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Knie-OP-Roboter - ein Gewinn für alle Parteien?

Der Einsatz von Knieprothesen – ein Standardeingriff

Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland bei den eingesetzten Knieprothesen pro Kopf in der Spitzengruppe. Alleine im Jahr 2016 wurden insgesamt 167.000 Erstimplantationen durchgeführt. Der häufigste Grund für die Notwendigkeit eines künstlichen Kniegelenks sind Verschleißerscheinungen. Deshalb wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der Eingriffe durch den demografischen Wandel weiter steigt. Eine Problematik des Eingriffs ist, dass trotz der Häufigkeit der Operation und der standardisierten Abläufe circa 20 Prozent der Patienten mit dem postoperativen Ergebnis unzufrieden sind. Gründe hierfür sind beispielsweise Taubheitsgefühle oder Probleme in der Beweglichkeit (1). Es gibt zwei verschiedene Ansätze, das Einsetzen der Knie-Endoprothese umzusetzen. Zum einen kann der Operateur ohne Robotik auf Basis seiner umfassenden Erfahrung die Operation exekutieren. Zum anderen kann der Operateur durch einen OP-Roboter unterstützt werden (2, 3). In den letzten Jahren haben sich immer mehr Kliniken für die Anschaffung eines Knie-OP-Roboters entschieden. Daher stellt sich die Frage, ob der Knie-OP-Roboter ein effizientes Investment aus der Perspektive der Leistungserbringer ist?

Knie-OP-Roboter im Einsatz

Roboter im Allgemeinen sind technische Geräte, die von dem Anwender instruierte mechanische Tätigkeiten übernehmen. Die Funktionalitäten von Robotern reichen von einfachen Handhabungsgeräten bis hin zu selbständig antizipierenden Systemen. Auch medizinische Robotik-Systeme werden seit über 20 Jahren für verschiedene Disziplinen entwickelt und finden immer häufiger Anwendung. Ein bekanntes roboter-assistiertes Chirurgiesystem aus der stationären Versorgung ist beispielsweise das Da-Vinci-Operationssystem für minimalinvasive Eingriffe (3-5). Auch im Bereich der Knie-Endoprothetik werden Operationen immer häufiger mit Hilfe von Robotersystemen umgesetzt. Knie-OP-Roboter Kosten in der Anschaffung je nach Modell circa eine Million Euro (6). Sie versprechen eine höhere Effizienz, weniger Komplikationen und eine kürzere Verweildauer der Patienten in der Klinik (6). Aktuell kann in circa 16 Kliniken in Deutschland mit einem Knie-OP-Roboter ein neues Kniegelenk eingesetzt werden (7, 8). Dieser Trend spiegelt sich auch weltweit wider. Einer der Marktführer beispielsweise, der Stryker Mako Smart Robotics, konnte 2020 die tausendste Installation weltweit verkünden. Der Knie-OP-Roboter ist je nach Modell circa 1 Meter hoch und 500 Kilogramm schwer (9). Für einen reibungslosen Ablauf wird präoperativ eine Computertomographie des Knies angefertigt, um hieraus ein 3D-Modell zu entwickeln. Dieses wird mit der Software des OP-Roboters verknüpft und ermöglicht eine exakte Ermittlung der anatomischen Beinachse des Patienten und eine Messung der individuellen Bandspannung des Knies. Zusätzlich wird durch optische Marker die genaue Position des Beins ermittelt (6). Während des Eingriffs kommt das Herzstück des Roboters, der Roboterarm, zum Einsatz. Auf Basis des 3D-Modells und auf Anweisungen des Operateurs fräst der Roboter das Prothesenbett zum Einsetzen der Prothese. Simultan kontrolliert der Operateur auf einem Bildschirm, wie viele Millimeter Knochen für das Prothesenbett noch entfernt werden müssen. Bei Überschreiten des ex ante im 3D-Modell festgelegten Bereichs stoppt die Säge des Roboterarms automatisch, um ein Fräsen von nicht notwendigen Knochenteilen oder eine Beschädigung der Bänder zu verhindern. Für die Implementierung und Ausrichtung der Prothese ist im Anschluss der Operateur allein verantwortlich (3, 6, 9).

