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Wie digitales Wundmanagement Health Professionals entlastet

Wunden führen bei Patienten zu erheblichem Leiden, besonders wenn eine Chronifizierung eintritt. (1). Chronische Wunden führen bei Betroffenen zu einer signifikanten Einbuße der Lebensqualität infolge von Belastung und Einschränkung durch Schmerzn und Wundversorgung (2). In vielen Fällen ist dies vermeidbar. Verbesserte Möglichkeiten der Wundüberwachung könnten für Patienten und Menschen in Gesundheitsberufen deutliche Entlastung mit sich bringen. Auch die grundsätzliche Vermeidung chronischer Wunden wird zum Beispiel durch Künstliche Intelligenz (KI) realisierbar. Wie kann ein digitales Wundmanagement die Heilung chronischer Wunden verbessern oder bereits der Entstehung vorbeugen?

Zunahme der Volkskrankheiten führt zu chronischer Wunden

Zurzeit leiden in Deutschland rund 2,7 Millionen Menschen an chronischen oder schlecht heilenden Wunden (3). Die am häufigsten auftretenden Formen sind das diabetische Fußsyndrom oder der Dekubitus. Menschen mit Diabetes stellen eine besonders große Risikogruppe dar. Derzeit sind etwa 7 Millionen Menschen in Deutschland von diesem Krankheitsbild betroffen, mit einer steigenden Prävalenz (4). Die Gesamtkosten einer chronischen Wundversorgung werden in britischen Studien auf durchschnittlich etwa 2.000,- Euro (1.727 Pfund) pro Patient geschätzt. Dies umfasst alle im Zeitverlauf anfallenden Wundversorgungs-bezogenen Kosten und macht dort rund 5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus (5). Bei einer Hospitalisierung von Patienten mit chronischen Wunden, die häufig mit Amputationen einhergehen, belaufen sich die Kosten in den USA je Aufenthalt auf rund 11.400,- bis 14.400,- Euro (12.851 bis 16.267 US-Dollar) (1). Für Pflegeeinrichtungen bedeuten häufige Klinikeinweisungen eine Zusatzbelastung des Personals, wodurch ein effektiveres Wundmanagement seitens der Pflegenden angestrebt wird. Infolge einer besseren Behandlungsqualität bei der chronischen Wundversorgung, steigt auch der Outcome in der Patientenversorgung insgesamt.

Drei Einsatzfelder des digitalen Wundmanagements

Die Wundversorgung in Deutschland findet primär ohne die Nutzung digitaler Werkzeuge durch Pflegende in ambulanten oder stationären Einrichtungen sowie im niedergelassenen Bereich für Haus- und Fachärzte statt oder im Rahmen von Hausbesuchen. Grundsätzlich sind drei Anwendungsfelder für ein digitales Wundmanagement denkbar, wie in Abbildung 1 dargestellt. die Prädiktion drohender chronischer Wunden. Anhand von Klassifizierungskriterien wie Alter, Vorerkrankungen oder der Liegedauer im Krankenhaus, können Rückschlüsse auf das Risikomuster des Patienten gezogen werden. Anschließend wird mittels KI vorhergesagt, inwieweit die Wahrscheinlichkeit einer Wundbildung oder einer chronischen Wundentstehung besteht (6). Mithilfe eines Machine Learning Algorithmus fließen ständig aktuelle Patientendaten, beispielsweise aus der elektronischen Patientenakte (ePA), in das Vorhersagemodell ein, sodass die sich ändernden Bedingungen von Versorgungssituationen ebenfalls mitberücksichtigt werden. Infolge der Vorhersagen können Pflegekräfte bereits vor der Wundentstehung bei einem Risikopatienten präventive Maßnahmen einleiten. Bisher wurden in diesem Kontext nur Pilotstudien im Ausland durchgeführt. Weitere Einsatzmöglichkeiten von KI zur Prädiktion können im ATLAS Beitrag zur Vorhersagemodellierung von Komplikationen nachgelesen werden.

digitales Wundmanagement

Abb. 1: Anwendungsfelder des digitalen Wundmanagements, eigene Darstellung.

Ein weiteres Einsatzfeld kann das Wundmonitoring vorübergehender Wunden nach stationärer Behandlung per App-basiertem Telemonitoring darstellen.(7). Mit der Smartphone-Kamera und einem Wundtagebuch wird der Heilungsverlauf von Patienten dokumentiert und kann so durch einen Health Professional dezentral überwacht werden. Auch hier könnte zusätzlich KI bei der Bilderkennung zum Einsatz kommen, um zum Beispiel Unregelmäßigkeiten zu identifizieren und zukünftig nur beim Auftreten dieser, Health Professionals hinzuzuziehen. Der Patientenkomfort kann auf diese Weise gesteigert und Pflegekräfte entlastet werden (8). Ein drittes mögliches Einsatzfeld ist die telemedizinische Überwachung chronischer Wunden. Hierbei erfolgt das Wundmanagement primär durch eine fachkundige Person (9). Dabei kann es sich um eine speziell geschulte Person, wie eine Arzthelferin oder eine sonstige Person mit medizinischem Grundwissen, handeln. Die Wunden werden durch eine telemedizinische Betreuung unterstützt, wobei ausgebildete Ärzte oder Pflegefachpersonen nicht zwingend beim Patienten vor Ort sein müssen, sondern sich für Rückfragen oder Anleitungen zuschalten. Eine französische Studie konnte belegen, dass die Heilungszeit verkürzt und Fahrtkosten reduziert werden konnten (9).

