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Strukturierte Versorgung dank elektronischer Diabetesakte

Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung, die zu einem Regulierbarkeitsverlust des Blutzuckers führt (1, 2). Dies bedingt erhöhte Blutzuckerwerte (2). Es können verschiedene Ausprägungen unterschieden werden: Der Diabetes-Typ-1 manifestiert sich meist bereits in jungen Lebensjahren und kennzeichnet sich dadurch, dass die Insulinproduktion des Körpers versagt (1, 2). Zu einem Diabetes-Typ-2 kann es kommen, wenn jahrelang zu viel Insulin vom Körper produziert wurde, welcher nun dem Bedarf nicht mehr nachkommt. Auch eine verminderte Empfindsamkeit körpereigener Zellen für das Hormon Insulin kann Grund für Diabetes-Typ-2 sein (2).

Mit rund 8,5 Millionen Betroffenen allein in Deutschland stellt Diabetes mellitus eine großes Problem für die Volksgesundheit dar. Pro Jahr kommt es zu etwa 600.000 Neuerkrankungen. Darüber hinaus wird eine hohe Dunkelziffer von bis zu zwei Millionen Patienten vermutet (3). Die zuletzt in 2015 erhobenen Krankheitskosten liegen bei rund 34 Milliarden Euro jährlich (4). Dabei ist Diabetes-Typ-2 die häufigste Form der Erkrankung (1) und macht rund 95 Prozent aller Diabetes-Diagnosen aus (2, 3). Wie kann durch die Nutzung einer elektronischen Diabetesakte die Versorgung optimiert werden?

Patienten und ihre stellvertretenden Fachverbände als Experten

Derzeit ist weder eine einheitliche Versorgungssituation, noch eine übergreifende, mitunter digitale Kommunikation möglich. Dies führt dazu, dass u.a. Expertise und Versorgungsstrategien ungleich verteilt sind und für Patienten die Behandlungsqualität stark vom Wohnort und dem behandelnden Arzt abhängt (5). Darüber hinaus weist die Patient Journey bei chronischen Erkrankungen oft keinen spezifischen Start- oder Endpunkt auf. Vielmehr sind Kontaktpunkte mit der Versorgung variabel und es wird eine Vielzahl privater Daten von Patienten notwendig, um die Versorgung zu verbessern (1, 6). An dieser Stelle wird die aktive Rolle von Patienten in der Datensammlung immer deutlicher, insbesondere aber die Expertenrolle in Wissen um die Erkrankung und das Selbstmanagement im Umgang mit dieser (6).

Bei Diabetikern handelt es sich um eine Patientengruppe, die bereits vermehrt digitale Gesundheitsanwendungen zum Erkrankungsmanagement nutzen (7). Hier setzt die elektronische Diabetesakte (eDA) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) an. Ihre erste Besonderheit ist, dass sie von der Fachgesellschaft selbst konzipiert und umgesetzt wird. Ziel der DDG ist es, als medizinische Fachgesellschaft aktiv eine patientenorientierte Verbesserung der Versorgung mitzugestalten (5). Stellvertretend für Diabetes-Patienten sollen gesundheitspolitische Maßstäbe mitgestaltet und Erkrankten Orientierungshilfe gegeben werden (8).

Daten werden für Versorgung und Forschung zugänglich

Die eDA soll die Versorgung von Diabetikern, insbesondere durch wissenschaftliche Evaluation der gesammelten Daten, fortlaufend verbessern. Dazu ist u.a. ein Diabetesregister an die Akte angegliedert (5). Die von der DDG entwickelte und angebotene Akte soll keine Doppelstrukturen zur vorhandenen elektronischen Patientenakte (ePA) aufweisen, sondern an gesetzliche Vorgaben und Maßnahmen anschließen (5). Für die eDA sollen Daten automatisch, z.B. über die ePA oder intelligente Insulinpumpen, erfasst und strukturiert verfügbar werden. Dabei werden internationale Interoperabilitätsstandards ebenso angestrebt wie eine Kopplung mit weiteren digitalen Gesundheitsanwendungen bzw. das Einspeisen der Daten dieser (5). Erhoben werden Daten aus dem ambulanten oder stationären Bereich, aber auch dem Privaten der Patienten, ebenso wie aus Präventions- oder Forschungsprogrammen. Darüber hinaus soll die Möglichkeit bestehen, Befragungen zu Patient Reported Outcomes (PROs) zu hinterlegen (5). Die Freischaltung weiterer Angebote oder Nutzer erfolgt nicht automatisch, sondern wird bei Bedarf und Interesse stets vom Patienten selbst getätigt (5).

Eines der wichtigsten Outcomes der eDA soll sogenannte „real care evidence“ für die Diabetesversorgung sein. Hierdurch werden Aussagen zur Gestaltung von Versorgungsprozessen und Versorgungsqualität möglich – eine bedarfsorientierte Gesundheitsplanung kann entstehen (5, 9). Das bedeutet, es profitiert nicht allein die Arzt-Patient-Kommunikation sowie die Behandlungsplanung im Einzelfall, sondern auch die Forschung und Bedarfsplanung auf Ebene der öffentlichen Gesundheitsfürsorge (7, 9). Durch gesammelte Daten einer großen Patienten-Population kann die Versorgung dieser eine Optimierung erfahren, ebenso wie die Planung und Durchführung von Public Health Maßnahmen. Es werden Handlungsempfehlungen für Patienten und auch Health Professionals sowie ein Abgleich von Behandlungsplänen möglich (10).

Elektronische Akten müssen in alltäglicher Versorgung ankommen

Zurzeit ist die eDA, ebenso wie die ePA, noch nicht in der breiten Anwendung angekommen (5). Die Erweiterung der klassischen ePA um die eDA und ihre direkte Übertragung in ein strukturiertes Diabetesregister muss weiter herausgestellt werden – krankheitsbezogene Public Health-Daten müssen weder von Patienten noch von Versorgern händisch eingegeben oder weitergeleitet werden. (5). Die Forschung zu unterstützen könnte einen weiteren Anreiz für Patienten darstellen. Hierzu muss der Regelbetrieb elektronischer Akten jedoch erst einmal erreicht sein.

Nützliche Funktionsweisen sollten weiter hervorgehoben werden

Geplant als Entscheidungsunterstützung für Patienten und Health Professionals (5) müssen diese die Funktionen ebenso wie die Funktionsweise der eDA adäquat einschätzen können (8). Angedockt an die ePA stellt die eDA eine weitere Anwendung dar, die Health Professionals vor potenzielle Verständnisfragen und -aufgaben stellt. Personal muss aufgeklärt und zögerliche Health Professionals eingebunden werden, um den Mehrwert durch Datennutzung zu erzielen.

Insbesondere in der Diabetesversorgung und im Umgang mit der Erkrankung existieren enorm viele Produktinnovationen (8). Diese gilt es erfolgreich anhand von Schnittstellen an die eDA anzubinden bzw. in ihnen generierte Daten für die eDA verfügbar zu machen.

Fazit

Anhand einer eDA kann die Versorgung patientenorientiert und vernetzt weiterentwickelt werden. Auch politische Diskussionen gestalten sich auf Basis strukturierter klinischer Daten und Erkenntnisse zu Bedarfen und Versorgungsqualität fundierter. Wie so häufig gilt jedoch, dass der Weg in die alltägliche Gesundheitsversorgung noch gegangen werden muss.

Quellen

  1. Elkhuizen SG, Vissers JMH, Mahdavi M, van de Klundert JJ. Modeling Patient Journeys for Demand Segments in Chronic Care, With an Illustration to Type 2 Diabetes. Front Public Health. 2020;8:428. zum Original
  2. Gesundheit Bf. Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 2021. zum Original
  3. Diabeteshilfe D. Diabetes in Zahlen 2022. zum Original
  4. Bundesamt S. Krankheitskosten: Deutschland, Jahre, Krankheitsdiagnosen (ICD-10), Geschlecht, Altersgruppen 2022. zum Original
  5. Müller-Wieland D, Ickrath M. Die elektronische Diabetesakte eDA der DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft). Der Diabetologe. 2021;17(3):260-4. zum Original
  6. Devi R, Kanitkar K, Narendhar R, Sehmi K, Subramaniam K. A Narrative Review of the Patient Journey Through the Lens of Non-communicable Diseases in Low- and Middle-Income Countries. Adv Ther. 2020;37(12):4808-30. zum Original
  7. Berlin-Brandenburg R. Patienten digital: Die eDiabetesakte 2020. zum Original
  8. Ickrath M. Bedeutung der Digitalisierung für die DDG als Fachgesellschaft. Der Diabetologe. 2018;14(7):449-54. zum Original
  9. Horth RZ, Wagstaff S, Jeppson T, Patel V, McClellan J, Bissonette N, et al. Use of electronic health records from a statewide health information exchange to support public health surveillance of diabetes and hypertension. BMC Public Health. 2019;19(1):1106. zum Original
  10. Diabetesgesellschaft D. Elektronische Diabetesakte (eDA). zum Original

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