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Entspannung im Versorgungsalltag: Wie Virtual Reality den Stress von Ärzt:innen und Pflegefachpersonal senkt

Health Professionals tragen eine hohe Verantwortung und arbeiten oft unter Zeitdruck. Kann die Anwendung von Virtual Reality dabei helfen, Stress am Arbeitsplatz zu mindern?

Die Anwendung von Virtual Reality (dt. Virtuelle Realität, VR) gewinnt in der Medizin zunehmend an Bedeutung und hat sich bereits als äußerst wirksam in den Bereichen der medizinischen Ausbildung und Patient:innenversorgung erwiesen (1, 2). In der medizinischen Ausbildung ermöglicht VR realitätsnahe Übungen in komplexen medizinischen Szenarien. Darüber hinaus trägt VR zur Verbesserung der Patient:innenversorgung bei, indem es beispielsweise in der Chirurgie bei der Planung anspruchsvoller Eingriffe und im Schmerzmanagement zur Ablenkung unterstützend eingesetzt wird (3).

Im Kontext der Gesundheitsförderung hat sich ein weiteres Anwendungsfeld für VR im Bereich der Prävention herausgebildet: die Reduzierung emotionaler Belastung (4). VR kann eine unterstützende Rolle bei der Bewältigung von Stress im Arbeitsalltag spielen, was sich insbesondere in anspruchsvollen Berufsfeldern wie der Medizin als relevant erweisen kann (5). Der Einsatz von VR zur Stressreduktion ist im Vergleich zu anderen Techniken einfach und erfordert keine Vorerfahrung (6).

Kurze Virtual Reality-Sitzungen können zur Reduktion von Stress im Arbeitsalltag beitragen

Eine englische Pilotstudie hat unter diesem Gesichtspunkt die Effekte von VR zur Stressreduktion bei Ärzt:innen und Pflegefachpersonen des National Health Service (NHS) untersucht (6). Ziel der Studie war es einerseits zu untersuchen, inwieweit ein kurzes virtuelles Naturerlebnis positive Stimmungszustände bei diesen Berufsgruppen hervorruft. Zum anderen sollte die Eignung von VR für den Einsatz bei Fachpersonal mit direktem Patientenkontakt in einem NHS-Trauma Zentrum geprüft werden. Ärztliches und pflegerisches Personal tragen in Traumazentren eine hohe Verantwortung, wobei Entscheidungen unter Zeitdruck und Unsicherheit getroffen werden und während der Schichten oft wenig Zeit für Pausen ist.

Die Proband:innen nahmen während einer intensiven Arbeitsperiode an dem Experiment teil. Die Stichprobe umfasste 39 Teilnehmende, die in einem NHS-Traumazentrum beschäftigt sind. Diese durchliefen eine zehnminütige Erfahrung in einer virtuellen Natur-Umgebung. Hierbei gab es keine Verhaltensvorgaben, sodass einige Teilnehmende aktiv mit der virtuellen Umgebung interagierten, während andere diese lediglich beobachteten. Teilgenommen wurde im Sitzen, wobei die Fortbewegung und Interaktion in der virtuellen Welt durch einen Controller möglich war. Zur Erfassung der Auswirkungen der VR-Erfahrung wurden die Herzfrequenz als Indikator für physiologische Erregung, der subjektive emotionale Zustand und die Akzeptanz der Teilnehmenden gemessen.

Virtuelle Naturerlebnisse haben positive Auswirkungen auf Herzfrequenz und Stressempfinden

Gemäß den Studienergebnissen können VR-Sitzungen signifikant zur Beruhigung, Verbesserung der Stimmung, Stressabbau und Förderung positiver Emotionen beitragen. Detaillierte Beschreibungen der Effekte finden sich in den Abbildungen 2 und 3.

VR Grafik

Die Pilotstudie liefert erste Anhaltspunkte dafür, dass VR erfolgreich zur Stressreduktion bei Ärzt:innen und Pflegefachpersonen beitragen kann. Um einen kausalen Zusammenhang zwischen VR-Sitzungen und dem Stressempfinden zu untersuchen, ist jedoch eine randomisierte kontrollierte Studie mit einer Kontrollgruppe erforderlich.

Innovative Ansätze zur Reduktion von Stress sind auch im deutschen Gesundheitswesen relevant

Auch im deutschen Gesundheitssystem sind ärztliches und pflegerisches Klinikpersonal regelmäßig einer hohen Stressbelastung ausgesetzt, was besonders während der Corona-Pandemie deutlich wurde. Im Jahr 2020 galten 47% des deutschen Gesundheitspersonals in Kliniken als bedeutend psychisch belastet, und 11% dachten über einen Berufswechsel nach (7). Die durch die Covid-19 Pandemie noch einmal erhöhte Beanspruchung führte zu einem Anstieg krankheitsbedingter Abwesenheiten des Gesundheitspersonal mit entsprechenden Problemen für Planung und Versorgung (8). Da Gesundheitspersonal einer weiteren Digitalisierung am Arbeitsplatz grundsätzlich positiv gegenübersteht (9), kann davon ausgegangen werden, dass vergleichbare digitale Angebote gut angenommen werden.

Fazit

Die Pilotstudie zeigt, dass kurze Virtual Reality-Erfahrungen zur Reduktion von Stress am Arbeitsplatz von Ärzt:innen und Pflegefachpersonen beitragen können. Der Aufwand, die Sitzungen in den Arbeitsalltag zu integrieren, ist dabei unwesentlich. Die Pilotstudie liefert erste Impulse für weitere Forschung zu VR in diesem Kontext.

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Quellen

(1) Tzu-Chi W. Chien-Ta B.H. A scoping review of metaverse in emergency medicine. Australasian Emergency Care 2023 26(1): 75-83. DOI: 10.1016/j.auec.2022.08.002.

(2) Mahling M. Wunderlich R. Steiner D. Gorgati E. Festl-Wietek T. Herrmann-Werner A. Virtual Reality for Emergency Medicine Training in Medical School: Prospective, Large-Cohort Implementation Study. J Med Internet Res. 2023; 25. DOI: 10.2196/43649

(3) Berthold D.P. Imhoff A.B. & Mazzocca A.D. Virtual Reality in der Gelenkchirurgie. Arthroskopie 2021; 34: 126–130. DOI: 10.1007/s00142-020-00426-7.

(4) Giuseppe R. Fabrizia M. Brenda K. W. Positive Technology and COVID-19. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking 2020; 23(9): 581-587.

(5) Riches S. Azevedo L. Bird L. Pisani S. & Valmaggia L. Virtual reality relaxation for the general population: a systematic review. Social psychiatry and psychiatric epidemiology 2021; 56: 1707-1727. DOI: 10.1007/s00127-021-02110-z.

(6) Adhyaru J. S. Kemp C. Virtual reality as a tool to promote wellbeing in the workplace. Digital health 2022; 8. DOI: 10.1177/20552076221084473.

(7) Röthke N. Wollschläger D. Kunzler A.M. et al. Psychische Belastung, Resilienz und Absentismusneigung bei Gesundheitspersonal in Deutschland während der ersten COVID-19-Pandemiewelle im Frühjahr 2020. Nervenarzt 2021; 92: 579–590. DOI: 10.1007/s00115-021-01132-x.

(8) Kramer V. Thoma A. Kunz M. Medizinisches Fachpersonal in der COVID-19-Pandemie: Psyche am Limit. InFo Neurologie + Psychiatrie 2021; 23(6): 46–53. DOI: 10.1007/s15005-021-1975-8.

(9) Haslinger-Baumann E. Rolle und Zukunft assistiver Technologien in der Gesundheits- und Krankenpflege. In: Willibald J. Stronegger & Johann Platzer (Hrsg.): Technisierung der Pflege. 4. Goldegger Dialogforum Mensch und Endlichkeit, 4. Bioethik in Wissenschaft und Gesellschaft 2022; 15: 153-167. DOI: 10.5771/9783748928720.

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