Knie-OP-Roboter StrykerDer Roboterarm von Stryker (9)

Weniger Schmerz und eine kürzere Verweildauer

Knie-OP-Roboter werden in Deutschland in der stationären Versorgung bereits eingesetzt. Dabei konnten Studien zeigen, dass diese aus Patientenperspektive zu geringeren Schmerzen nach dem Eingriff führen im Vergleich zu einem Eingriff ohne Roboter und gleichzeitig eine höhere Funktionalität des Kniegelenks ermöglichen (10, 11). Aus Perspektive der Leistungserbringer ergeben sich Vorteile durch eine geringere Verweildauer (2 Tage vs. 2,33 Tage), geringere Kosten für Schmerzmittel und eine höhere Reputation der Klinik, da OP-Roboter als Marketinginstrument eingesetzt werden können. Häufig nutzen die Kliniken die OP-Roboter, um sich als spezialisierte Klinik im Fachbereich der Endoprothetik zu inszenieren, beispielsweise auf ihrer Internetseite oder die Aufmerksamkeit der Lokalpresse zu gewinnen (12, 13). Dies ist vor allem unter dem Aspekt der Häufigkeit des Eingriffs und die hierdurch resultierende Konkurrenz relevant. Werden die Fallzahlen aller Eingriffe in der Knie-Endoprohtetik aus dem Jahr 2019 betrachtet, wurden in 916 Kliniken in Deutschland künstliche Kniegelenke eingesetzt, von denen alleine 17 Kliniken über 1000 Eingriffe pro Jahr durchgeführt haben (7). Hier kann ein OP-Roboter ein Alleinstellungsmerkmal für die jeweilige Klinik darstellen. Hinsichtlich der Profitabilität konnten amerikanische Studien eine Amortisierung des OP-Roboters ab einer Gesamtzahl von 94 Eingriffen pro Jahr aufzeigen (2). Es liegen jedoch bisher noch keine Studien zur Profitabilität eines Knie-OP-Roboters für Deutschland vor. In der Studie aus den Vereinigten Staaten wird von 19.219 US-Dollar Kosten für einen Eingriff inklusive stationärer Behandlung ausgegangen, in Deutschland beträgt die Vergütung bei mittlerer Verweildauer 11.374 Euro (2, 14). Daher ist zu hinterfragen, ob sich aufgrund der unterschiedlichen Vergütungsstruktur und -höhe zwischen den beiden Ländern die Ergebnisse auf Deutschland approximieren lassen. Zusätzlich fehlt es bisher an Langzeitstudien, die die Länge der Haltbarkeit der Prothese untersuchen und ermitteln, ob eine der beiden Operationsmethoden überlegen ist. Dies ist besonders unter dem Aspekt der Langzeitstudien zu dem Da-Vinci-Roboter von großer Bedeutung, da sich bei diesem OP-Robotik-System keine langfristig besseren Behandlungsergebnisse beispielsweise im urologischen Fachbereich hinsichtlich Rezidivrate oder Inkontinenz eingestellt haben (5, 15).

Langzeitstudien als Gradmesser

Um sowohl den Patientennutzen als auch die langfristige Effizienz der OP-Roboter beurteilen zu können, sollten Langzeitstudien durchgeführt werden, da diese auch existenziell für eine höhere Vergütung durch die Kostenträger oder eine finanzielle Unterstützung bei den Anschaffungskosten für die Leistungserbringer sind. Des Weiteren sollten die Studien ohne Interessenkonflikte durchgeführt werden, da Gegner der OP-Roboter bemängeln, dass die Verfasser der Studien häufig durch Med-Tech Unternehmen unterstützt oder vergütet werden (15). Dies ist auch für die Leistungserbringer wünschenswert, um die Amortisierung der Technologie verlässlich kalkulieren zu können. Zusätzlich gilt es, die Operateure und alle an dem Eingriff beteiligten Personen bestmöglich mit dem System vertraut zu machen, um die Effizienz des Eingriffs zu steigern.

