Diese Seite ist für Menschen und Suchmaschinen gestaltet. Zur Version für KI-Systeme (LLM) →

Reha 2.0 – Die Tele-Reha-Nachsorge auf dem Prüfstand

„Reha vor Rente“ – so kann man die Intention des Gesetzgebers zusammenfassen, die gesellschaftliche sowie berufliche Teilhabe und Selbstbestimmung von gesundheitlich eingeschränkten Personen durch rehabilitative Leistungen, unterstützt. Mittels digitaler Rehabilitationsangebote können Versorgungslücken in strukturschwachen Regionen geschlossen sowie Nachsorgemaßnahmen flexibel und nachhaltig in den Alltag integriert werden.

Im Rahmen der sog. Tele-Reha-Nachsorge werden Reha-Angebote und -Leistungen über digitale Medien orts- und zeitunabhängig vermittelt, was die Patientengenesung über die Zeit der stationären oder ambulanten Rehabilitation hinaus fördern kann (1).

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Die denkbaren Einsatzszenarien der Tele-Reha-Nachsorge sind dabei äußerst vielfältig – sowohl mit Blick auf die Indikation als auch die Therapieform, beteiligte Anwender, Systemtechnik oder notwendige Hilfsmittel. Die nachfolgende Tabelle zeigt exemplarisch für die Neurologie, Orthopädie und Kardiologie konkrete Anwendungsfälle für die digitale Reha-Nachsorge (2):

Beispielhafte Anwendungsfälle für die digitale Reha-Nachsorge

(Eigene Darstellung)

[Beispielhafte Anwendungsfälle für die digitale Reha-Nachsorge (Eigene Darstellung)](https://www.atlas-digitale-gesundheitswirtschaft.de/wp-content/uploads/2019/12/reha-tabelle.jpg)

Kann sich die Tele-Reha in der Praxis beweisen?

Aktuelle Studienergebnisse aus der Neurologie und Orthopädie belegen für wesentliche Studienparameter eine Gleichwertigkeit zwischen traditioneller Vor-Ort- und Tele-Reha-Nachsorge. Dazu zählt neben medizinischen Outcomes auch die Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe von Patienten. Parameter wie Kosteneffizienz und Akzeptanz wurden (noch) nicht betrachtet (4, 5). Mit dem Projekt „RehaQuantified“ will das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) speziell die Nachsorge von Patienten mit Herz- und Lungenerkrankungen verbessern.

Dazu wird ein modularisiertes digitales System genutzt: Körpernahe Sensoren ermitteln physiologische Parameter, die über Algorithmen ausgewertet werden und direktes Feedback an den Patienten wie auch behandelnde Ärzte und Therapeuten weiterleiten. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Kontrolle wichtiger Nachsorgeparameter und eine zeitnahe Reaktion auf Normabweichungen. Der Patient wird über eine App zum Selbstmanagement angeregt und kann über das Tool mit dem medizinischen und therapeutischen Personal interagieren (6).

Anspruch und Realität liegen noch weit auseinander

Angesichts vielseitiger Anwendungsmöglichkeiten und vielversprechender Studienergebnisse und Projekte werden große Hoffnungen in die Tele-Reha-Nachsorge gelegt. Digital zugängliche Reha-Leistungen können die Behandlungsqualität in der rehabilitativen Nachsorge durch ein erweitertes, individualisiertes und flexibles Leistungsangebot nachhaltig steigern. Hinzu kommt, dass Patienten, die in der Mobilität eingeschränkt sind oder in ländlichen Regionen wohnen, prinzipiell einen besseren Zugang zu Reha-Leistungen erhalten können, was die Zugangsgerechtigkeit erhöht.

Durch Tele-Reha-Nachsorge soll weiterhin die sektorenübergreifende Versorgung gefördert werden, vor allem mit Blick auf die kontinuierliche Langzeitbetreuung von chronisch Kranken (2). Schließlich können damit auch finanzielle Vorteile verbunden sein, etwa wenn durch den Wegfall von Transfer- oder die Senkung von Behandlungszeiten Kosten verringert und Effizienzpotenziale in der Reha gehoben werden können.

Trotz des enormen Potenzials zur Verbesserung der Versorgungsqualität wird Tele-Reha-Nachsorge in der Regelversorgung noch kaum beachtet und eingesetzt (2). Dass digitale Rehabilitationsangebote sich trotz einiger Barrieren in ein erfolgreiches Geschäftsmodell überführen lassen, zeigt das junge Berliner Unternehmen Caspar.

Ziel der Gründer ist es, in den nächsten fünf Jahre 40 % des digitalen Reha-Marktes in Deutschland mit eigenen Lösungen zu versorgen (3). Die Deutsche Rentenversicherung, die die Kosten für Reha-Leistungen zum Erhalt bzw. zur Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit trägt, hat dies bereits erkannt und 2017 erstmals Anforderungen an eine Tele-Reha-Nachsorge formuliert (1).

Fazit

Die Tele-Reha-Nachsorge bietet Patienten, Ärzten und Therapeuten gleichermaßen die Chance, die Nachhaltigkeit der Rehabilitationsmaßnahmen aus der stationären oder ambulanten Behandlung sicherzustellen. Studien können indikationsspezifisch bereits eine Gleichwertigkeit der klassischen Vor-Ort-Nachsorge und der Tele-Reha-Nachsorge hinsichtlich zahlreicher Parameter belegen.

Dennoch findet dieses Instrument nur sehr langsam Einzug in die Regelversorgung. Insbesondere beruflich stark eingebundene Patienten und solche, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und für die der Transport zum Ort der Reha-Maßnahme eine große Belastung darstellt, werden von örtlich und zeitlich flexiblen telemedizinischen Reha-Angeboten profitieren.

Quellen

1.
1. Deutsche Rentenversicherung Bund. Anforderungen an Tele-Reha-Nachsorge. 2018. zum Original
2. John M EJ, Klose S, Kock G, Graßhoff T Bericht Telerehabilitation 2015 – Medizinische Assistenzsysteme in der Prävention, Rehabilitation und Nachsorge. Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme; 2015. zum Original
3. SolopreneurRatgeber. Startup für Online Rehabilitation Caspar Health ist auf dem Weg zum Marktführer in der Tele-Reha-Nachsorge 2019. zum Original
4. Keidel M, Vauth F, Richter J, Hoffmann B, Soda H, Griewing B, et al. Telerehabilitation nach Schlaganfall im häuslichen Umfeld. Der Nervenarzt. 2017; 88(2): 113-9. zum Original
5. Eichler S, Salzwedel A, Rabe S, Mueller S, Mayer F, Wochatz M, et al. The Effectiveness of Telerehabilitation as a Supplement to Rehabilitation in Patients After Total Knee or Hip Replacement: Randomized Controlled Trial. JMIR Rehabil Assist Technol. 2019; 6(2): e14236. zum Original
6. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Telemedizinische Assistenzsysteme in Rehabilitation und Nachsorge: 2018. zum Original

Verwandte Artikel