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Digitale Technologien für Hebammen: Anwendung heute und Potenziale für morgen

Hebammen bilden das Fundament der Gesundheitsversorgung von werdenden Müttern und Neugeborenen. Allerdings gibt es weltweit einen Hebammenmangel, der durch verschiedene Belastungsfaktoren verstärkt wird. Könnten digitale Technologien eine Möglichkeit darstellen, Hebammen zu entlasten und ihre Ausbildung zu verbessern?

Führende Rolle von Hebammen bei der Versorgung

Hebammen begleiten Frauen durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett – mit medizinischer, psychologischer und sozialer Expertise (1). Ihr Beitrag ist essenziell für die physische sowie psychische Gesundheit von Mutter und Kind (2). Insbesondere in Entwicklungsländern ist die Arbeit der Hebammen ein signifikanter Faktor, um die Überlebensraten von werdenden Müttern und Neugeborenen zu erhöhen (3). Hohe Arbeitsbelastung durch ständige Erreichbarkeit der meist freiberuflich tätigen Hebammen erschwert bei steigenden Risikoprämien und komplexeren Dokumentationsanforderungen ihre Arbeit (4). Prognosen lassen bis 2030 mit einem weltweiten Mangel von etwa 300.000 Hebammen erwarten (5).

Digitale Technologien für Hebammen – Belgien geht voran

Akalin et al. haben zwischen Mai 2022 und April 2023 212 Hebammen in Belgien per Online-Erhebung befragt, um den Einsatz digitaler Technologien zu überprüfen. Dabei gaben mehr als die Hälfte der teilnehmenden Hebammen an, regelmäßig digitale Technologien in ihre Arbeit einzubeziehen. Abbildung 1 zeigt, welche digitalen Technologien sie hauptsächlich einsetzen (6).

Abbildung 1: Nutzung von Technologien durch belgische Hebammen gemäß der Umfrage von Akalin et al.

Die Befragten beschrieben allgemein eine hohe Sicherheit im Umgang mit den dargestellten Technologien, wobei die Sicherheit bei Hebammen mit einem höheren Bildungsabschluss (Master oder PhD) höher war. Lediglich beim Einsatz von Virtual Reality (VR), gaben die Befragten an, tendenziell eher unsicher im Umgang zu sein (6).

Digitale Technologien für Hebammen, wobei unterstützen sie?

Digitale Technologien bieten verschiedene Potenziale für Hebammen, zum Beispiel eine stärkere Personalisierung der Versorgung und die Senkung des administrativen Aufwands (7).

Telemonitoring hilft etwa bei der pränatalen Behandlung von Schwangerschaftsbluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes sowie bei der Überwachung von Komplikationen nach der Geburt, was sowohl Krankenhauseinweisungen wie auch Kosten reduziert (7, 8). Apps unterstützen Hebammen dabei, Termine zu koordinieren, werdende Mütter zu beraten und Gesundheitsdaten auszutauschen. Außerdem bieten Apps für Hebammen die Möglichkeit, sich über aktuelle Berufsleitlinien, wie die der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft, zu informieren (9). Virtual Reality (VR) hat vor allem Potenzial in der Fort- und Weiterbildung, sowohl von werdenden Müttern als auch Hebammen. Mit VR-Anwendungen kann unter anderem die Vorbereitung auf einen Kaiserschnitt oder das Verhalten in kritischen Situationen, zum Beispiel bei der Reanimation von Neugeborenen, trainiert werden (10).

Kommende Schritte in der Digitalisierung des Hebammenwesens

Die Ergebnisse der Studie von Akalin et al. zeigen, dass verschiedene Basis-Technologien durch belgische Hebammen bereits flächendeckend eingesetzt werden. Dennoch finden andere Technologien, wie Robotik, Sensortechnologien und Wearables, trotz eines großen Interesses der Hebammen, bislang kaum oder wenig Anwendung (6).

Robotik, beispielsweise in Form von Simulatoren, hat hohes Potenzial bei der Hebammenausbildung (11). Geburtssimulatoren wie das Modell NOELLE® (Abbildung 2), ermöglichen es angehenden Hebammen, den gesamten Geburtsablauf zu trainieren (12).

Abbildung 2: NOELLE® S550.PK – Maternal Care Patient Simulator with OMNI® (12)

Außerdem bieten virtuelle Roboter im Rahmen der robotischen Prozessautomatisierung (RPA), die Möglichkeit, repetitive Aufgaben, wie das Herunterladen von Testergebnissen, zu übernehmen und Hebammen so Zeit einzusparen (13). Wearables und Sensoren können die Gesundheit der werdenden Mütter und Föten kontinuierlich überwachen. Sie messen zum Beispiel die Bewegung, Herzfrequenz und das EKG der Föten oder die Temperatur, das Stresslevel und den Blutsauerstoffgehalt der werdenden Mütter (14).

