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Gesundheitsversorgung im Wandel – der digitale Patient

Die digitale Transformation des Gesundheitswesens hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Rolle des Patienten. Insbesondere die Beziehung zu Leistungserbringern wie Ärzten durchlebt einen Wandel (1, 2). Durch die Digitalisierung können Patienten souveräner und mündiger werden: Sie haben beispielsweise die Möglichkeit, Gesundheitsfragen selbst im Internet zu recherchieren oder eigenverantwortlich Gesundheits-Apps zu nutzen (3). Für Health Professionals bieten sich durch das digitale Angebotsspektrum und hiermit verbundene Möglichkeiten der Patienten eine Menge Chancen, aber auch zahlreiche Herausforderungen und Handlungsbedarfe (4-6). Hausärzte sind besonders betroffen, da sie in der Regel langfristigen und regelmäßigen Kontakt mit ihren Patienten haben und als Gatekeeper fungieren. Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für Hausärzte im Kontext der Versorgung eines „digitalen Patienten“?

Der digitale Gesundheitsmarkt

Die Ausgaben für das deutsche Gesundheitssystem betrugen 2019 über 400 Milliarden Euro und sind damit in einem Jahr um fast fünf Prozent gestiegen. Je 1.000 Einwohner betrugen sie im Schnitt fast fünf Millionen Euro (7). Digitale Angebote für Patienten bieten eine Möglichkeit, dem Anstieg der Gesundheitsausgaben auf lange Sicht entgegenzuwirken. Ein großer Bereich ist die ambulante hausärztliche Versorgung. Patienten haben auf diverse Arten die Option, sich parallel zum oder statt eines Arztbesuches zu informieren und selbst tätig zu werden. Vor allem chronisch Kranke können beispielsweise von Gesundheits-Apps – wie „My Therapy“ zum Selbstmanagement der Krankheit (8) – profitieren und sich womöglich Fragen und folglich Arztbesuche sparen. Hierdurch werden die Hausärzte entlastet und durch die präventive und gesundheitsfördernde Herangehensweise können langfristige Folgeschäden vermieden werden (1, 3). Die Bereitschaft zur Nutzung ist da, der Patient wird digitaler. Die tatsächliche Nutzung ist jedoch noch gering. Die COVID-19-Pandemie hat diesbezüglich einen Stein ins Rollen gebracht: Im Vergleich zum ersten Quartal von 2019 haben sich die Downloads digitaler Gesundheitsanwendungen zu Beginn des Folgejahres auf zwei Millionen verdoppelt (9).

Digitale Lösungen schaffen neue Rollen

Gesundheits-Apps stellen nur ein Angebot für Patienten dar. Die Entwicklung wird stetig vorangetrieben und führt zu einem Rollenwandel – vom traditionellen zum digitalen Patienten (5). Anwendungen wie die elektronische Gesundheitskarte und die elektronische Patientenakte (ePA) sollen die eigenen Gesundheitsdaten gebündelt abrufbar machen. Das kann den Patienten mehr in seine eigene Versorgung einbeziehen und folglich den Umgang zwischen Hausärzten und Patienten verändern. Der digitale Patient kann durch die Option, sich präziser selbst zu informieren, selbstbestimmter und mündiger werden und vermehrt an seiner gesundheitlichen Versorgung teilhaben (2, 3, 10). Bei Hausärzten bedarf es einer Anpassung an diesen potenziellen Rollen- und Beziehungswandel im Kontext der Digitalisierung, die Chancen und Anforderungen mit sich bringt.