Fazit

Der Knie-OP-Roboter kann aus Perspektive der Leistungserbringer profitabel sein und gleichzeitig als Marketinginstrument eingesetzt werden. Die Profitabilität hängt jedoch aufgrund der hohen Anschaffungskosten wesentlich von der Gesamtzahl der Eingriffe ab. Um eine Überlegenheit der Technologie abschließend beurteilen zu können, bedarf es allerdings noch Langzeitstudien, wie das Beispiel des Da-Vinci-OP-Roboters zeigt.

Quellen

  1. Hemschemeier M, Bittkowski M, Stollorz V. Knieprothesen – starker Anstieg und große regionale Unterschiede 2018. zum Original
  2. Moschetti WE, Konopka JF, Rubash HE, Genuario JW. Can Robot-Assisted Unicompartmental Knee Arthroplasty Be Cost-Effective? A Markov Decision Analysis. The Journal of Arthroplasty. 2016;31(4):759-65. zum Original
  3. Buza JA, III, Wasterlain AS, Thakkar SC, Meere P, Vigdorchik J. Navigation and Robotics in Knee Arthroplasty. JBJS Reviews. 2017;5(2). zum Original
  4. Stübig T, Windhagen H, Krettek C, Ettinger M. Computerassistierte Chirurgie in der Orthopädie und Traumatologie. Dtsch Arztebl International. 2020;117(47):793-800. zum Original
  5. Haese A, Knipper S, Isbarn H, Heinzer H, Tilki D, Salomon G, et al. A comparative study of robot-assisted and open radical prostatectomy in 10 790 men treated by highly trained surgeons for both procedures. BJU Int. 2019;123(6):1031-40. zum Original
  6. Meißner T. Präzise Knie-Op auf den Millimeter genau 2018. zum Original
  7. AOK. Krankenhaussuche 2021. zum Original
  8. Klinikkompass. Kliniken mit einem Knie-OP-Roboter 2020. zum Original
  9. Stryker. Stryker announces Mako System’s 1,000th install 2021. zum Original
  10. Ren Y, Cao S, Wu J, Weng X, Feng B. Efficacy and reliability of active robotic-assisted total knee arthroplasty compared with conventional total knee arthroplasty: a systematic review and meta-analysis. Postgrad Med J. 2019;95(1121):125-33. zum Original
  11. Marchand RC, Sodhi N, Anis HK, Ehiorobo J, Newman JM, Taylor K, et al. One-Year Patient Outcomes for Robotic-Arm-Assisted versus Manual Total Knee Arthroplasty. J Knee Surg. 2019;32(11):1063-8. zum Original
  12. Cotter EJ, Wang J, Illgen RL. Comparative Cost Analysis of Robotic-Assisted and Jig-Based Manual Primary Total Knee Arthroplasty. J Knee Surg. 2020. zum Original
  13. Cool CL, Needham KA, Khlopas A, Mont MA. Revision Analysis of Robotic Arm-Assisted and Manual Unicompartmental Knee Arthroplasty. J Arthroplasty. 2019;34(5):926-31. zum Original
  14. DRG. I43B – Implantation oder Wechsel bestimmter Endoprothesen am Knie- oder am Ellenbogengelenk 2021. zum Original.
  15. Mancino F, Cacciola G, Malahias MA, De Filippis R, De Marco D, Di Matteo V, et al. What are the benefits of robotic-assisted total knee arthroplasty over conventional manual total knee arthroplasty? A systematic review of comparative studies. Orthop Rev (Pavia). 2020;12(Suppl 1):8657. zum Original

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