Diese Seite ist für Menschen und Suchmaschinen gestaltet. Zur Version für KI-Systeme (LLM) →

Unterstützende Sprachassistenten – für ein Leben im häuslichen Umfeld bis ins hohe Alter

Sprachassistenten sind nützliche Alltagshelfer, die das Leben der Menschen komfortabler machen. Sie ermöglichen eine sprachgesteuerte Medieninteraktion, die Erstellung von Listen, das Ein- und Ausschalten von Geräten oder den Abruf von Informationen (1). In Deutschland sind die Sprachassistenten von Google (Google Assistent), Amazon (Alexa) und Apple (Siri) am häufigsten Vertreten (2). Das Potenzial von Sprachassistenten ist bislang nicht ausgeschöpft und bietet in vielen Lebensbereichen erleichternde bzw. unterstützende Features. Ein Bereich ist die Erfassung von Gesundheitsdaten oder die Steuerung des Gesundheitsverhaltens (3). Auch die Überwachung eines Gesundheitszustandes, beispielsweise bei chronischen Erkrankungen, kann mithilfe eines Sprachassistenten proaktiv begleitet werden (4). Bieten Sprachassistenten damit unterstützende Lösungen für ein Leben Hochbetagter im häuslichen Umfeld?

Wachsender Betreuungsbedarf ohne Technikunterstützung

Besonders für Pflegekassen und Beratungsstellen für Angehörige ist diese Fragestellung bedeutend. Die Zahl der Pflegebedürftigen lag in Deutschland 2017 bei rund 3,4 Millionen Menschen (5). Der Einsatz von Sprachassistenten ist besonders für Menschen mit geringem Pflegegrad relevant, da diese Gruppe besonders häufig im häuslichen Umfeld gepflegt wird. Ihr Anteil liegt bei den Pflegegraden 1 bis 3 bei etwa 80 Prozent. Rund 1,7 Millionen Pflegebedürftige werden von ihren Angehörigen gepflegt (5). Somit könnten etwa 2,2 Millionen Zuhause gepflegte Personen von der Nutzung eines Sprachassistenten profitieren. Werden 20 Prozent dieser Pflegebedürftigen länger Zuhause gepflegt, anstelle einer vollstationären Heimunterbringung, besteht ein Einsparpotenzial von rund 2,8 Milliarden EUR pro Jahr für die Pflegekassen. Somit haben Pflegekassen einen finanziellen Anreiz, die Versorgung im häuslichen Umfeld zu fördern.

Einsparungspotentiale für Pflegekassen bei häuslicher Pflege durch Angehörige

Einsparungspotential Pflegekassen

Zwei Engpassfaktoren spielen bei der Betrachtung eine Rolle. Erstens die verfügbaren Heimkapazitäten. Die Auslastung der Heime lag 2017 bei rund 90 Prozent (5). Zweitens das verfügbare Fachpersonal. Bis 2030 fehlen mindestens 100.000 Pflegekräfte (6). Somit ist neben den vermiedenen Ausgaben der Pflegekassen auch aus Kapazitätsgesichtspunkten ein Verbleib von älteren und pflegebedürftigen Menschen im häuslichen Umfeld erstrebenswert.

Sprachassistenten befähigen ältere Mitbürger zum Leben daheim

Die Nutzung von Sprachassistenten ermöglicht hochbetagten Bürgern, sich durch die sprachgesteuerte Nutzung von Geräten im Haushalt sowie der Interaktion mit medizinischen Geräten im häuslichen Umfeld zurechtzufinden (1,4). Es kann zwischen den beiden Hauptkategorien unterschieden werden:

  • Alltagsunterstützung:Steuerung von Licht und Heizung, Abfrage von Informationen, Programmieren von Haushaltsgeräten (1) sowie
  • Medizinischer Interaktion: Erfassung und Kommunikation von Vitalparametern, Interaktion mit medizinischen Geräten, Erinnerung zur Medikamenteneinnahme oder Absetzen von Notrufen (3,4)

Die nähere Betrachtung der medizinischen Interaktion zeigt den Nutzen verschiedener Funktionen des Sprachassistenten, unterteilt in:

  • Kommunikation: Notruf bei Angehörigen oder einer Rettungsstelle, Anruf bei Leistungserbringern (4)
  • Navigation: Führung durch Therapieprogramme, Handlungsanweisungen bei Notfällen, Anleitung und Nutzung von Medizinprodukten und -geräten, Erinnerung an Termine oder Medikamenteneinnahme (7,8)
  • Sicherheit: Erkennung von Stürzen, Überwachung von Vitalparametern, automatisierte Notrufe (4,8)

Die Nutzung des Sprachassistenten hat eine höhere Eigenständigkeit hochbetagter Personen zur Folge. Gleichzeitig werden pflegende Angehörige entlastet und können den Sprachassistenten als Kommunikationsmittel nutzen. Auf diese Weise entsteht einerseits ein größeres Sicherheitsempfinden und andererseits die Möglichkeit bei Notfällen jederzeit informiert zu werden (4). Intelligentes Mobiliar oder Smart Devices bieten zusätzliche Einsatzmöglichkeiten. Sie können mithilfe des Sprachassistenten direkt angesteuert werden oder einprogrammierte Funktionen abrufen (7,8).

