Verbesserung der Patientensicherheit durch E-Health: Mitarbeiterbefragungen in italienischen Krankenhäusern

Die Nutzung digitaler Anwendungen und Systeme hat das Potenzial, unerwünschte Ereignisse in Krankenhäusern zu verhindern. Doch wie genau können sie dazu beitragen?
Die Sicherheit von Patienten während des dynamischen Krankenhausalltags zu gewährleisten, stellt für Gesundheitsfachkräfte eine komplexe Herausforderung dar [1, 2]. In Industrieländern erleiden etwa zehn Prozent aller Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts Schaden durch unerwünschte Ereignisse, wie zum Beispiel allergische Reaktionen auf Medikamente [3]. Digitale Anwendungen und Systeme, wie etwa digitales Medikationsmanagement, können in Krankenhäusern dazu beitragen, die Sicherheit von Patienten während des Versorgungsprozesses zu steigern [4]. Eine Studie aus Italien hat den Zusammenhang zwischen der Nutzung dieser Anwendungen und der Resilienz der Krankenhäuser gegenüber unerwünschten Ereignissen untersucht.
Resilienz und digitale Anwendungen in Krankenhäusern
Rubbio und Bruccoleri (2023) befragten 159 Risikomanager, IT-Manager, Ärzte sowie Pflegefachpersonal in 53 italienischen Krankenhäusern [5]. Die Ärzte, das Pflegefachpersonal und die Risikomanager bewerteten, wie häufig Verzögerungen, Unterbrechungen und andere Störfaktoren während der Versorgung zu unerwünschten Ereignissen führten. Wenn das medizinische Personal durch schnelle Reaktionen und Entscheidungen in der Lage war, solchen Ereignissen vorzubeugen, galt dies als erhöhte Resilienz des jeweiligen Krankenhauses. Anschließend bewerteten die Ärzte und Pflegefachkräfte die Verfügbarkeit und Qualität von patientenrelevanten Informationen während der Patientenversorgung. Die IT-Manager gaben Auskunft über die Intensität der Nutzung digitaler Anwendungen während des Versorgungsprozesses.
Anhand der erhobenen Daten prüften die Forscher folgende Hypothese:
Eine intensivere Nutzung digitaler Anwendungen verbessert die Qualität und Verfügbarkeit von Patienteninformationen, was die Resilienz des Krankenhauses gegenüber unerwünschten Ereignissen erhöht (Abbildung 1).
Stärkung der Resilienz durch schnelleren Zugriff auf Patienteninformationen
Die Autoren haben die aufgestellte Hypothese mithilfe von Strukturgleichungsmodellierung überprüft und bestätigt. Um in unvorhersehbaren Situationen angemessene Entscheidungen treffen zu können, ist neben der Expertise des Fachpersonals auch das Wissen über die Patienten von entscheidender Bedeutung. Wenn Fachkräfte digitale Anwendungen im Krankenhausalltag nutzen, können sie relevante Patienteninformationen schneller und einfacher abrufen und für ihre Entscheidungsfindung verwenden. Dadurch haben digitale Technologien einen indirekten Einfluss auf die Resilienz und helfen, unerwünschten Ereignissen vorzubeugen.
Fazit und Implikationen für deutsche Krankenhäuser
Trotz schwieriger finanzieller Lage setzen deutsche Krankenhäuser verstärkt auf Digitalisierung. Im Jahr 2023 berichtete das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI), dass die Mehrheit der Krankenhäuser mit einem negativen Jahresergebnis rechnet. Gleichzeitig wurde ein intensiver Transformationsprozess beobachtet, bei dem im Schnitt fünf neue digitale Systeme oder Anwendungen pro Krankenhaus eingeführt wurden [6].
Für das Management deutscher Krankenhäuser ist es besonders wichtig zu erkennen, dass umfangreiche Investitionen in elektronische Erfassung, Speicherung und den Abruf von Patienteninformationen das medizinische Personal tatsächlich unterstützen, die Patientensicherheit verbessern und die Kosten für das Risikomanagement senken können.
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Literatur
- Martínez Pérez M, Dafonte C, Gómez Á. (2018). Traceability in Patient Healthcare through the Integration of RFID Technology in an ICU in a Hospital. Sensors (Basel). 18(5). DOI: 10.3390/s18051627.
- Barnett A, Winning M, Canaris S, Cleary M, Staib A, Sullivan C. (2019). Digital transformation of hospital quality and safety: real-time data for real-time action. Australian Health Review. 43(6). DOI: 10.1071/AH18125. PMID: 30384880.
- Slawomirski, L., A. Auraaen and N. Klazinga (2017), „The economics of patient safety: Strengthening a value-based approach to reducing patient harm at national level“, OECD Health Working Papers, No. 96, OECD Publishing, Paris, DOI: 10.1787/5a9858cd-en.
- Fadahunsi KP, O’Connor S, Akinlua JT, Wark PA, Gallagher J, Carroll C, Car J, Majeed A, O’Donoghue J. (2021) Information Quality Frameworks for Digital Health Technologies: Systematic Review. Journal of Medical Internet Research. 17;23(5):e23479. DOI: 10.2196/23479.
- Rubbio I, & Bruccoleri M. (2023). Unfolding the relationship between digital health and patient safety: The roles of absorptive capacity and healthcare resilience. Technological Forecasting and Social Change. DOI: 10.1016/j.techfore.2023.122784
- Blum K, Filser M, Heber R, Levsen A, 2023. Krankenhaus Barometer Umfrage 2023. Düsseldorf: Deutsches Krankenhausinstitut e.V. https://www.dki.de/fileadmin/user_upload/DKI_Krankenhaus_Barometer_2023_final.pdf(Letzter Zugriff am 12.04.2024)


