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Digitale Unterstützung in der chronischen Wundversorgung

Wie digitale Tools helfen können, chronische Wunden schneller zu versorgen und den Pflegealltag zu erleichtern.

Chronische Wunden: Eine Herausforderung für die Pflege

Von einer chronischen Wunde spricht man, wenn sich trotz fachgerechter Behandlung innerhalb von 4–12 Wochen keine Heilungstendenz zeigt. Die Ursachen sind meistens Durchblutungsstörungen, Druckbelastungen oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus. In Deutschland sind davon rund eine Million Menschen betroffen; die jährlichen Versorgungskosten werden auf etwa 2,9 Mrd. Euro geschätzt (1).

Die pflegerische Versorgung chronischer Wunden umfasst regelmäßige Verbandswechsel, sorgfältige Reinigung, Schmerzmanagement sowie die Beobachtung und Dokumentation des Heilungsverlaufs. Hinzu kommt die Behandlung begleitender Ursachen, wie z. B. die Durchführung von Kompressionstherapien oder die Entlastung druckgefährdeter Körperstellen. Diese Aufgaben sind mit erheblichem Zeitaufwand verbunden; so wird berichtet, dass in der häuslichen Pflege bis zu 70 % der pflegerischen Kapazitäten auf die Wundversorgung entfallen (1). Angesichts des zunehmenden Pflegekräftemangels werden digitale Technologien getestet, um die Pflege zu unterstützen. Offen ist, ob und inwieweit sie die Arbeit der Pflegekräfte tatsächlich erleichtern können.

Studie belegt Vorteile digitaler Wunddokumentation

Eine aktuelle US-amerikanische Studie untersuchte, wie ein KI-gestütztes Wundmanagement-System den Alltag von Pflegekräften verändert (2). In 14 regionalen Pflegeeinrichtungen wurde das Tool Swift Skin and Wound eingeführt, weitere 27 Niederlassungen dienten als Kontrollgruppe. Insgesamt wurden über 14.000 Patientinnen und Patienten mit verschiedenen chronischen Wunden einbezogen.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Vorteile:

  • 4,3 % weniger Pflegebesuche pro Behandlungsfall, während die Kontrollgruppe sogar einen Anstieg verzeichnete.
  • 2,5 % kürzere Besuchszeiten, was 309 eingesparten Arbeitstagen entspricht.
  • 4,3 Tage schnellere Heilung im Schnitt, besonders bei Druckgeschwüren, venösen Ulzera und OP-Wunden.
  • Bis zu 1 Mio. US-Dollar Einsparung pro Jahr in der Gesamtstichprobe.

Auch andere Untersuchungen bestätigen diese Vorteile: In Pflegeheimen verkürzte sich die Heilungszeit von Druckgeschwüren durch den Einsatz digitaler Wunddokumentation und Schulungen deutlich (3).

Fazit – Stand und Zukunft der digitalen Wundversorgung in Deutschland

In Deutschland wird der Verlauf der Wundversorgung noch überwiegend papierbasiert dokumentiert, doch digitale Ansätze wie mobile Apps zur Wunddokumentation und telemedizinische Lösungenkommen zunehmend zum Einsatz. Erste Studien zeigen, dass diese Verfahren die Kommunikation zwischen den Beteiligten verbessern, Wegzeiten reduzieren und eine standardisierte, datenschutzkonforme Dokumentation ermöglichen (4,5).

Durch gesetzliche Rahmenbedingungen wie das E-Health-Gesetz und das Digitale-Versorgung-Gesetz wurden Voraussetzungen für eine stärkere Integration digitaler Technologien in die Pflege geschaffen. Damit eröffnet sich die Perspektive, Pflegekräfte zu entlasten und die Versorgungsqualität zu erhöhen (5,6).

Quellen

  1. DAK-Gesundheit (2024). Versorgungsreport Chronische Wunden 2024. DAK-Gesundheit, Hamburg. Verfügbar unter: https://caas.content.dak.de/caas/v1/media/86682/data/5420fe7fee043eb318f60327035197e9/versorgungsreport-2024-chronische-wunden-report.pdf
  2. Mohammed, H. T., Corcoran, K., Lavergne, K., Graham, A., Gill, D., Jones, K., … Fraser, R. D. J. (2025). Clinical, Operational, and Economic Benefits of a Digitally Enabled Wound Care Program in Home Health: Quasi-Experimental, Pre-Post Comparative Study. JMIR Nursing, 8, e71535. doi: 10.2196/71535
  3. Lindholm, C., & Searle, R. (2016). Wound management for the 21st century: combining effectiveness and efficiency. International Wound Journal, 13(Suppl 2), 5–15. doi: 10.1111/iwj.12623
  4. Anthes, C., et al. (2024). Evaluation of Mobile Apps for Chronic Wound Management: Quality and Usability Assessment Using MARS and uMARS. JMIR mHealth and uHealth, 12, e53391. doi: 10.2196/53391
  5. Draco (2024). Tele-Wundversorgung – Digitale Unterstützung für eine bessere Wundbehandlung. Verfügbar unter: https://www.draco.de/tele-wundversorgung/
  6. Gray, L. C., Armfield, N. R., & Smith, A. C. (2010). Telemedicine for wound care: current practice and future potential. Wound Practice and Research, 18(4), 158–163. doi: 10.1111/j.1742-481X.2007.00337.x

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