigt dieser Science Digest.

Ein Blick auf die Ländergruppen

Eine Studie von Majcherek, Hegerty, Kowalski et al. (2024) untersuchte 27 Länder der Europäischen Union, basierend auf den Daten der European Health Interview Survey (EHIS), dem Digital Economy and Society Index (DESI) sowie weiteren Eurostat-Datenbanken. Mithilfe einer Clusteranalyse wurden die EU-Länder nach dem Zugang zu medizinischen Leistungen und dem Digitalisierungsgrad gruppiert. Die fünf identifizierten Cluster (siehe Abbildung) wurden anhand folgender Merkmale beschrieben (3):

  1. Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP),
  2. Anzahl des Gesundheitspersonals
  3. Digitaler Fortschritt gemessen am Digital Economy and Society Index (DESI) und
  4. selbstberichtete ungedeckte Bedarfe aufgrund langer Wartelisten.

Abbildung 1: Clustering-Ergebnisse der EU-Mitgliedstaaten dargestellt auf der Europakarte

Cluster-Analyse der EU-Mitgliedstaaten

Cluster 1 umfasst Dänemark, Finnland, die Niederlande, Spanien, Schweden und Zypern – EU-Länder mit moderatem Zugang zur Gesundheitsversorgung. Dieses Cluster zeichnet sich durch die zweithöchsten staatlichen Gesundheitsausgaben (im Durchschnitt 7,6 % des BIP). Mit dem höchsten durchschnittlichen DESI-Wert von 63,4 sind diese Länder Vorreiter in der Nutzung digitaler Technologien.

Cluster 2 umfasst Länder wie Ungarn, Lettland, Polen, Griechenland und Luxemburg, die sich durch einen niedrigen Zugang zur Gesundheitsversorgung auszeichnen. Die staatlichen Gesundheitsausgaben sind hier am niedrigsten (5,8 % des BIP). Auch der Digitalisierungsgrad nach DESI beträgt nur 46,4 und ist damit der zweittiefste Wert unter allen Clustern.

Cluster 3 umfasst Österreich, Belgien, Tschechien, Deutschland und Frankreich, die sich durch einen moderaten Zugang zur Gesundheitsversorgung auszeichnen. Die staatlichen Gesundheitsausgaben sind mit 9 % des BIP die höchsten unter den EU-Mitgliedstaaten. Der Digitalisierungsgrad ist jedoch deutlich niedriger als in Cluster 1 (DESI-Wert beträgt 52).

Cluster 4 umfasst Bulgarien, Rumänien und die Slowakei – EU-Länder, die sich durch den höchsten Zugang zur Gesundheitsversorgung auszeichnen. Dieses Cluster weist die zweittiefsten Gesundheitsausgaben pro Kopf (5,9 % des BIP). Darüber hinaus ist der Digital Economy and Society Index (DESI) mit einem Wert von 37 der niedrigste in der EU.

Cluster 5 umfasst Kroatien, Estland, Litauen, Slowenien, Irland, Italien, Malta und Portugal – EU-Länder, die durch den höchsten Anteil an ungedeckten Gesundheitsbedarfen gekennzeichnet sind. Das Cluster ist durch moderate staatliche Gesundheitsausgaben (6,9 % des BIP) gekennzeichnet. Der DESI-Wert liegt bei etwa 54, was auf eine moderate Digitalisierung von Gesellschaft und Industrie hinweist.

Fazit

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet das Potenzial, Behandlungsprozesse effizienter zu gestalten. Allerdings bestehen innerhalb der EU erhebliche Unterschiede in der digitalen Infrastruktur und Nutzung. Zahlreiche Mitgliedsstaaten haben noch Nachholbedarf, um den Gesundheitssektor und die Gesellschaft umfassend digital zu transformieren.

Cluster 3, in dem sich Deutschland befindet, weist trotz der höchsten Gesundheitsausgaben einen mittelmäßigen Digitalisierungsstand auf. In diesem Cluster bestehen ungedeckte Bedarfe in der medizinischen Versorgung aufgrund langer Wartezeiten. Dies deutet darauf hin, dass digitale Lösungen wie Online-Terminverwaltung und Telemedizin die Effizienz des Gesundheitssystems steigern könnten. Ihr verstärkter Einsatz ist bereits Teil der deutschen Digitalisierungsstrategie (6).

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Literatur

  1. European Union. The state of health in the EU: companion report [Internet]. 2019. Verfügbar unter: https://health.ec.europa.eu/system/files/2019-11/2019_companion_en_0.pdf.
  2. Vimalananda VG, Gupte G, Seraj SM, Orlander J, Berlowitz D, Fincke BG, Simon SR. Electronic consultations (e-consults) to improve access to specialty care: a systematic review and narrative synthesis. Journal of Telemedicine and Telecare. 2015;21(6):323-330
  3. Majcherek D, Hegerty SW, Kowalski AM, Lewandowska MS, Dikova D. Opportunities for healthcare digitalization in Europe: Comparative analysis of inequalities in access to medical services. Health Policy. 2024 Jan;139:104950. doi: 10.1016/j.healthpol.2023.104950. Epub 2023 Dec 1. PMID: 38061175.
  4. Kovács T, Bittner B, Nábrádi A. The Integration of Digital Technologies in the European Union based on the DESI Index. Enterprise Research Innovation. 2022;8(1):337-349. doi:10.54820/entrenova-2022-0029.
  5. Eurostat. Self-reported unmet needs for health care by sex, age, specific reasons and educational attainment level [Internet]. 2020. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/hlth_ehis_un1e/default/table?lang=en
  6. Bundesministerium für Gesundheit. Entwurf eines Gesetzes zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens und zur Änderung weiterer Vorschriften Digital-Gesetz – DigiG). Kabinettvorlage. 2023. Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/D/Kabinettvorlage_Digital-Gesetz-DigiG.pdf