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Pflegeroboter – Akzeptanz bei Jung und Zweifel bei Alt?

Pflegeroboter

Angesichts der demographischen Entwicklung und eines drohenden Fachkräftemangels steht die Pflege vor großen Herausforderungen. Mögliche Lösungsansätze finden sich im Einsatz von Robotik. Es wird jedoch angenommen, dass der Einsatz von Pflegerobotern insbesondere bei älteren Menschen Ängste auslösen kann.

Um möglichst nutzenbringende robotische Anwendungen für die Pflege entwickeln zu können, ist es daher sinnvoll, zu untersuchen, wie die Einstellung und Akzeptanz unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und hier besonders der Älteren gegenüber Robotern ist. Genau dies hat die im Folgenden zusammenfassend vorgestellte Studie von Backonja et al. (2018) getan.

Pflegenotstand – Roboter als Pflegekraft?

Die deutsche Bevölkerung altert rapide – in weniger als zehn Jahren wird der Anteil der über 65-Jährigen nach Alternsprognosen ein Drittel an der Gesamtbevölkerung ausmachen. Folglich wird es immer schwieriger, den Pflegebedarf zu decken. Dies wird durch den drohenden Fachkräftemangel in der Pflege verstärkt.

Roboter können Pflegekräfte in ihrer Arbeit unterstützen, beispielsweise bei der Verabreichung von Medikamenten. Das Potenzial zur Entlastung von Pflegekräften hängt jedoch wesentlich davon ab, wie erwünscht der Einsatz und wie die Akzeptanz von Pflegerobotern bei den Pflegebedürftigen in der Praxis sind.

Kein Erfolg ohne Nutzerakzeptanz

Um die Vorteile von Robotik im Gesundheitswesen allgemein und in der Pflege im Speziellen bestmöglich nutzen zu können, ist es zunächst wichtig, die grundsätzliche Einstellung der Nutzer gegenüber dem Einsatz von Robotern zu verstehen. Mit Blick auf die Pflege stellt sich unter anderem die Frage, ob ältere Menschen den Einsatz von Robotern tendenziell weniger akzeptieren als junge Menschen, z. B. weil sie im Allgemeinen nicht so technikaffin sind. Backonja et al. (2018) haben in einer Querschnittstudie die Einstellung von Menschen zum Einsatz von Robotern untersucht. Hierzu befragten die Autoren in einer amerikanischen Stadt insgesamt 499 Passanten, die per Zufallsstichprobe aus den drei Altersgruppen jung (18-44 Jahre), mittelalt (45-64 Jahre) und alt (65-98 Jahre) ausgewählt wurden.

Die methodische Grundlage für die Befragung bildeten die sog. „Negative Attitudes Towards Robots Scale (NARS)“ und der European Commission´s Autonomous System 2015 Report. Schwerpunkte der Befragung waren die Einstellung der Nutzer gegenüber Robotik sowie die soziale Wirkung und die Akzeptanz von Robotik. Bei der Datenauswertung wurde analysiert, inwiefern demografische Faktoren diese Aspekte beeinflussen.

Robotereinsatz – ja oder nein?

Im Ergebnis waren die Studienteilnehmer überwiegend der Ansicht, dass der Einsatz von Robotern Chancen bietet. So können diese z. B. gefährliche Aufgaben übernehmen. Hinsichtlich des Einflusses von Robotern auf Arbeitsplätze und zum Einsatz in OPs zeigten sich die Teilnehmer vornehmlich neutral. Negative Gefühle äußerten sie bei der Vorstellung, dass Roboter sich unmittelbar um ihre Nächsten kümmern, hier etwa alte Menschen und Kinder, oder den Hund spazieren führen.

Weiterhin fanden die Befragten es beunruhigend, wenn Roboter Emotionen zeigen, wobei die Mehrzahl ein Gespräch mit einem Roboter als neutral empfindet. Im Gegensatz zu jungen Menschen stuften die mittelalten und älteren Befragten die Nutzung von Robotern tendenziell etwas ängstlicher ein. Die mittels NARS-Skala erfasste Einstellung gegenüber Robotern war allgemein mit Webzugang, Selbstsicherheit in der Techniknutzung und Geschlecht assoziiert. Keine Rolle spielten dagegen subjektive Gesundheit, Nationalität, Bildung und Anzahl der Technologien im Haus.

Alt gleich skeptisch?

Die Studie von Backonja et al. (2018) hat gezeigt, dass es zwischen den Altersgruppen bei den meisten betrachteten Kriterien keine signifikanten Befragungsunterschiede gibt; sowohl die soziale Wirkung und die Akzeptanz von Robotik als auch die mittels NARS-Skala erfragten Einstellungen waren überwiegend altersunabhängig. Alte Menschen akzeptieren Robotik demnach wider Erwarten nicht weniger als junge Menschen.

Gute Aussichten

Die vergleichbaren Einstellungen der drei befragten Altersgruppen in Bezug auf den Einsatz von Robotern bestätigen vorherige Forschungen. Nennenswert ist, dass Roboter auch bei älteren Menschen nicht nur negative Gefühle auslösen, sondern als unterstützend bzw. neutral empfunden werden, vor allem, wenn sie Pflegekräfte nicht ersetzen und im Alter Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Diese Erkenntnis kann Pflegekräften dabei helfen, Roboter künftig noch erfolgreicher in die Pflegearbeit zu integrieren.

Methodische Einschränkungen

Methodisch ist darauf hinzuweisen, dass die Studie von Backonja et al. (2018) in einer städtischen Region durchgeführt wurde, wodurch die Repräsentativität der Ergebnisse eingeschränkt wird. Zudem sind mobil eingeschränkte Menschen und Personen aus unterschiedlichen Nationalitäten nicht repräsentativ vertreten. Weiterhin werden die Befragungsergebnisse beeinflusst, da die Teilnehmer teils unterschiedliche Vorstellungen von Robotern haben.

Und auch der EU-Report als Basis für die Befragung liefert keine Informationen zu Validität und Reliabilität. Schließlich befanden sich in den drei Altersgruppen unterschiedlich viele Befragte, sodass bei den gruppeninternen Vergleichen die Aussagekraft teils eingeschränkt sein kann.

Fazit

Die Befragten aus den drei Altersgruppen haben ähnlich auf Fragen zu sozialer Auswirkung und Akzeptanz von sowie zur Einstellung gegenüber Robotern geantwortet. Mithilfe dieser und weiterer Studienergebnisse, z.B. dass emotionale Roboter unerwünscht sind, können Experten entsprechende Robotik-Interventionen entwickeln, die eine unterstützende Rolle in der Gesellschaft einnehmen.

Lesen Sie auch: Humanoide Roboter in der Altenpflege: Zwischen Akzeptanz und Zurückhaltung

Quellen

  1. Backonja U, Hall AK, Painter I, Kneale L, Lazar A, Cakmak M, et al. Comfort and Attitudes Towards Robots Among Young, Middle-Aged, and Older Adults: A Cross-Sectional Study. J Nurs Scholarsh. 2018; 50(6): 623-33. zum Original
  2. Bendel O. Pflegeroboter: Springer; 2018. zum Original

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