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Ambulante Versorgung - Neue Wege durch E-Health

E-Health

Für gesetzlich Versicherten (rund 88 Prozent der Bevölkerung) sind Vertragsärzte meist die ersten Ansprechpartner, wenn es um gesundheitliche Fragen geht (1, 2). 2017 haben die gesetzlichen Krankenversicherungen 38,1 Milliarden Euro für ambulante ärztliche Leistungen ausgegeben – der zweitgrößte Posten nach Krankenhausbehandlungen (2).

Der demografische Wandel und die damit einhergehende Zunahme altersbedingter, zum Teil chronischer Erkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Demenz stellt das deutsche Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen. Mit zunehmenden Alter steigen in der ambulanten Versorgung sowohl Arztkontakte als auch Behandlungskosten (3). Der Bedarf an medizinischen Leistungen wächst.

Ist die vertragsärztliche Versorgung personell für den Nachfrageanstieg gewappnet?

Rund 149 000 Ärzte und 33 000 Psychotherapeuten in etwa 101 000 Praxen waren in 2018 an der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland beteiligt. Gemeinsam mit Allgemeinmedizinern stellen Internisten und Gynäkologen die drei größten Arztgruppen innerhalb des Spektrums dar. Mehr als jeder dritte Vertragsarzt ist hausärztlich tätig. Durchschnittlich behandelte in 2017 jeder Arzt/Psychotherapeut rund 3 400 Fälle. Hausärzte bildeten mit etwa 5 800 Behandlungsfällen die obere Grenze. Der mittlere Honorarumsatz pro Arzt bzw. Psychotherapeut belief sich auf ca. 224 000 Euro, wobei es zwischen den einzelnen Arztgruppen starke Schwankungen gibt (4).

Überblick Ambulante Versorgung in Deutschland

Ambulante Versorgung

Regional existieren in Deutschland Unterschiede in der Vertragsarztdichte – in Flächenländern ist diese niedriger als in Ballungsgebieten. Gleichzeitig sind etwa 30 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten 60 oder älter, das Durchschnittsalter betrug 2018 54,2 Jahre. Dies impliziert zukünftig einen hohen Bedarf an ärztlichem Nachwuchs zur Beteiligung an der vertragsärztlichen Versorgung und (Nach-)Besetzung der fehlenden Positionen, insbesondere in ländlichen Regionen (4).

Inwiefern können E-Health-Lösungen in diesem Kontext die vertragsärztliche Versorgung der Zukunft unterstützen?

Eine Vielzahl an digitalen Chancen…

Digitale Anwendungen haben unter der allgemeinen Bezeichnung E-Health ihren Einzug in die vertragsärztliche Versorgung bereits teilweise gefunden (5). Verwaltungsprozesse wie beispielsweise Terminvereinbarung, Dokumentation oder Kommunikation befinden sich bereits in einer schrittweisen digitalen Transformation.

Drei grundlegende E-Health-Entwicklungen für die Sicherung der vertragsärztlichen Versorgung sind:

(1) Telematik: Kommunikationsinfrastruktur für das Gesundheitswesen

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist eine zentrale Grundlage für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Sie bildet eine einheitliche Plattform für die Akteure, schafft Schnittstellen zwischen Systemen und gewährleistet damit eine (recht)sichere elektronische Kommunikation und Vernetzung, sowohl interdisziplinär als auch sektorübergreifend (6, 7).

(2) Einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte (eEPA): Daten gemeinsam nutzen

Die eEPA ermöglicht ein zentrales Management der Patientendaten. Am Versorgungsprozess beteiligte Leistungserbringer können auf die für die Behandlung erforderlichen Daten zugreifen und eigene (neue) Informationen ergänzen. Eine perspektivische Erweiterung durch das Hinzufügen persönlicher Daten (z. B. via Self-Tracking) ist gleichermaßen möglich. Die eEPA steigert die Entscheidungsfähigkeit der Leistungserbringer, verringert Ausgaben in Folge von Überbehandlungen und reduziert die Transaktionskosten des Versorgungsprozesses (8, 9).

