Digitale Technologien als Treiber grüner Lieferketten

Angesichts steigender Emissionen im Gesundheitswesen bietet die Digitalisierung eine vielversprechende Lösung für grünere Lieferketten. Ein Framework zeigt, wie digitale Technologien genutzt werden können, um Nachhaltigkeitsziele mit betrieblicher Effizienz zu verbinden und gleichzeitig die Resilienz der Lieferketten zu stärken.
Da etwa 70 % der Emissionen im Gesundheitswesen auf die Lieferkette zurückzuführen sind [1,2], wächst das Interesse von Gesundheitsorganisationen an digitalen, nachhaltigen Lösungen zur Gestaltung grüner und resilienter Lieferketten [3,4]. Digitale Technologien wie Blockchain, künstliche Intelligenz und das Internet of Things (IoT) bieten erhebliches Potenzial, um Ressourcen effizienter zu nutzen, Abfälle zu minimieren und den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren [5]. Beispielsweise kann Blockchain genutzt werden, um die Herkunft von Medizinprodukten transparent nachzuverfolgen und so den Einsatz umweltfreundlicherer Materialien in der Lieferkette zu fördern [6]. Dennoch stehen Gesundheitsorganisationen vor der Herausforderung, diese Technologien nahtlos in bestehende Systeme zu integrieren.
Framework für eine digital gestützte grüne Lieferkette im Gesundheitswesen
In diesem Science Digest wird untersucht, wie digitale Technologien zur Schaffung grüner und resilienter Lieferketten im Gesundheitswesen beitragen können. Im Mittelpunkt der Studie von Man et al. (2024) stehen Herausforderungen und Lösungen bei der Integration digitaler Technologien. Durch Tiefeninterviews mit Akteuren des öffentlichen Gesundheitswesens in Singapur und Analysen öffentlich zugänglicher Regierungs- und Branchendokumente wurde ein praxisorientierter Rahmen entwickelt. Dieses Framework bietet konkrete Ansätze zur Überwindung bestehender Herausforderungen und zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen im Gesundheitswesen.
- Das Gesundheitsökosystem als Netzwerk verstehen
Die Lieferkette wird als dynamisches Ökosystem betrachtet, in dem Akteure wie Gesundheitseinrichtungen, Lieferanten, Technologieanbieter, Regulierungsbehörden und Patienten zusammenarbeiten. Blockchain-Technologien ermöglichen eine sichere und transparente Dokumentation der Lieferkette, wodurch Prozesse optimiert und umweltfreundlichere Entscheidungen gefördert werden. Eine gemeinsame Sicht auf die Herausforderungen und Ziele des Ökosystems stärkt zudem die Zusammenarbeit und führt zu einer Steigerung der betrieblichen Effizienz.
- Resilienz als Leitprinzip
Die Resilienz der Lieferkette wird durch den gezielten Einsatz digitaler Technologien erhöht. Digitale Technologien wie Echtzeitüberwachung und Automatisierung helfen, den Materialfluss zu optimieren und Engpässe frühzeitig zu erkennen. So tragen digitale Systeme und IoT-Anwendungen dazu bei, die Rückverfolgbarkeit und das Bestandsmanagement zu verbessern und den Ressourceneinsatz zu optimieren.
- Digitale Technologien als Treiber
Die Integration digitaler Technologien ist entscheidend für die Gestaltung einer grünen Lieferkette. Künstliche Intelligenz ermöglicht es, Datenströme in Echtzeit zu analysieren und den Energieverbrauch zu optimieren. Gleichzeitig bieten IoT-Systeme die Möglichkeit, den gesamten Lebenszyklus von Produkten in Echtzeit zu überwachen, um Abfälle zu minimieren und die Ressourcennutzung zu maximieren. Durch den Einsatz dieser Technologien können nachhaltige Prozesse in die Lieferkette integriert werden, was die betriebliche Effizienz der Gesundheitsorganisationen verbessert.
- Management- und Organisationsanpassungen
Um digitale Technologien erfolgreich in grüne Lieferketten zu integrieren, sind Managementanpassungen unerlässlich. Unternehmen müssen ihre Strukturen anpassen, um die Flexibilität zu erhöhen, synchronisierte Arbeitsabläufe zu fördern und kontinuierliche Verbesserungen zu gewährleisten. Gleichzeitig sind Schulungsmaßnahmen erforderlich, um die digitalen Kompetenzen der Mitarbeitenden zu stärken und den Übergang zu einer digitalisierten Lieferkette zu erleichtern. Diese organisatorischen Anpassungen fördern die Akzeptanz digitaler Lösungen und schaffen ein Arbeitsumfeld, das auf Innovation und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist [7].
Fazit
Das vorgestellte Framework zeigt, wie digitale Technologien gezielt eingesetzt werden können, um ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Effizienz zu verbinden. Dabei geht es nicht nur um technische Optimierungen, sondern auch um organisatorische Veränderungen, die den Weg zu einer grünen und resilienten Lieferkette unterstützen. Für Deutschland ist dieser Ansatz besonders relevant, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen und die Gesundheitsversorgung zukunftsfähiger zu gestalten [8]. Die Digitalisierung wird als entscheidender Treiber betrachtet, um Gesundheitsorganisationen bei der Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Quellen
[1] Karliner J, Slotterback S. Health Care’s Climate Footprint: How the Health Sector Contributes to the Global Climate Crisis and Opportunities for Action. Health Care Without Harm; Reston, VA, USA: 2020.
[2] Stenzel A, Waichman I. Supply-chain data sharing for scope 3 emissions. npj Climate Action. 2023; 2(7). DOI: 10.1038/s44168-023-00032-x.
[3] Kumar A, Rahman S. RFID-enabled process reengineering of closed-loop supply chains in the healthcare industry of Singapore. Journal of Cleaner Production. 2014; 85: 382-394. DOI: 10.1016/j.jclepro.2014.04.037.
[4] Seyedghorban Z, Tahernejad H., Meriton R, Graham G. Supply chain digitalization: past, present and future. Production Planning & Control. 2019; 31(2–3): 96–114. DOI: 10.1080/09537287.2019.1631461.
[5] Bigliardi B, Filippelli S, Petroni A, et al. The digitalization of supply chain: a review. Procedia Computer Science. 2022; 200: 1806-1815. DOI: 10.1016/j.procs.2022.01.381.
[6] Musamih A, Jayaraman R, Simsekler MCE, et al. Blockchain-Based Solution for Distribution and Delivery of COVID-19 Vaccines. IEEE Access. 2021; 11(9): 71372-71387. DOI: 10.1109/ACCESS.2021.3079197.
[7] Man L; Lin Y, Pang G. et al. Digitalization to achieve greener healthcare supply chain. Journal of Cleaner Production. 2024; 463: 142802. DOI: 10.1016/j.jclepro.2024.142802.
[8] Rasche L, Schneider U A, Steinhauser J. A stakeholders’ pathway towards a future land use and food system in Germany. Sustainability Science. 2023; 18, 441–455. DOI: 10.1007/s11625-022-01212-0.
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