Digitalisierung des Hebammenwesens in Deutschland

Ein sicherer Umgang mit modernen Technologien wird für Hebammen zunehmend zu einer Kernkompetenz, da hierdurch die Versorgungsqualität verbessert und die Arbeitsbelastung reduziert werden kann. Die Vorteile solcher Technologien im Arbeitskontext hervorzuheben, insbesondere bei der Ausbildung von neuen Hebammen, trägt dazu bei, die Adaptionsbereitschaft weiter zu erhöhen. So können auch komplexere neue Technologien in die Regelversorgung integriert werden. In Deutschland bietet die Reformierung der Hebammenausbildung, im Rahmen des Hebammenreformgesetzes, Chancen. Dabei wurde die schulische Hebammenausbildung in ein duales Studium umgewandelt und als Teil der Studien- und Prüfungsverordnung für Hebammen (HebStPrV) die verstärkte Nutzung digitaler Fertigkeiten und neuer Technologien für qualitativ hochwertige Hebammentätigkeit gefordert (15). Nun ist es an den Hochschulen, digitale Anwendungsfelder in das Hebammenstudium zu integrieren und innovative Lehrmethoden, wie zum Beispiel Geburtssimulatoren oder VR-Anwendungen, einzusetzen.

Literatur

  1. Renfrew MJ, McFadden A, Bastos MH, Campbell J, Channon AA, Cheung NF et al. Midwifery and quality care: findings from a new evidence-informed framework for maternal and newborn care. Lancet 2014; 384(9948):1129–45. doi: 10.1016/S0140-6736(14)60789-3.
  1. Hertle D, Lange U, Wende D. Schwangerenversorgung und Zugang zur Hebamme nach sozialem Status: Eine Analyse mit Routinedaten der BARMER. Gesundheitswesen 2023; 85(4):364–70. doi: 10.1055/a-1690-7079.
  1. Wissemann K, Bloxsome D, Leo A de, Bayes S. What are the benefits and challenges of mentoring in midwifery? An integrative review. Womens Health (Lond) 2022; 18:17455057221110141. doi: 10.1177/17455057221110141.
  1. Geraghty S, Speelman C, Bayes S. Fighting a losing battle: Midwives experiences of workplace stress. Women Birth 2019; 32(3):e297-e306. doi: 10.1016/j.wombi.2018.07.012.
  1. Boniol M, Kunjumen T, Nair TS, Siyam A, Campbell J, Diallo K. The global health workforce stock and distribution in 2020 and 2030: a threat to equity and ‚universal‘ health coverage? BMJ Glob Health 2022; 7(6). doi: 10.1136/bmjgh-2022-009316.
  1. Akalin A, D’haenens F, Vermeulen J, Tricas-Sauras S, Lanssens D. Using digital technologies and applications in midwifery practice in Belgium: A descriptive cross-sectional study. Midwifery 2025; 140:104218. doi: 10.1016/j.midw.2024.104218.
  1. Bekker MN, Koster MPH, Keusters WR, Ganzevoort W, Haan-Jebbink JM de, Deurloo KL et al. Home telemonitoring versus hospital care in complicated pregnancies in the Netherlands: a randomised, controlled non-inferiority trial (HoTeL). Lancet Digit Health 2023; 5(3):e116-e124. doi: 10.1016/S2589-7500(22)00231-X.
  1. Lanssens D, Vandenberk T, Thijs IM, Grieten L, Gyselaers W. Effectiveness of Telemonitoring in Obstetrics: Scoping Review. J Med Internet Res 2017; 19(9):e327. doi: 10.2196/jmir.7266.
  1. Du M-Y, Zhou J, Chen H. Regarding the Role of Midwifery-Led Mobile Health App Intervention in Pregnancy. J Adv Nurs 2024. doi: 10.1111/jan.16579.
  1. Hochschule Bochum. Hebammen-App Heb@AR gewinnt Preis für virtuelle Lernumgebungen: Hoschschule Bochum; 2022 [Stand: 04.03.2025]. Verfügbar unter: https://gesundheitscampus.hochschule-bochum.de/aktuelles/details/hebammen-app-hebar-gewinnt-preis-fuer-virtuelle-lernumgebungen.
  1. Ferrari A, Maglio S, Tamirat S, Tesfaye M, Wolde M, Manenti F et al. Nursing and midwifery simulation training with a newly developed low-cost high-fidelity placenta simulator: a collaboration between Italy and Ethiopia. BMC Med Educ 2024; 24(1):1191. doi: 10.1186/s12909-024-06152-0.
  1. Gaumard Simulators for Health Care Education. NOELLE® S550 – Maternal Care Patient Simulator with OMNI®: Model: S550.PK [Stand: 06.03.2025]. Verfügbar unter: https://www.gaumard.com/products/s550.
  1. University Hospitals of Morecambe Bay NHS Foundation Trust. Robot saving midwife up to two hours a day giving her more time to spend caring for women: University Hospitals of Morecambe Bay NHS Foundation Trust; 2020 [Stand: 24.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.uhmb.nhs.uk/news-and-events/latest-news/robot-saving-midwife-two-hours-day-giving-her-more-time-spend-caring-women.
  1. Alim A, Imtiaz MH. Wearable Sensors for the Monitoring of Maternal Health-A Systematic Review. Sensors (Basel) 2023; 23(5). doi: 10.3390/s23052411.
  1. Studien- und Prüfungsverordnung für Hebammen: HebStPrV; 2020 [Stand: 24.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/hebstprv/BJNR003900020.html.

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