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Opt-Out: Richtiger Ansatz für eine bessere Nutzung und Vertrauen in die ePA?

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll den Austausch medizinischer Daten vereinfachen, doch bisher wurde die Akte wenig genutzt. Nun soll die Einführung der Widerspruchslösung (Opt-Out) d*ie Nutzung *erhöh*en. Ist Opt-Out bei der ePA der richtige Ansatz und können Patientinnen und Patienten der ePA vertrauen?*

Potenzial von elektronischen Gesundheitsakten in der Versorgung

Elektronische Gesundheits- bzw. Patientenakten werden zunehmend in der digitalen Gesundheitsversorgung verschiedener Länder eingesetzt. In diesen Akten werden Patientendaten wie Name, Alter und Gesundheitsinformationen gesammelt (1). Durch die digitale Aufbewahrung wird der Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Health Professional erleichtert, das Risiko von Behandlungsfehlern reduziert (2) und die Datenverfügbarkeit für Patienten erhöht (3). Dennoch gibt es regionale Unterschiede bei der Implementierung und bei der Akzeptanz elektronischer Patientenakten (4).

Einführung und bisherige Nutzung der ePA in Deutschland

Die deutsche elektronische Patientenakte (ePA) wurde 2021 mit einem Opt-In-Ansatz eingeführt. Dies bedeutet, dass Patienten aktiv der Nutzung und Einrichtung ihrer ePA zustimmen mussten (5). Bis 2023 trafen weniger als 1% der Deutschen diese Entscheidung (6). Eine Alternative zum Opt-In-Ansatz wäre die Opt-Out-, die Widerspruchslösung. Sie bedeutet, dass Patienten aktiv widersprechen müssen, um die ePA nicht zu nutzen (7). Beispiele aus andern Ländern verdeutlichen, dass eine Widerspruchslösung die Nutzung erhöht (8). Die Bundesregierung hat das Ziel ausgerufen, dass bis Ende 2025 80% der gesetzlich Versicherten die ePA nutzen (9) und hat deswegen Mitte Januar 2025 die Widerspruchslösung eingeführt (10). Zur gleichen Zeit ist eine Pilotphase für die Nutzung der ePA in drei Modellregionen (Hamburg, Teile NRWs und Franken) gestartet (11). Stand April 2025 wird die ePA in diesen Regionen inzwischen von 2,5 Millionen Bürgern genutzt (12). Etwa fünf Prozent der gesetzlich versicherten Bundesbürger haben (Stand Februar 2025) der Nutzung der ePA widersprochen (13).

Einstellung der deutschen Bürger gegenüber Opt-Out bei der ePA

Im Kontext der Einführung von Opt-Out habenPapadopoulos et al. im Jahr 2023 Fokusgruppendiskussionen mit deutschen Bürgern durchgeführt, um ein allgemeines Stimmungsbild gegenüber der ePA und im speziellen über die Einführung der Widerspruchslösung zu erhalten. Dabei haben sie drei Themenfelder abgeleitet (Tabelle 1) (14).

Tabelle 1: Positionen gegenüber der Einführung des Opt-Out Ansatzes der Diskussionsteilnehmer

In den Fokusgruppen zeigte sich, dass die Teilnehmenden der Einführung der ePA mit Opt-Out-Ansatz insgesamt positiv gegenüberstanden. Viele sahen in der ePA einen gesellschaftlichen Mehrwert. In diesem Zusammenhang verglichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Einführung des Opt-Out-Ansatzes mit dem Vorgehen bei der Organspende, bei der aktuell eine Opt-In-Lösung gilt. Obwohl auch dort ein gesellschaftlicher Nutzen besteht, ist die Zahl der registrierten Spenderinnen und Spender gering.

Gleichzeitig äußerten die Teilnehmenden auch Bedenken im Hinblick auf die Einführung des Opt-Out-Ansatzes. Genannt wurden unter anderem eine unzureichende öffentliche Kommunikation sowie soziopolitische Hemmnisse, etwa die starke Politisierung der Themen ePA und Opt-Out.

Ein zentrales Motiv bei den Einführungsbarrieren und auch situationsbedingten Faktoren war Vertrauen. Die Teilnehmer kommunizierten, dass ihre Akzeptanz für die ePA stark von einem transparenten Implementierungsprozess abhängt. Weiterhin gaben sie an, dass es wichtig ist, Ärzten, Versicherern, Politikern und Gesundheitsforschern vertrauen zu können. Außerdem war es für die Teilnehmer besonders relevant, dass ihre Daten nicht missbräuchlich genutzt würden und sie den Behörden aufgrund entsprechender Datenschutzregulierungen vertrauen könnten (14).

Vertrauen und Nutzung der ePA stärken

Die zentrale Bedeutung des Themas Vertrauen muss von Entscheidungsträgern für eine erfolgreiche Implementierung der ePA, aber auch bei anderen Gesundheitsprojekten, berücksichtigt werden. Die Bedenken und Wünsche der Bevölkerung sollten aktiv einbezogen werden, um so Vorbehalte zu überwinden (15).