In Deutschland sind bereits zahlreiche Anbieter am Markt

Mit DRACO bietet die Firma Dr. Ausbüttel eine App mit einer telemedizinischen Wundversorgungsoption (10). Sie wurde bereits über 5.000 Mal installiert (Angaben lt. Google Playstore, Stand: November 2021). Sie ermöglicht eine effektive und intensive Betreuung im häuslichen Umfeld und reduziert Praxis- sowie Klinikbesuche. Zudem kann die Qualität der Wundversorgung mittels telemedizinischer Interaktion bei der Zusammenarbeit mit ambulanten und stationären Versorgungsinstanzen gesteigert werden. Besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel in medizinischen Berufen und eine geringere Versorgungsdichte in ländlichen Regionen ist diese Lösung eine zielführende Unterstützung (3). Das Unternehmen vitagroup bietet ebenfalls ein vergleichbares Produkt an, anhand dessen das gesamte Wundmanagement digital abgebildet werden kann (11). Die in Deutschland verfügbaren Lösungen erfüllen alle notwendigen DSGVO-Voraussetzungen und können daher in Praxen, Pflegeheimen und bei Patienten zu Hause bedenkenlos zum Einsatz kommen. Bisher sind keine Wundmanagement-Apps als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen. In Anbetracht vielfältiger Interaktionsmöglichkeiten der Patienten die eigene Wundheilung zu unterstützen und das Wundmonitoring zu begleiten, u.a. durch die Dokumentation, wäre die Zulassung von Wundmanagement-Apps zukünftig wünschenswert. Dadurch würde insbesondere das Versorgungspersonal seitens der Pflege entlastet.

Hybride digitale Wundversorgung in der Fläche

Die Wundversorgung kann durch ein digitales Wundmanagement revolutioniert werden. Durch das kontinuierliche Monitoring und eine eigenständige Überwachung der Patienten kann mithilfe telemedizinischer Anwendungen die Versorgungsqualität erhöht werden. Für einen breiten Einsatz sollte das digitale Wundmanagement in Aus- und Weiterbildungsprogramme bei allen betroffenen Gesundheitsberufen integriert werden. Auch sonstige Beteiligte, wie auch die Patienten selbst, müssen im Umgang mit dem digitalen Wundmanagement hinreichend geschult werden. Partnerschaften mit der Industrie zum Testen neuer Wund- und Verbandsmaterialien können mithilfe dieser neuen Werkzeuge ebenfalls zielführend sein. Plattformen zum Daten- und Wissensaustausch für die Anwender sind ebenfalls ein nützliches Instrument. Analog eines Tumor-Boards könnten Beteiligte an der Wundversorgung über Plattformen auch Wund-Boards zur Diskussion über die Wundbehandlung unterhalten, wobei der Datenschutz zwingend sichergestellt werden muss. Zukünftig könnten zusätzlich auch Sensoren die Wundheilung vollautomatisch dokumentieren. Das größte Potenzial besteht derzeit bei der generellen Vermeidung von chronischen Wunden durch die Wund-Früherkennung. Sagt die KI zukünftig drohende chronische Wunden voraus, können Behandelnde frühzeitig Präventivmaßnahmen einleiten. Die generelle Vermeidung von chronischen Wunden wäre eine enorme Entlastung für das Pflegepersonal.

Quellen

  1. Olsson M, Järbrink K, Divakar U, Bajpai R, Upton Z, Schmidtchen A, et al. The humanistic and economic burden of chronic wounds: A systematic review. Wound Repair and Regeneration. 2019;27(1):114-25. zum Original
  2. Wang S, Zhang Q, Huang W, Tian H, Hu J, Cheng Y, et al. A New Smart Mobile System for Chronic Wound Care Management. IEEE Access. 2018;6:52355-65. zum Original
  3. HCM. Wie digitale Wundvisite Prozesse optimieren kann. 2021. zum Original
  4. Heidemann C, Scheidt-Nave C. Prävalenz, Inzidenz und Mortalität von Diabetes mellitus bei Erwachsenen in Deutschland – Bestandsaufnahme zur Diabetes-Surveillance. Robert Koch-Institut, Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung; 2017. zum Original
  5. Phillips CJ, Humphreys I, Fletcher J, Harding K, Chamberlain G, Macey S. Estimating the costs associated with the management of patients with chronic wounds using linked routine data. International Wound Journal. 2016;13(6):1193-7. zum Original
  6. Mombini H, Tulu B, Strong D, Agu E, Nguyen H, Lindsay C, et al., editors. Design of a Machine Learning System for Prediction of Chronic Wound Management Decisions. 2020; Cham: Springer International Publishing. zum Original
  7. Wang SC, Anderson JAE, Evans R, Woo K, Beland B, Sasseville D, et al. Point-of-care wound visioning technology: Reproducibility and accuracy of a wound measurement app. PLOS ONE. 2017;12(8):e0183139. zum Original
  8. Nair HKR. Increasing productivity with smartphone digital imagery wound measurements and analysis. Journal of Wound Care. 2018;27(Sup9a):S12-S9. zum Original
  9. Le Goff-Pronost M, Mourgeon B, Blanchère J-P, Teot L, Benateau H, Dompmartin A. REAL-WORLD CLINICAL EVALUATION AND COSTS OF TELEMEDICINE FOR CHRONIC WOUND MANAGEMENT. International Journal of Technology Assessment in Health Care. 2018;34(6):567-75. zum Original
  10. Lorenz R. Tele-Wundversorgung. 2021.zum Original
  11. vitagroup. HIP Edition Wundmanagement – Digitale Vernetzung von Wundversorgenden. 2021. zum Original

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