(3) Telemedizin: Behandlung aus der Ferne

Telemedizinische Anwendungen können durch Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien eine medizinische (Akut-)Versorgung über räumliche und/oder zeitliche Distanzen leisten. Dies kann die flächendeckende ärztliche Versorgung verbessern. Die Anwendungen können sowohl zwischen verschiedenen Leistungserbringern stattfinden (z. B. Teleradiologie) oder zwischen Leistungserbringer und Patient (z.B. Telemonitoring) (6, 8). Die Lockerung des Fernbehandlungsverbot verstärkt diese Potenziale (10).

…und Herausforderungen, die es zu lösen gilt

IT-Sicherheit und Datenschutz sind aufgrund der sensiblen Gesundheitsdaten von großer Bedeutung. Dies betrifft sowohl zentrale Anbieter der Telematikinfrastruktur sowie weiterer digitaler Dienstleistungen (u. a. medizinische Geräte, Apps oder telemedizinische Anwendungen) als auch die Arztpraxen selbst. Gleichzeitig sehen Vertragsärzte offene Haftungsfragen in einer mangelnden Validierung digitaler Anwendungen mittels anerkannter Evaluationskonzepte (6, 11).

Umstellung und Teildigitalisierung kann zudem einen Mehraufwand für Vertragsärzte bedeuten (5, 6). Hier sollte die Entwicklung von Standards vorangetrieben und Vergütungsaspekte gemeinsam mit Kostenträgern erörtert werden. Insgesamt ist eine vermehrte Beteiligung der gesamten Ärzteschaft und weiterer in der ambulanten Versorgung eingebundener Leistungserbringer am Digitalisierungsprozess erforderlich, um effiziente und praxisorientierte E-Health-Lösungen zu entwickeln sowie deren Implementierung voranzutreiben (6, 11).

Ohne Kompetenz kein Nutzen

Eine stärkere Professionalisierung und Kompetenz(aus)bildung ist das entscheidende Kriterium für eine erfolgreiche Digitalisierung der vertragsärztlichen Versorgung (6). Bereits Medizinstudierende sollen auf digitale Herausforderungen vorbereitet werden, um nicht auf Vermittler zwischen Technik und ihrer Anwendung angewiesen zu sein und innovative Technologien zukünftig adäquat einsetzen zu können. Auch erfahrene Ärzte müssen ihren Umgang mit Technologien schulen, um die Digitalisierung aktiv mitzugestalten (11).

Quellen

  1. Gerlinger T, Burkhardt W. Ambulante ärztliche Versorgung. Strukturen und Versorgungsformen: Bundeszentrale für politische Bildung; 2014.
  1. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Gesundheitsdaten. Krankenversicherung 2020. zum Original
  1. BARMER. Arztreport 2019. Berlin: BARMER; 2019.zum Original
  1. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Gesundheitsdaten. Ambulante Versorgung. 2019. zum Original
  1. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Praxisbarometer Digitalisierung 2019. Berlin: Kassenärztliche Bundesvereinigung; 2019. zum Original
  1. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). KBV-Positionen zur Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Kassenärztliche Bundesvereinigung. 2017. zum Original
  1. Treinat L. E-Health als Brücke zwischen den Leistungserbringern. In: Müller-Mielitz S, Lux T, editors. E-Health-Ökonomie. Wiesbaden: Springer Gabler; 2017. zum Original
  1. Munshi S. Ambulante Versorgung im Wandel – Entwicklungen und Potenziale im Zeitalter der Vernetzung. In: Pfannstiel MA, Focke A, Mehlich H, editors. Management von Gesundheitsregionen IV. Wiesbaden: Spinger Gabler; 2018. zum Original
  1. Haas P. Elektronische Patientenakten. Einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten als Basis für integrierte patientenzentrierte Behandlungsmanagement-Plattformen. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung; 2017. zum Original
  1. Meier R, Holderried M, Kraus TM. Digitalisierung der Arzt-Patienten-Kommunikation. In: Pfannstiel M, Da-Cruz P, Rasche C, editors. Entrepreneurship im Gesundheitswesen III. Wiesbaden: Springer Gabler; 2018. zum Original
  1. Bundesärztekammer. 122. Deutscher Ärztetag. Beschlussprotokoll. 2019. zum Original

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Autoren:

Anika Zembok

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Jakob Skatulla

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Jonathan Koß

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Judith Kraushaar

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Lisa Korte

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Thea Kreyenschulte