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Messenger-Dienste für Ärzte

Digitale Kommunikationswege prägen unseren Alltag. Der schnelle und unkomplizierte Austausch von Text-, Bild,- Sprach- oder Videodateien tangiert nicht nur das Privatleben sondern auch unsere Arbeitswelt und wird zunehmend im Setting Gesundheitsversorgung genutzt (1, 2). Die Digitalisierung von Prozessen sowie ein nahtloser Datenaustausch in Echtzeit wird für Patienten in Form von Telekonsultationen mit dem Arzt sowie dem eRezept erfahrbar. Für einen medienbruchfreien Gesundheitsdatenaustausch unter Health Professionals soll unter anderem die ePA Dokumentations- und Verwaltungsaufwand erleichtern. Neben der teilweise gesetzlich verpflichtenden Einführung von eRezept, eAU oder ePA sowie der Voraussetzung eines Anschlusses an die TI bieten besonders Digital Health Start-ups niederschwellige Möglichkeiten eines digitalen Informationsaustausches via Messenger-App. Wie können Messenger-Apps Health Professionals im Versorgungsprozess unterstützen?

WhatsApp bleibt beliebtester Messenger

WhatsApp ist der beliebteste Instant-Messenger. Der Social Media Dienst hatte 2021 zwei Milliarden aktive monatliche Nutzer weltweit, in Deutschland nutzten ihn rund 80 Prozent (3). Dies liegt nicht zuletzt an stetig günstigeren Tarifen für mobile Daten sowie der kontinuierlichen Zunahme internetfähiger Mobiltelefone – dem mit rund 62,6 Millionen Nutzern in Deutschland beliebtesten Kommunikationsmedium heutiger Zeit (4).

Auch im Gesundheitswesen wird WhatsApp z.B. zum Austausch unter Health Professionals oder in der Kommunikation zwischen Fachpersonal und Patient genutzt (1, 5). Ärzte nutzen WhatsApp vorwiegend zur Diagnose, Verlaufsbesprechung oder für Therapieentscheidungen (1), um die Versorgung effektiver gestalten zu können. Konsultationen untereinander werden auf diese Weise nach eigenen Angaben einfacher umgesetzt, insbesondere durch den Versand entsprechender Medien zur Veranschaulichung (1). Eine weitere Studie zur WhatsApp-Nutzung im klinischen Kontext belegt, dass Ärzte Messenger hauptsächlich zum Teilen wissenschaftlicher Informationen, zwecks Aufgabenverteilung, Befunden oder zum Einholen von (Fall-)Informationen sowie zur Weitergabe von Patienteninformationen an andere Kliniken nutzen (6).

Abgesehen von den Vorteilen des schnellen und unkomplizierten Austauschs bestehen jedoch aus Datenschutzperspektive starke Argumente gegen eine Nutzung der App im Kontext der Gesundheitsversorgung: Daten sind nicht hinreichend verschlüsselt, Nachrichten können meist sogar ohne PIN- oder Passworteingabe eingesehen sowie Medien auf dem Endgerät der Nutzer gespeichert werden (1).

Datensichere Alternativen bergen Potenzial

Insbesondere während der Corona-Pandemie waren und sind mobile Messenger Teil praktischer Lösungen zum Austausch über die Ferne in Echtzeit (1). Beispiele für die Anwendung von Messenger-Apps zur Kommunikation über das Smartphone oder den PC für Arztpraxen oder Kliniken sind Siilo oder Hospify (7, 8). Die kostenfrei erhältliche Siilo App ist europaweit das größte Netzwerk für medizinisches Fachpersonal und hat seine Nutzerzahlen seit 2019 mehr als vervierfacht (9). Die App codiert sensible Patientendaten, die in Nachrichten übermittelt werden. Auf dem Smartphone sind Medien in einer speziellen, verschlüsselten Medienbibliothek gespeichert, die App selbst ist durch einen PIN geschützt (5, 8). Innerhalb der Chatverläufe können z.B. Ärzte gesondert Fälle anlegen, welche unabhängig von der restlichen Unterhaltung verlaufen und als PDF für die elektronische Patientenakte exportiert werden können (8). In Großbritannien wiederum sind immer mehr Kliniken dazu übergegangen, die App Hospify zur internen Kommunikation während Corona einzusetzen (10). Organisationsspezifische Informationen, wie z.B. neue Corona-Regelungen, Klinik- oder Praxisbestimmungen könnten für Health Professionals auch bei fehlenden Team-Meetings aufgrund von Schichtdiensten schnell via sicherem Gruppen-Messenger kommuniziert werden (11).

Versorgung kann unterstützt und bereichert werden

Allgemeine Chancen von Messenger-Apps sind leicht erkannt: Möglich werden u.a. schnelle Konsultationen und dadurch ein verbesserter Workflow, eine Förderung enger Zusammenarbeit und somit letztlich eine Unterstützung und potenzielle Steigerung der Versorgungsqualität (5). Follow-Ups oder Notfälle, insbesondere z.B. in der Dermatologie oder Zahnmedizin, können kontaktlos, einfacher und schneller durchgeführt werden (2).

