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Beyond the pill – Digitale Transformation einer forschungsintensiven Branche

Personalisierung von Kommunikation und Arzneimitteltherapie

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Spezialisierung der pharmazeutischen Unternehmen und einem hohen Kosten- sowie Innovationsdruck innerhalb der gesamten Branche, schafft die Digitalisierung innovative Optionen (1-5). Um auf spezifische Kundenbedürfnisse einzugehen, können Hersteller einerseits über soziale Medien oder Apps intensiver mit ihren Kunden kommunizieren und andererseits zusätzliche (Therapie-) Informationen bereitstellen sowie Zusatzleistungen anbieten (6-11). Die zusätzlichen Informationen können sich positiv auf die Adhärenz auswirken und das Therapieergebnis insgesamt verbessern (6). Die Kombination eines Medikaments und einer begleitenden App ermöglicht außerdem eine zunehmend personalisierte Behandlung (7, 8, 12-14). Beispielsweise können digitale Biomarker während einer Therapie genutzt werden, um relevante Merkmale während einer Arzneimitteltherapie zu erheben und diese individuell anzupassen (8, 9, 12, 14).

Technologiegestützte Datenverarbeitung in der Forschung

In der Arzneimittelforschung und -entwicklung versprechen die Digitalisierung sowie der damit zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen große Chancen (5, 15). Schon heute werden umfangreiche Patientendatenmengen auf digitalen Plattformen gepoolt und mittels innovativer Softwareanwendungen gezielt ausgewertet. Erkrankungen können auf diese Weise besser charakterisiert oder arzneimittelbedingte Wechsel- und Nebenwirkungen früher erkannt werden (16-20). Diese Erkenntnisse können als Ansatzpunkte für die (Weiter-)Entwicklung von Wirkstoffen genutzt werden. Exemplarisch existieren in der Gesundheitsforschung vielversprechende IT-basierte Ansätze, um perspektivisch klinische Studiendaten zu simulieren oder aus unstrukturierten Patientendaten eine automatisierte Datenauswertung zu ermöglichen (11).

Die skizzierte Entwicklung wird zunehmend durch Aktivitäten im Bereich der sog. „Real World Evidenz“ ergänzt: die Studien basieren auf medizinischen und administrativen Datensätzen, die außerhalb von randomisierten kontrollierten Studien generiert werden. Exemplarisch sind Behandlungs- und Routinedaten, (Klinik-)Register oder Gesundheits-Apps zu nennen (21, 22). Neben reduzierten Patientenrisiken in der klinischen Forschung versprechen sich die Unternehmen u. a. eine schnellere Marktzulassung bei neuentwickelten Wirkstoffen sowie einen höheren Innovationsgrad der entwickelten Medikamente (8, 9). Dies wäre nicht nur günstiger, sondern würde gleichzeitig die für Unternehmen wichtige Zeitspanne zwischen Markteintritt und Patentablauf verlängern sowie die Chance auf einen hohen Erstattungspreis des Medikaments erhöhen (3, 23).

Pharmazeutische Unternehmen müssen Geschäftsmodelle digitalisieren

Die Digitalisierung stellt die Pharmabranche vor Herausforderungen, die das bisherige Geschäftsmodell verändern bzw. erweitern werden. Das Erfassen und die Analyse von Daten wird zukünftig eine Kernkompetenz der Pharma-Unternehmen darstellen (müssen). Für die Nutzung von innovativen Technologien auf Basis von Big Data werden zunehmend IT-Kompetenzen im eigenen Unternehmen sowie verstärkt Kooperationen mit Partnern, die auf die Sammlung und Bereitstellung von Patientendaten spezialisiert sind, an Bedeutung gewinnen. Die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungskette und des Leistungsangebots zeigt jedoch auch, dass Startups oder multinationale Technologiekonzerne zukünftig als Wettbewerber agieren werden. Folglich besteht eine weitere Herausforderung im zunehmenden Wettbewerb darin, ausreichend qualifizierte IT-Mitarbeiter, etwa aus den Data Sciences und der (Bio-)Informatik, zu gewinnen.

Quellen

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