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E-Konsultationen: Erfahrungen aus den Niederlanden zum asynchronen Austausch medizinischer Expertise

E-Konsultationen Niederlande

Im deutschen Gesundheitswesen gewinnen digitale Kommunikationswege, sowohl in Arztpraxen als auch in Krankenhäusern, zunehmend an Akzeptanz. Dieser Trend hat während der Covid-19-Pandemie erheblich an Fahrt aufgenommen: Während 2020 lediglich 4% der Praxen berichteten, dass sie die Hälfte ihres Datenaustauschs mit Krankenhäusern digital abwickeln, verdreifachte sich dieser Anteil im Jahr 2021 auf rund 12%. Gleichzeitig ist der Prozentsatz der Praxen, die untereinander mindestens zur Hälfte online kommunizieren, von 14% auf 25% angestiegen [1]. Zu den neuen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten gehören beispielsweise elektronische Arztbriefe und Gesundheitskarten. In ähnlicher Weise zeigen sich Fortschritte bei den digitalen Angeboten für Patienten in Arztpraxen. So werden digitale Sprechstunden und Online-Terminvergaben mittlerweile von den meisten Praxen in Deutschland angeboten [2].

Doch es gibt noch einen weiteren spannenden Anwendungsbereich für digitale Kommunikation im medizinischen Alltag: den Austausch von medizinischem Fachwissen zwischen Fachdisziplinen und zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Für die Zukunft kann ein tieferes Verständnis der spezifischen Bedürfnisse und Wünsche der Ärzte, die auf diese Form der interprofessionellen Kommunikation setzen, hilfreich sein. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden liefert hierzu wertvolle Erkenntnisse.

E-Konsultationen: Inspiration aus den Niederlanden

Vor mehr als zwanzig Jahren wurde in den Niederlanden die digitale Plattform ZorgDomein gegründet, um einen sicheren Austausch zwischen Gesundheitsfachkräften, Krankenhäusern, Laboren und anderen Akteuren im Gesundheitswesen zu ermöglichen. Auf dieser Plattform haben Allgemeinmediziner im Süden der Niederlande die Möglichkeit, klinische Fragen zu stellen, die von Fachärzten aus teilnehmenden Krankenhäusern in der Region innerhalb von zwei Werktagen beantwortet werden.

Peeters et al. widmeten sich dieser Thematik und interviewten 32 Ärzte, die E-Konsultationen anbieten oder nutzen [3]. Die Ergebnisse dieser Interviews bieten wertvolle Einblicke in die Nutzererfahrungen und dienen als Grundlage für die Weiterentwicklung und Optimierung des digitalen Wissensaustauschs.

Positives Feedback für E-Konsultationen

Die Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen deutlich, dass E-Konsultationen den interprofessionellen Informationsaustausch erheblich erleichtern und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beitragen können. Der asynchrone Charakter dieser Konsultationen ermöglicht es den Hausärzten, präzise Fragen an Fachexperten zu formulieren und relevante klinische Informationen, einschließlich von Testergebnissen, bereitzustellen. Die Möglichkeit der Beratung durch Fachärzte reduziert vermeidbare Überweisungen aufgrund fehlender Erfahrungswerte und erlaubt das Einholen einer Zweitmeinung. Trotz dieser positiven Entwicklungen wird aber auch deutlich, dass den konsultierten Fachärzten der persönliche Kontakt zur Beurteilung des Falls fehlt. Die schriftliche Kommunikation gerät rasch an Grenzen, da Gedanken und Einschätzungen in dieser Form nur schwer ausgetauscht werden können. Auch können unvollständige Informationen oder ungenaue Anfragen die Entscheidungsfindung der Fachärzte erschweren.

Allgemeinmediziner und Krankenhausfachärzte ziehen bei E-Konsultationen nicht-chirurgische Fachgebiete wie Innere Medizin und Kardiologie den Fachgebieten wie Orthopädie und Allgemeinchirurgie vor. Dies resultiert unter anderem aus der Notwendigkeit, Patienten persönlich zu untersuchen, insbesondere bei Beratungen zu chirurgischen Eingriffen wie beispielsweise bei Wunden. Die Studienergebnisse geben auch Hinweise darauf, dass die Bereitschaft und Ressourcen zur kollegialen Bereitstellung von Expertenwissen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und eines regulatorischen Rahmens bedürfen.