Es ist wichtig zu verdeutlichen, dass die Teilnahme an der ePA trotz des Opt-out-Ansatzes auf Freiwilligkeit basiert und Bürgerinnen und Bürger die Autonomie haben, selbst zu entscheiden, ob sie an der ePA teilnehmen möchten oder eine Teilnahme widerrufen (16).

In zukünftigen Kommunikationskampagnen sollte dargestellt werden, welche gesundheitlichen Vorteile sich durch die ePA ergeben, beispielsweise eine bessere Vergleichbarkeit von Krankheitsbildern. Gleichzeitig muss offen und transparent auf Kritik eingegangen werden.

Kritik an der ePA

Ein Beispiel für Kritik sind verschiedene Artikel, die sich mit Sicherheitslücken der ePA befassen. So hat der Chaos Computer Club (CCC) Ende 2024 mehrere Schwachstellen offengelegt, die es Dritten ermöglichten, auf elektronische Patientenakten zuzugreifen (17). Im Januar 2025 schloss sich der Verein einem offenen Brief für mehr Vertrauen in die ePA an und veröffentlichte eine Pressemitteilung, in der mehr Transparenz bei der Implementierung gefordert wurde (18). Am 29. April 2025 hat der bundesweite Rollout der ePA begonnen. Am 30. April 2025 erklärte die gematik GmbH, die für den Rollout verantwortlich ist, dass die Sicherheitslücken geschlossen worden seien (19). Kurz darauf wurden weitere Sicherheitslücken durch den CCC aufgedeckt, die anschließend geschlossen wurden. Abschließende technische Lösungen für die skizzierten Angriffsszenarien sollen laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bis Anfang 2026 implementiert werden (20).

Die Unklarheit darüber, welche Schutzmaßnahmen bereits vollständig umgesetzt wurden, sowie die öffentlich bekannt gewordenen Mängel beeinträchtigen trotz hoher technischer Sicherheitsstandards das Vertrauen in die ePA und die Akzeptanz durch Patientinnen und Patienten. Diese Aspekte sollten künftig klarer und transparenter kommuniziert werden.

Literatur

  1. Shahmoradi L, Darrudi A, Arji G, Farzaneh Nejad A. Electronic Health Record Implementation: A SWOT Analysis. Acta Med Iran 2017; 55(10):642–9.
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  1. Kose I, Rayner J, Birinci S, Ulgu MM, Yilmaz I, Guner S. Adoption rates of electronic health records in Turkish Hospitals and the relation with hospital sizes. BMC Health Serv Res 2020; 20(1):967. doi: 10.1186/s12913-020-05767-5.
  1. Steinhauser S, Raptis G. Design propositions for nudging in healthcare: Adoption of national electronic health record systems. Digit Health 2023; 9:20552076231181208. doi: 10.1177/20552076231181208.
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  1. Opt-out-Verfahren ePA: Erste Krankenkassen schreiben Versicherte an; 2024 [Stand: 12.03.2025]. Verfügbar unter: https://www.kbv.de/html/1150_71179.php#:~:text=Ab%2015.,kann%20er%20jederzeit%20widerrufen%20werden.
  1. Bundesministerium für Gesundheit. ePA für alle in Modellregionen gestartet: Bundesministerium für Gesundheit; 2025 [Stand: 14.04.2025]. Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/epa-fuer-alle-in-modellregionen-gestartet.html.
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  1. Papadopoulos K, Struckmann V, Wyl V von, Gille F. Citizen Views on an Opt-Out Approach to National Electronic Health Records in Germany: A Small-Scale Qualitative Study. Int J Public Health 2024; 69:1607288. doi: 10.3389/ijph.2024.1607288.
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  1. Papadopoulos K, Wyl V von, Gille F. What is public trust in national electronic health record systems? A scoping review of qualitative research studies from 1995 to 2021. Digit Health 2024; 10:20552076241228024. doi: 10.1177/20552076241228024.
  1. Schwachstellen bei der ePA: Hinweise zur Datensicherheit; 2025 [Stand: 13.03.2025]. Verfügbar unter: https://www.kbv.de/html/1150_73620.php.
  1. 46halbe. Ohne Transparenz kein Vertrauen in elektronische Patientenakte; 2025 [Stand: 02.06.2025]. Verfügbar unter: https://www.ccc.de/en/updates/2025/epa-transparenz.
  1. gematik GmbH. Aktuelles | ePA-Sicherheitslücke geschlossen: gematik GmbH; 2025 [Stand: 02.06.2025]. Verfügbar unter: https://www.gematik.de/newsroom/news-detail/aktuelles-epa-sicherheitsluecke-geschlossen.
  1. Kurz C. Endgültige Sicherheit erst 2026; 2025 [Stand: 02.06.2025]. Verfügbar unter: https://api.aerzteblatt.de/pdf/122/10/a556.pdf.

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Grigori Rogge

Grigori Rogge ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im ATLAS-Projekt. Er beschäftigt sich vorrangig mit dem Themenkomplex Cyberrisiken im Gesundheitssektor.

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