Neben den genannten Sprachassistenten US-amerikanischer Technologie-Anbieter sind erste neue Anbieter in den Markt getreten, die sich speziell mit der Entwicklung von Sprachassistenten für die Zielgruppe der Hochbetagten befasst (9). Exemplarisch entwickelte ein Schweizer Start-up ein Gerät mit Sprachassistenz sowohl für das häusliche Umfeld als auch zur Unterstützung in Pflegeheimen. Dieses liegt mit Kosten von 20 Schweizer Franken in einem vergleichbar niedrigen und zielgruppenorientierten Preissegment (9). Durch eingebaute SIM-Karten ist auch ein Internetanschluss nicht zwingend notwendig. Über Sprachbefehle können die Geräte intuitiv aktiviert und gesteuert werden. Physische Einschränkungen bei Mobilität, Sehvermögen oder Vergesslichkeit können damit teilweise ausgeglichen werden (2). Eine gute Spracherkennung ist jedoch zwingend erforderlich (3).

Fazit

Sprachgesteuerte Assistenzsysteme bieten die Möglichkeit für Hochbetagte sich in ihrem häuslichen Umfeld besser zurechtzufinden und somit länger eigenständig zu leben. Dabei reichen die Funktionen von der Unterstützung im Haushalt bis zur Interaktion im medizinischen Kontext. Für Pflegekassen besteht das Potenzial zur Ausgabenreduktion. Angehörige werden entlastet und haben ein höheres Sicherheitsempfinden. Pflegekassen sollten die Nutzung von Sprachassistenten fördern sowie Informationen für Betroffene bereitstellen. Die Übernahme eines Sprachassistenten als Pflegesachleistung ist zu empfehlen (9). Die Einbindung von Beratungsstellen für pflegende Angehörige ist ebenfalls zielführend. Die Schulung von Hochbetagten und Angehörigen im Umgang mit Sprachassistenten ist eine zusätzliche, geeignete Maßnahme.

Quellen

  1. Matthew BH (2018) Alexa, Siri, Cortana, and More: An Introduction to Voice Assistants. Medical Reference Services Quarterly, 37:1, 81-88 zum Original
  1. SPLENDID RESEARCH (2019) Digitale Sprachassistenten: Eine repräsentative Umfrage unter 1.006 Deutschen zum Thema digitale Sprachassistenten und Smartspeaker zum Original
  1. Sezgin E, Militello L, Huang Y, Lin S (2020) A Scoping Review of Patient-Facing, Behavioral Health Interventions with Voice Assistant Technology Targeting Self-management and Healthy Lifestyle Behaviors. 2020, Translational Behavioral Medicine zum Original
  1. Dojchinovski D, Ilievski A, Gusev M (2019) Interactive home healthcare system with integrated voice assistant. 2019 42nd International Convention on Information and Communication Technology, Electronics and Microelectronics (MIPRO) zum Original
  1. Statistisches Bundesamt (2019) Statistisches Jahrbuch 2019, 4 Gesundheit zum Original
  1. Reiff E, Gade C, Böhlich S (2020) Handling the shortage of nurses in Germany: Opportunities and challenges of recruiting nursing staff from abroad. IUBH Discussion Papers, Reihe: Human Resources, Vol. 1 No. 3, July 2020 zum Original
  1. Jesús-Azabal M. et al. (2020) Voice Assistant to Remind Pharmacologic Treatment in Elders. In: García-Alonso J., Fonseca C. (eds) Gerontechnology. IWoG 2019. Communications in Computer and Information Science, vol 1185. Springer, Cham zum Original
  1. Ennis A. et al. (2017) A Smart Cabinet and Voice Assistant to Support Independence in Older Adults. In: Ochoa S., Singh P., Bravo J. (eds) Ubiquitous Computing and Ambient Intelligence. UCAmI 2017. Lecture Notes in Computer Science, vol 10586. Springer, Cham zum Original
  1. CARU (2018) CARU bringt den weltweit ersten Smart Sensor für den Pflegesektor auf den Markt. Medienmitteilung, Zürich, 22.11.2018 zum Original

Verwandte Artikel