Diese Seite ist für Menschen und Suchmaschinen gestaltet. Zur Version für KI-Systeme (LLM) →

Robotik im Gesundheitswesen – eine vielversprechende Zukunft

In der Vorstellung vieler Menschen ist längst nicht angekommen, was bereits in der Realität angewandt wird: Roboter gibt es nicht nur in Science-Fiction Filmen – Robotik wird bereits im Gesundheitswesen eingesetzt, wenn auch weniger schnell und flächendeckend als in der Industrie (1). So profitiert die neurologische Rehabilitation heute bereits vom Robotereinsatz (2). Inwiefern bietet Robotik eine Sicherung der Versorgungsqualität?

Robotik: Ein Begriff – viele Vorstellungen

Von Industrierobotern aus der Produktion haben die meisten Menschen ein Bild im Kopf – eine technische Maschine, die Menschen die körperliche Arbeit abnimmt (3). 2018 gab es im Vergleich zum Vorjahr weltweit einen sechsprozentigen Anstieg der industriellen Roboterinstallationen auf 422 271 Einheiten, ihr Wert betrug 16,5 Milliarden US-Dollar. Auf den größten Markt, Asien, folgt als zweites Europa, hier gab es einen Anstieg um 14 Prozent auf 75.560 Einheiten. Zusammen mit China, Japan, den USA und Südkorea ist Deutschland unter den fünf größten Märkten für Industrieroboter (4).

Serviceroboter sind komplexer und umfassender, hier mag jeder eine andere Vorstellung haben. Sie werden außerhalb der Produktion angewandt, so auch im Gesundheitswesen, um Menschen zu assistieren und zu unterstützen. Sie sind im direkten Umfeld des Menschen tätig oder es besteht eine direkte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter (2). Von 2017 bis 2018 gab es einen 61-prozentigen Anstieg der verkauften professionellen Serviceroboter von 168 000 auf 271 000 Einheiten. Diese hatten einen Wert von 9,2 Milliarden US-Dollar (5). Im Gesundheitswesen eingesetzte Serviceroboter sind auf der einen Seite gewerblich genutzte Systeme, z. B. für ein Krankenhaus, oder privat genutzte Systeme wie Staubsaugroboter (2).

Im deutschen Gesundheitswesen werden drei Robotertypen unterschieden: Operations-, Therapie- und Pflegeroboter. Alle Roboter haben ihre individuelle Gestaltung und Aufgabe, was wiederum einen Einfluss auf die Akzeptanz bei den Nutzern hat (1).

Beispielhafte Robotertypen und deren Vor- und Nachteile

(Eigene Darstellung in Anlehnung an (1))

Vor- und Nachteile von Robotertypen

Großes Potenzial: Ein wachsender Markt

Die Stiftung Münch zeigt mit einer Studie die Bedeutung von Robotik in der Gesundheitswirtschaft auf. Durch die zeitliche Entlastung, die mit einem effizienten Einsatz von robotischen Systemen einhergehen kann, verbessern sich die Arbeitsbedingungen für das Fachpersonal im Gesundheitswesen und die Versorgungsqualität kann gesichert werden. So dient Robotik als Lösung für den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel, zwei erhebliche Problemfelder im heutigen Gesundheitssystem (2, 6).

Auch wenn Roboter auf der einen Seite zunächst häufig den Gedanken auslösen, dass sie Menschen übertreffen und ersetzen könnten, besteht auf der anderen Seite die Chance, dass sie stattdessen „intelligentere Arbeitsplätze“ schaffen. Außerdem ist die Realität noch weit davon entfernt, dass Roboter denken oder spontan sein können (3).

Um die Entwicklung und Implementierung von Robotik im Gesundheitswesen zu fördern, investiert die Europäische Kommission rund 16 Millionen Euro in das internationale Projekt „Digital Innovation Hubs in Healthcare Robotics“ (DIH HERO). Es soll eine Plattform entstehen, durch die digitale Innovationszentren in Europa miteinander verbunden sind. So wird ein nachhaltiges Netzwerk für in der Gesundheitsrobotik Tätige geschaffen (7).

Besonders in der Chirurgie sind Roboter sehr gefragt. Medizinische Systeme nehmen fast ein Drittel des Umsatzes von Servicerobotern ein (8). Der gesamte Markt für Roboter im Gesundheitswesen wird wachsen, das französische Marktforschungsinstitut Yolé Développement prognostiziert eine jährliche Steigerung von fast 20 Prozent, 2022 soll der Umsatz bei 9,3 Milliarden US-Dollar liegen (9).

Exkurs Operationsrobotik

Die chirurgische Robotik ist ein vielversprechender Bereich des Gesundheitsmarktes für Robotik. Generell stehen Urologie, (endokrine) Chirurgie, Gynäkologie und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Fokus der Operationsrobotik (10). Das Helios-Universitätsklinikum in Wuppertal orientiert sich an diesem Markt, im letzten Jahr gründete es ein eigenes Robotik-Zentrum. Die Klinik operiert bereits mit dem bekannten Da Vinci-Roboter, schon 2018 führte sie die roboter-assistierte Urologie ein (11).

100 Kliniken setzen den Da Vinci-Roboter ein, der fast 2 Millionen Euro kostet. Im Jahr 2017 wurden über 800.000 Operationen damit durchgeführt (12). Der Arzt lenkt im selben Raum patientenfern die vier Roboterarme des Da Vinci-Roboters, ein Assistent kann patientennah weitere Instrumente anwenden (10).

Obwohl das Da Vinci-System schon fast 20 Jahre angewandt wird, gibt es bisher wenige Studien zu dessen Einsatz und Vorteilen gegenüber konventionellen Operationen. Technische Innovationen bedeuten nicht immer gleich eine bessere Versorgungsqualität, wie die Folgen der Robo-Doc-Operationen vor ca. 20 Jahren zeigten. Hüftprothesen wurden durch den Roboter fehlerhaft eingesetzt, sodass viele Patienten nach der Operation ungewöhnliche Schmerzen hatten. Heute findet ein solcher Eingriff daher wieder ohne den Einsatz von Robotik statt (13).

Umsetzung bleibt holprig

Die bereits erwähnte Studie der Stiftung Münch ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Roboter im Gesundheitswesen noch zu wenig genutzt werden (2, 6). Allerdings sind viele Robotersysteme ausbaufähig und noch nicht für einen flächendeckenden Einsatz geeignet (9). Bisher gibt es überwiegend Prototypen innerhalb von Projekten, für die u. a. noch keine rechtlichen und finanziellen Regelungen bestehen. Eine weitere Herausforderung bilden Sicherheit, Ethik und Akzeptanz, hier kann Deutschland sich an Japan und Südkorea orientieren und Kommunikation und Aufklärung verbessern. Es bedarf zudem mehr Unterstützung von Forschung, Start-ups und Kleinunternehmen, insbesondere durch die Politik. Berufe im Gesundheitswesen ändern sich aufgrund der Digitalisierung, dementsprechende Veränderungen in der Aus- und Weiterbildung sind notwendig (2, 6, 14).

Fazit

Robotersysteme werden heute bereits im Gesundheitswesen angewandt, indem sie z. B. Ärzte bei chirurgischen Eingriffen unterstützen. Sie können eine effiziente, qualitativ hochwertige Versorgung gewährleisten, wenn eine nachhaltige Umsetzung verfolgt wird. Dafür müssen Health Professionals u. a. ethische und finanzielle Regelungen treffen und es müssen Strategien entwickelt werden, die den Einsatz von Robotik im Gesundheitswesen fördern. Japan kann diesbezüglich als Vorreiter gesehen werden, hier hat die Regierung das Potenzial von Robotik erkannt. Ein internationaler Austausch und politisches Bemühen seitens der deutschen Regierung können den Einsatz robotischer Anwendungen steigern und damit eine hohe Versorgungsqualität sichern.

Lesen Sie auch den Artikel: Humanoide Roboter in der Altenpflege: Zwischen Akzeptanz und Zurückhaltung

Hinweis zu Weiterbildungsmöglichkeiten für Health Professionals

Um die digitale Transformation aktiv mitzugestalten, bedarf es neben fachlichen Kompetenzen in den unterschiedlichen Gesundheitssektoren auch Management Know How. Speziell Fachkräften des Gesundheitswesens bietet der Master in General Management die Möglichekeit diese Kompetenzen im Rahmen eines Master of Arts zu erwerben. Die Vertiefung Health Care Management lehrt relevante Inhalte zu unter anderem Qualitäts- und Risikomanagement oder besonderen Anforderungen an die Beratung im Gesundheitswesen. **Weitere Informationen zum nicht-konsekutiven Masterprogramm der Universität Witten/Herdecke finden sie hier.**

Quellen

  1. Bendel O. Roboter im Gesundheitsbereich. In: Bendel O, editor. Pflegeroboter: Springer; 2018. 195-212. zum Original
  2. Klein B, Graf B, Schlömer IF, Roßberg H, Röhricht K, Baumgarten S. Robotik in der Gesundheitswirtschaft: Einsatzfelder und Potenziale. Heidelberg: medhochzwei: 2018. zum Original
  3. Jörg J. Digitalisierung in der Medizin: Wie Gesundheits-Apps, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik das Gesundheitswesen revolutionieren. Berlin: Springer-Verlag; 2018. zum Original
  4. International Federation of Robotics (IFR). Executive Summary World Robotics 2019 Industrial Robots 2019. zum Original
  5. International Federation of Robotics (IFR). Executive Summary World Robotics 2019 Service Robots 2019. zum Original
  6. Stiftung Münch. Roboter im Gesundheitswesen. „Wichtige Bausteine für die medizinische Versorgung“ 2017. zum Original
  7. Deutsches Ärzteblatt. EU-Kommission fördert Robotik im Gesundheitswesen 2018. zum Original
  8. Deutsches Ärzteblatt. Roboter auf dem Vormarsch: 2019. zum Original
  9. Ehrhardt M. Roboter in der Medizin. Zwischen Science-Fiction und Wirklichkeit: 2017. zum Original
  10. Wazinski M. Anästhesiologische Aspekte roboterassistierter Eingriffe in einem neuen Team. Journal für Urologie und Urogynäkologie. 2017; 24(1): 16-20. zum Original
  11. Helios Universitätsklinikum Wuppertal. Technik der neuesten Generation: Robotik-Zentrum am Helios Universitätsklinikum Wuppertal: 2019. zum Original
  12. Operation Karriere. DA VINCI – das Master-Slave-Assistenzsystem: 2018. zum Original
  13. Piazena F. Operationsroboter in der Medizin. Ein ganz besonderer Assistent: 2019. zum Original
  14. Becker H, Scheermesser M, Früh M, Treusch Y, Auerbach H, Hüppi RA, et al. Robotik in Betreuung und Gesundheitsversorgung: 2013. zum Original

Verwandte Artikel