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Wie die GKV von der COVID-19 Tracing-App profitieren kann

Covid-19 Tracing App

COVID-19 eine weltweite Herausforderung

Auf der ganzen Welt sind hohe Infektionszahlen und viele Todesfällen durch das neuartige SARS-CoV-2 Virus zu beklagen (1). Auch Deutschland ist von COVID-19 betroffen. Während die ersten Fälle im Januar 2020 noch durch eine schnelle Rückverfolgung der Infektionsketten erfolgreich isoliert werden konnten, tritt COVID-19 seit März dieses Jahres flächendeckend auf. Mittlerweile ermittelt das Robert-Koch-Institut insgesamt über 190.000 erkrankte Personen von denen knapp 15.000 intensivmedizinisch behandelt werden mussten (2, 3). Solange kein Impfstoff oder eine effektive Behandlung gegen das Virus existiert, sind die einzigen Möglichkeiten die Verbreitung einzuschränken, die soziale Distanz, die Quarantäne und die Ermittlung von Kontaktpersonen mit anschließendem COVID-19 Test. Eine digitale Möglichkeit die Ermittlung von Kontaktpersonen zu vereinfachen und das Infektionsgeschehen einzudämmen bieten Tracing und Tracking-Apps (4). Da in Deutschland sowohl die Erstattung der COVID-19 Tests eine Kassenleistung darstellt, als auch die Erstattung der Behandlungen von COVID-19 Patienten von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) übernommen werden, stellt sich die Frage, ob und in welcher Form die GKV von einer Tracing App profitieren kann (5).

Tracing vs. Tracking-App

Seit Beginn des COVID-19 Ausbruches wird die Einführung und der Nutzen einer Tracing oder Tracking App diskutiert. Forscher haben ermittelt, dass eine App ab einer Verbreitung von 80 Prozent der Smartphone-Nutzer oder 56 Prozent der Gesamtbevölkerung ein Eindämmen des Virus ermöglichen kann (1). Der Unterschied zwischen einer Tracing und Tracking-App ist, dass bei einer Tracking App persönliche Daten und Aufenthaltsdaten an einem zentralen Ort gespeichert werden. Diese Art der App wird beispielsweise in China genutzt. Bei einer Tracing-App hingegen werden weder Standort noch persönliche Daten, sondern nur Kontakte erfasst. Zum Einsatz kommt die Funktechnik Bluetooth Low Energy, bei der sich die Geräte gegenseitig registrieren und eine Kennung austauschen. Meldet sich eine Person in der App als Infiziert, werden alle Personen, zu denen ein Kontakt von mehr als 15 Minuten und weniger als zwei Meter bestand, benachrichtigt. Eine Speicherung erfolgt dezentral und verschlüsselt auf dem Gerät selbst (6, 7). Die Bundesregierung hat sich aus Datenschutzgründen für eine Tracing App entschieden (2). Im Zuge der Veröffentlichung wurde auch die Vergütung der Tests verändert. Während bisher die Vergütung des Polymerase-Ketten-Reaktion-Tests sowohl gemäß Einheitlichen Bewertungsmaßstabs als auch stationär mit 59 Euro vergütet wurde, wird ab dem 01.07.2020 die Vergütung nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab auf 39,40 Euro pro Test sinken (5).

Corona App

Bildquelle: Deutschlandfunk

Senkt die Tracking-App die Behandlungskosten?

Aus der Perspektive der GKV bietet die Tracing-App den Vorteil, dass die Kosten für die Entwicklung und Implementierung der App von dem Bund getragen werden (2, 8). Bei einem flächendeckenden Einsatz und erfolgreicher Implementierung jedoch weniger Behandlungskosten entstehen, da das Infektionsgeschehen gebremst wird (1, 9, 10). Alleine die direkten stationären Behandlungskosten je Patient werden beispielsweise in den Vereinigten Staaten auf 14.366 US-Dollar geschätzt (10). Für Deutschland sind zwar noch keine Studien zu den direkten Krankheitskosten veröffentlicht, da allerdings die GKV sowohl für die Erstattung der ambulanten als auch der stationären Leistungen aufkommen muss, profitieren sie, wenn sich weniger Patienten anstecken.

Dem gegenüber stehen die Kosten für eine höhere Zahl an durchgeführten Tests aufgrund einer Indikationserweiterung (5, 8, 9). Mit der Einführung der App können sich nicht nur Patienten mit Symptomen zu Lasten der GKV auf COVID-19 testen lassen, sondern auch Personen die eine Risikobenachrichtigung durch die App erhalten haben (5, 8). Zusätzlich ist aktuell fraglich, wie sich die Nutzerzahlen der App weiterentwickeln werden, da nicht alle Smartphones die App unterstützen und viele Personen zudem kein Smartphone besitzen oder dieses nicht dauerhaft bei sich tragen. Auch kann die App bei Zusammenkünften nicht zwischen geschlossenem Raum, Freiluft sowie Mundschutz oder Plexiglasschutz unterscheiden und daher nicht notwendige Tests verursachen (1, 2).

Übernahme der Mehrausgaben sollte geklärt werden

Die erwarteten Mehrausgaben für die zusätzlichen Tests werden aktuell von der GKV vergütet und als versicherungsfremde Leistung geführt, für die der Bund einen Zuschuss aus Steuergeldern zur Verfügung stellt. Die genaue Höhe und Verteilung der Kosten ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen, da dies vom Infektionsgeschehen und den amtlich angeordneten Tests abhängt und noch verhandelt wird (5, 8). Als Ziel der Verhandlungen könnten die GKVen eine dem Aufwand angemessene Vergütung und eine möglichst vollständige Kostenübernahme durch den Bund anstreben, um einer Erhöhung der Versicherungsbeiträge entgegenzuwirken. Zusätzlich könnte eine einheitliche Vergütung der Tests festgelegt werden, um Differenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu vermeiden.

Fazit

Die App bietet eine Möglichkeit das Infektionsgeschehen in Deutschland zu verlangsamen und kann einen wichtigen Beitrag in der Pandemie Bekämpfung leisten. Jedoch haben in den ersten 22 Tagen erst 15 Millionen Menschen die App heruntergeladen, weshalb die App bisher eine Verbreitung von lediglich 18 Prozent erreicht. Aus der Perspektive der GKV kann sich eine Entlastung aufgrund geringerer Behandlungskosten ergeben, falls die Tracing App in Zukunft flächendeckend in der Bevölkerung genutzt wird. Der monetäre Trade-off zwischen mehr Tests gegenüber niedrigeren Behandlungskosten ist abhängig von der Effektivität der App und dem Infektionsgeschehen und wird sich daher erst in Zukunft bewerten lassen.

Lesen Sie auch folgenden englischsprachigen Artikel: Virtual Quarantine: Corona – now what?

Quellen

  1. Hinch R, W. P, Nurtay A, Kendall M, Wymant C. Effective Configurations of a Digital Contact Tracing App: A report to NHSX 2020 zum Original
  1. Robert-Koch-Institut. Neuartiges Coronavirus 2020 zum Original
  1. DIVI. Tagesreport; DIVI-Intensivregister 2020 Available from: [zum Original
  1. Ferretti L, Wymant C, Kendall M, Zhao L, Nurtay A, Abeler-Dorner L, et al. Quantifying SARS-CoV-2 transmission suggests epidemic control with digital contact tracing. Science. 2020;368(6491) zum Original
  1. Bundesvereinigung K. Coronavirus 2020 zum Original
  1. Kamel Boulos MN, Geraghty EM. Geographical tracking and mapping of coronavirus disease COVID-19/severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) epidemic and associated events around the world: how 21st century GIS technologies are supporting the global fight against outbreaks and epidemics. Int J Health Geogr. 2020;19(1):8 zum Original
  1. Abeler J, Backer M, Buermeyer U, Zillessen H. COVID-19 Contact Tracing and Data Protection Can Go Together. JMIR Mhealth Uhealth. 2020;8(4):e19359 zum Original
  1. Bundesgesundheitsministerium. Corona-Test 2020 zum Original
  1. Yamin M. Counting the cost of COVID-19. Int J Inf Technol. 2020:1-7 zum Original
  1. Bartsch SM, Ferguson MC, McKinnell JA, O’Shea KJ, Wedlock PT, Siegmund SS, et al. The Potential Health Care Costs And Resource Use Associated With COVID-19 In The United States. Health Aff (Millwood). 2020;39(6):927-35 zum Original

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