Telemedizinische Beratung für ältere Patientinnen und Patienten

Mit der wachsenden Zahl digitaler Technologien steigt auch die Verunsicherung vieler älterer Menschen. Es lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Bedürfnisse und Herausforderungen.
Warum Telemedizin für ältere Menschen wichtig ist
Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für chronische Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit – und damit auch der Bedarf an medizinischer Versorgung (1). Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ist der Weg zum Arzt häufig mühsam. Digitale Sprechstunden können hier eine Entlastung bieten (2). Sie erleichtern den Zugang zur Versorgung für ältere Menschen und können die Effizienz im Praxisalltag erhöhen, etwa durch automatisierte Dokumentation oder flexible Terminvergabe (2-5). In diesem Science Digest werfen wir daher einen Blick darauf, wie ältere Menschen digitale Arztbesuche wahrnehmen und was das für die Arztpraxen bedeutet.
Was ältere Nutzerinnen und Nutzer von Telemedizin berichten
Eine aktuelle Studie von Khanassov et al. (2024) gibt Einblicke in die Erfahrungen von Menschen ab 65 Jahren, die während der COVID-19-Pandemie telemedizinische Beratung in Anspruch genommen haben. Diese umfasste sowohl Telefonate als auch Videosprechstunden. Es wurden Interviews mit 29 älteren Patientinnen und Patienten sowie drei Fokusgruppen mit 15 Ärztinnen, Ärzten und medizinischen Fachangestellten aus vier allgemeinmedizinischen Einrichtungen der McGill-Universität in Kanada durchgeführt (6).
Nur ein Anruf?
Telemedizinische Formate wurden dann als hilfreich wahrgenommen, wenn es um kleinere Anliegen ging oder bereits ein Vertrauensverhältnis zur Ärztin oder zum Arzt bestand. Für Erstkontakte oder akute gesundheitliche Probleme bevorzugten viele der Befragten den direkten persönlichen Kontakt.
Aus technischer Sicht wurden nur die Telefonate als unkompliziert erlebt. Diese wurden jedoch teilweise nicht als vollwertige telemedizinische Beratung wahrgenommen, sondern eher als informeller Austausch.
Die Videosprechstunden empfanden die älteren Patientinnen und Patienten als technisch herausfordernd. Genannt wurden Schwierigkeiten der Bedienung von Computern, bei der Nutzung von Videokonferenzplattformen und bei der Ausführung bestimmter Aufgaben wie dem digitalen Versenden von Dokumenten.
Bereit für mehr – unter den richtigen Voraussetzungen
Trotz dieser Einschränkungen zeigten sich die meisten Befragten offen für eine zukünftige Nutzung telemedizinischer Angebote. Voraussetzung dafür ist, dass ihnen der Umgang mit der Technik vermittelt wird und sie ein klares Verständnis über die Einsatzmöglichkeiten erhalten.
Ein kurzer Check durch das Praxisteam vor dem ersten digitalen Termin kann helfen, mögliche gesundheitliche oder technische Hindernisse für eine erfolgreiche Teilnahme an der Videosprechstunde frühzeitig zu erkennen. Bei technischen Schwierigkeiten kann angeregt werden, ob eine vertraute Person aus dem Umfeld beim Einrichten des Geräts oder beim Start der Videosprechstunde unterstützen kann oder ob eine Begleitung während der gesamten Sprechstunde sinnvoll wäre.
Zusätzlich kann eine kurze Checkliste die Vorbereitung auf die Videosprechstunde erleichtern. Diese kann Hinweise zur technischen Ausstattung, zur Nutzung der Videokonferenzplattform und zur Gesprächsvorbereitung enthalten.
Regelmäßige Besprechungen im Praxisteam können zudem dazu beitragen, die Erfahrungen auszuwerten und mögliche Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.
Fazit
Ältere Menschen zeigen Offenheit gegenüber Telemedizin, wenn sie gut begleitet werden. Hausarztpraxen können sie dabei unterstützen, entsprechende Angebote zu nutzen. Voraussetzung dafür ist, dass technische Fähigkeiten und Vertrauen in die Technologie realistisch eingeschätzt werden. So kann Telemedizin gezielt und wirksam eingesetzt werden.
Literatur
- Leff B, Ritchie CS, Rising KL, Cannon K, Wardlow L. Addressing barriers to equitable telehealth for older adults. Front Med (Lausanne). 2025 Jan 23;12:1483366. doi:10.3389/fmed.2025.1483366. PMID: 39917065; PMCID: PMC11799546.
- Maresova P, Javanmardi E, Barakovic S, Barakovic Husic J, Tomsone S, Krejcar O, Kuca K. Consequences of chronic diseases and other limitations associated with old age – a scoping review. BMC Public Health. 2019 Nov 1;19(1):1431. doi:10.1186/s12889-019-7762-5. PMID: 31675997; PMCID: PMC6823935.
- Ashraf MN, Gallant NL, Bradley C. Digital health interventions in older adult populations living with chronic disease in high-income countries: protocol for a scoping review. JMIR Res Protoc. 2024;13:e49130. doi:10.2196/49130. PMID: 38546710; PMCID: PMC11009846.
- Starbird LE, DiMaina C, Sun CA, Han HR. A systematic review of interventions to minimize transportation barriers among people with chronic diseases. J Community Health. 2019 Apr;44(2):400–11. doi:10.1007/s10900-018-0572-3. PMID: 30206755; PMCID: PMC6450539.
- Dahlgren, C., et al., Short- and intermediate-term impact of DTC telemedicine consultations on subsequent healthcare consumption. The European Journal of Health Economics, 2024. 25(1): p. 157-176 DOI: 10.1007/s10198-023-01572-z.
- Khanassov V, Ilali M, Ruiz AS, et al. Telemedicine in primary care of older adults: a qualitative study. BMC Prim Care. 2024;25:259. doi:10.1186/s12875-024-02518-x.
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