Die Qualität der Medien – Fotos, Videos oder eingescannte Dokumente – ist normalerweise aufgrund weitverbreiteter neuester Technologie in Smartphones oder Tablets relativ gut. Daher lassen sich diese, ebenso wie Echtzeit-Gespräche per Messenger-App adäquat in der Versorgung verwenden (2). Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und dem einhergehenden Wunsch, Kontakte zu reduzieren, erfährt diese Art der Kommunikation noch einmal einen Aufschwung. Es wird insbesondere von der Anwendung im Fall vulnerabler Gruppen wie Patienten mit Autoimmunerkrankungen, chronischen Erkrankungen oder Schwangerschaften berichtet (12).

Vorsicht: Mehrarbeit?

Generell könnte der Arbeitsaufwand für Fachkräfte durch die Nutzung von Messenger-Apps steigen. Sind Messenger auf einem ständig zugänglichen Smartphone installiert, kann dies zur Beantwortung von Anfragen außerhalb der Arbeitszeit oder in Urlaubszeiten führen (6). Darüber hinaus müssen zwangsweise Schnittstellen mit elektronischen Patientenakten vorhanden sein (1).

Sollte es zur Interaktionen zwischen Arzt und Patient kommen, müssen außerdem bestimmte technische Voraussetzungen gegeben sein. So muss der Patient eine stabile Internetverbindung, eine gute Frontkamera und bei Bedarf ein ausreichendes Mikrofon zur Verfügung haben (2). Zwar sind Alltagstechnologien weit verbreitet – dennoch kann nicht immer davon ausgegangen werden, dass alle technischen Voraussetzungen weitreichend gegeben sind.

Einheitliche, praktikable Lösung gefragt

Die Veränderung weg vom gängigen Messenger hin zu geprüften, datensicheren Alternativen sollte möglichst jeweils für die gesamte Einrichtung (z.B. Klinik oder Praxis) umgesetzt werden; im Idealfall häufig weiterversorgende oder kooperierende Einrichtungen eingeschlossen. Da das Potenzial, mit einer App-Nutzung Schaden im klinischen Setting zu bewirken, von Fachkräften oftmals als relativ gering empfunden wird (1), sollte eine Veränderung z.B. vom Klinikmanagement angestoßen werden.

Speziell für das Umfeld der Gesundheitsversorgung entwickelte Messenger-Apps bieten so die gleichen Vorteile wie herkömmliche Anwendungen (z.B. WhatsApp), bei größerer Datensicherheit, Schnittstellen und geregeltem Umgang mit Informationen. So wird Fachpersonal von Risiko und Eigenverantwortung des Datenschutzes seiner Patienten befreit und die schnelle und einfache Kommunikation zum Wohle der Versorgung geregelt.

Quellen

  1. Barayev E, Shental O, Yaari D, Zloczower E, Shemesh I, Shapiro M, et al. WhatsApp Tele-Medicine – usage patterns and physicians views on the platform. Isr J Health Policy Res. 2021;10(1):34. Zum Original
  2. Giudice A, Barone S, Muraca D, Averta F, Diodati F, Antonelli A, et al. Can Teledentistry Improve the Monitoring of Patients during the Covid-19 Dissemination? A Descriptive Pilot Study. Int J Environ Res Public Health. 2020;17(10). Zum Original
  3. Department SR. Ranking der größten Social Networks und Messenger nach der Anzahl der Nutzer im Januar 2021. Zum Original
  4. Tenzer F. Statistiken zur Smartphone-Nutzung in Deutschland: Statista; 2021. Zum Original
  5. Masoni M, Guelfi MR. WhatsApp and other messaging apps in medicine: opportunities and risks. Intern Emerg Med. 2020;15(2):171-3. Zum Original
  6. De Benedictis A, Lettieri E, Masella C, Gastaldi L, Macchini G, Santu C, et al. WhatsApp in hospital? An empirical investigation of individual and organizational determinants to use. PLoS One. 2019;14(1):e0209873. Zum Original
  7. Marxen R. Messenger für Ärzte: 3 WhatsApp-Alternativen, die sicher und erlaubt sind 2019. Zum Original
  8. Siilo. Siilo Messenger. Eine sicherer Nachrichtendienst 2022. Zum Original
  9. EHEALTHCOM. Ein Jahr Siilo in Deutschland 2020. Zum Original
  10. Baker L. London NHS trust turns to secure messaging tech to help 10,000 staff amid Coronavirus epidemic 2020. Zum Original
  11. NHS. A messaging app that allow clinicians to communicate securely 2020. Zum Original
  12. Garfan S, Alamoodi AH, Zaidan BB, Al-Zobbi M, Hamid RA, Alwan JK, et al. Telehealth utilization during the Covid-19 pandemic: A systematic review. Comput Biol Med. 2021;138:104878. Zum Original

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