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Digital Public Health – