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Gesundheits-Apps: im Versorgungsalltag noch nicht angekommen

Nutzenversprechen mit Startschwierigkeiten

Mobile-Health-Anwendungen wie Gesundheits-Applikationen (Apps) versprechen große Potenziale für die Interaktion zwischen Patienten und Leistungserbringern, vor allem in der therapeutischen Praxis. Dreh- und Angelpunkt sind hierbei zunächst – wie im Falle der meisten digitalen Anwendungen – die konkrete Implementierung und Nutzung der Technologie im Behandlungsalltag. Diese können durch Entscheidungsunterstützung bei der App-Auswahl und -Implementierung sowie mittels standardisierter Schulungen auf Leistungserbringer- und Patientenseite gefördert werden.

Eine Schwerpunktausgabe des „Journal of Technology in Behavioral Science“ zum Thema „mHealth, Smartphone und Apps“ widmete sich nun am Beispiel von in den USA eingesetzten Apps der Frage, wie mobile Anwendungen insbesondere in der therapeutischen Praxis gezielt implementiert und angewendet werden können.

Im Zentrum stehen besonders die Fragen, (i) wie Apps zur Ergänzung der Patienten-Therapeuten-Interaktion eingesetzt werden können, (ii) welcher Kompetenzen es auf Seiten der Leistungserbringer bedarf und (iii) wie ein spezifisches Ausbildungs-Curriculum bzw. ein kompetenzbasiertes Training zur App-Anwendung konkret ausgestaltet sein könnte.

Gesundheits-Apps: niederschwelliges Add-On – viele Unsicherheiten

Der Einsatz von mHealth und insbesondere Gesundheits-Apps kann die klassische Gesundheitsversorgung ergänzen. Patienten äußern verstärkt Interesse an der Technologie, sind allerdings trotz des oft alltäglichen Gebrauchs von digitalen Medien unsicher im Umgang. Vermehrt kommt die Forderung auf, Leistungserbringer sollten Empfehlungen aussprechen und Wissen um und über Apps vermitteln.

App-Anwendung stellt Leistungserbringer vor Herausforderungen

Die Behandlung psychischer Erkrankungen bietet besonderes Potenzial für die App-Anwendung. Durch eine fast flächendeckende Smartphone- und App-Nutzung haben Therapeuten die Chance, neue Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen und den Behandlungsprozess zu erweitern. Einsatz finden Apps bereits in den Bereichen Psychoedukation, Selbstmanagement oder Echtzeit-Tracking. Während jedoch die Forschung zu mobilen Anwendungen stetig wächst, stagniert die Anwenderrate auf Seiten der Leistungserbringer.

Der Weg zur „App-Kompetenz“

Ein wesentlicher Grund dafür ist das Fehlen spezifischen Wissens zur sicheren Implementierung und App-Nutzung in Behandlungsszenarien. Dabei existieren bereits unterschiedliche Evaluations-Tools, die bei der Auswahl von Apps zur Ergänzung des Behandlungsprozesses in Betracht gezogen werden können. Die relevantesten Aspekte zur Evaluation sind die Verlässlichkeit der Quelle, die Evidenzgrundlage, Usability und Nutzeroberfläche sowie Datensicherheit. Wesentliche Kompetenzen seitens der Leistungserbringer werden in Anamnese bzgl. App-Anwendungen, persönliche Fähigkeiten der Patienten, Übungen zur möglichen Kommunikationsform, Erlernen der spezifischen Anwendung und Wissen um Technologie gegliedert.

Anwendungstraining: kompetenz- statt produktbasiert

Um die spezifische Nutzungskompetenz zu fördern, wurde ein Curriculum zur Schulung von relevanten mHealth-Inhalten entwickelt. Darüber hinaus existiert seit vier Jahren die Methode eines kompetenzbasierten Trainings für Leistungserbringer der Gesundheitsversorgung, das Fachwissen in Form von „Best Practices“ zum Thema mHealth vermittelt. Von Seiten der Forscher wird empfohlen, diese Lehrmethode aus dem mHealth-Bereich weiter zu standardisieren sowie auf andere Anwendungen im Gesundheitssystem anzuwenden.

Ein erstes Fazit

Die Auseinandersetzung mit Wissensgrundlagen zur Empfehlung und Anwendung von Apps im Therapieverlauf wird für Leistungserbringer zunehmend relevanter. Grund hierfür ist besonders das Sicherheitsbedürfnis, welches von Therapeuten aktuell in den Bereichen Wissen über und Training im Umgang mit Apps sowie entsprechenden Richtlinien bemängelt wird. Standardisierte, übertragbare Curricula und Trainingsmethoden, wie sie in der zugrundeliegenden Spezialausgabe angeführt werden, können hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

Quellen

  1. Perry K, Shearer E, Sylvers P, Carlile J, Felker B. mHealth 101: an Introductory Guide for Mobile Apps in Clinical Practice. Journal of Technology in Behavioral Science. 2019; 4(2): 162-9. zum Original
  2. Hilty DM, Chan S, Torous J, Luo J, Boland RJ. A Telehealth Framework for Mobile Health, Smartphones, and Apps: Competencies, Training, and Faculty Development. Journal of Technology in Behavioral Science. 2019; 4(2): 106-23. zum Original
  3. Armstrong CM. Mobile Health Provider Training: Results and Lessons Learned from Year Four of Training on Core Competencies for Mobile Health in Clinical Care. Journal of Technology in Behavioral Science. 2019; 4(2): 86-92. zum Original

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