Zwei Seiten einer Medaille

Die Nutzung von e-health durch Patienten kann verschiedene Vorteile für die Arbeit des Hausarztes haben. Bei Patienten, die vor einem Arztbesuch Informationen im Internet suchen und diese mit ihrem Arzt teilen, kann der Besuch durch das Empowerment und die Informiertheit des Patienten unkomplizierter verlaufen (11, 12). Wenn der Patient jedoch durch seine Recherche skeptisch wird, kann dies gegensätzlich zu Konflikten mit dem Arzt führen und die Interaktion erschweren. Schwierigkeiten im Umgang können ebenso entstehen, wenn der digitale, informierte Patient auf einen Hausarzt stößt, bei dem das digitale Angebot noch wenig fortgeschritten ist. Dieser hat in der Folge vermutlich wenig Verständnis für das „digitale Handeln“ seines Patienten (6, 9). Besteht auf beiden Seiten die positive Einstellung gegenüber digitalen Innovationen, können die generellen Potenziale der Digitalisierung – insbesondere eine individualisierte, effiziente Behandlung sowie erleichterte Kommunikation und Vernetzung – gemeinsam verfolgt werden und eine optimierte Gesundheitsversorgung gewährleisten (9). Finden zudem telemedizinische Anwendungen wie die Video-Sprechstunde einen Weg in die hausärztliche Regelversorgung, kann der Hausarzt niedrigschwellig orts- und zeitunabhängig mit seinen Patienten kommunizieren (13).

Der Wandel zum digitalen Patienten nimmt Fahrt auf

Die ambulante hausärztliche Versorgung durchlebt durch die digitale Transformation einen Wandel: Hausärzte unterliegen insbesondere durch die neue Rolle des digitalen Patienten einem Anpassungsdruck. Zwar bestehen Chancen in der Informiertheit und Selbstständigkeit des digitalen Patienten, weil der Besuch beim Hausarzt durch Innovationen wie Apps und Telehealth wegfallen oder zeiteffizienter und erfolgversprechender sein kann. Es kann aber auch zu Problemen in der Arzt-Patienten-Kommunikation kommen, wenn der digitale Patient keine digitale Kompetenz aufweist und z. B. Fehlinformationen recherchiert hat (1, 13). Hausärzte und Patienten sollten schließlich auf einem „digitalen Level“ sein oder zumindest eine Angleichung anstreben. Für die Ärzte als Health Professionals ist daher empfehlenswert, das digitale Angebot entsprechend der Bedürfnisse ihrer Patienten auszuweiten und eine digitalisierte Kommunikation mit anderen Health Professionals zu verfolgen sowie sich bei erfahrenen Kollegen zu informieren (9, 11).

Quellen

  1. Birnbaum F, Lewis DM, Rosen R, Ranney ML. Patient engagement and the design of digital health. Academic emergency medicine: official journal of the Society for Academic Emergency Medicine. 2015;22(6):754. zum Original
  2. van Riel PLCM, Zuidema RM, Vogel C, Rongen-van Dartel SAA. Patient Self-Management and Tracking: A European Experience. Rheumatic Disease Clinics of North America. 2019;45(2):187-95. zum Original
  3. Bonnici T, Tarassenko L, Clifton DA, Watkinson P. The digital patient. Clinical medicine. 2013;13(3):252. zum Original
  4. Universität Stuttgart. Digitalisierung ändert das Arzt-Patient*innen-Verhältnis 2021. zum Original.
  5. Odone A, Buttigieg S, Ricciardi W, Azzopardi-Muscat N, Staines A. Public health digitalization in Europe. Eur J Public Health. 2019;29(Supplement_3):28-35. zum Original
  6. De Rosis S, Barsanti S. Patient satisfaction, e-health and the evolution of the patient–general practitioner relationship: Evidence from an Italian survey. Health Policy. 2016;120(11):1279-92. zum Original
  7. Statistisches Bundesamt (destatis). Gesundheit. Gesundheitsausgaben 2021. zum Original
  8. smartpatient gmbh. My Therapy 2021. zum Original
  9. McKinsey & Company. eHealth Monitor 2020. Deutschlands Weg in die digitale Gesundheitsversorgung – Status quo und Perspektiven. 2020. zum Original
  10. Bundesministerium für Gesundheit (BMG). E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen 2021. zum Original
  11. Bertelsmann Stiftung. Der digitale Patient 2021. zum Original
  12. Lupton D. The digitally engaged patient: Self-monitoring and self-care in the digital health era. Social Theory & Health. 2013;11(3):256-70. zum Original
  13. Powell RE, Henstenburg JM, Cooper G, Hollander JE, Rising KL. Patient Perceptions of Telehealth Primary Care Video Visits. Ann Fam Med. 2017;15(3):225-9. zum Original

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