Telekonsile in Deutschland

In Deutschland sind E-Konsultationen unter dem Begriff „Telekonsil“ bekannt. Seit dem 1. Oktober 2020 haben Ärzte aller Fachrichtungen sowie Zahnärzte die Möglichkeit, sich über Telekonsile bei fachlichen Fragen digital mit Kollegen auszutauschen. Dabei ist jeweils die Zustimmung der Patienten erforderlich und sind spezifische Datenschutzanforderungen einzuhalten. Die Abrechnung von Telekonsilleistungen erfolgt gemäß der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und Zahnärzte (GOZ) [4]. Positive Nutzererfahrungen mit E-Konsultationen gibt es auch in Deutschland. Eine Studie im Rahmen des Virtuellen Krankenhauses Nordrhein-Westfalen (VKh) zeigte den erfolgreichen Einsatz von Telekonsilen zur Unterstützung von COVID-19-Patienten während der Coronapandemie [5].

Fazit

Trotz der überwiegend positiven Rückmeldungen der Nutzer sollten einige Faktoren beachtet werden. Der asynchrone Charakter von Anfragen, wie er in den Niederlanden praktiziert wird, ermöglicht eine unkomplizierte Einbindung von Expertise mit zeitlicher Flexibilität auf beiden Seiten, er ist für weitgehend standardisierte Befundungen von Testergebnissen gut geeignet. Die Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen jedoch, dass Fachexperten Schwierigkeiten haben, auf diese Weise komplexere klinische Entscheidungen zu treffen. Synchrone Kommunikation mittels Videokonferenzen kann hier Vorteile bieten und – so erforderlich – auch in Anwesenheit des Patienten stattfinden. Insgesamt bietet die digitale Kommunikation weiterhin großes Potenzial zur verbesserten Patientenversorgung bei sparsamem Ressourceneinsatz. Bei der Entwicklung von digitalen Anwendungen zur Unterstützung der interprofessionellen Kommunikation zwischen Organisationen ist eine stärkere Nutzerorientierung durch Einbindung von Haus- und Fachärzten wesentlich für die spätere Akzeptanz – und damit für die verstärkte Nutzung dieser Optionen.

Quellen

[1] Albrecht M, Otten M, et al. PraxisBarometer Digitalisierung 2021: Stand und Perspektiven der Digitalisierung in der vertragsärztlichen und-psychotherapeutischen Versorgung. Institute for Global Environmental Strategies. IGES Institut 2022; Berlin.

[2] McKinsey & Company (Hrsg.), Thomas Müller (Hrsg.), Pirkka Padmanabhan (Hrsg.), Laura Richter (Hrsg.), Tobias Silberzahn (Hrsg.). E-Health Monitor 2022: Deutschlands Weg in die digitale Gesundheitsversorgung – Status quo und Perspektiven. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. 2022; Auflage 1. Stuttgart. ISBN 978-3-95466-759-8.

[3] Peeters K, Giroldi E, et al. General Practitioner Use of e-Consultation to Consult Hospital Specialists: Interview Study to Obtain Physician’s Perceptions About Digital Interprofessional Communication. Journal of Medical Internet Research 2023; 25: https://doi.org/10.2196/40318

[4] Kassenärztliche Bundesvereinigung gemäß § 367 Absatz 1 SGB V über technische Verfahren zu telemedizinischen Konsilien (Telekonsilien-Vereinbarung). https://www.kbv.de/media/sp/Telekonsilien-Vereinbarung.pdf. (Zugriff am 08.08.2021).

[5] Neft, Florian, Kappler KE, et al. Expertise in die Fläche bringen: Analyse der Covid-19-Telekonsile und szenariobasierte Handlungsempfehlungen. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik 59.6 2022; https://10.1365/s40702-022-00920-6

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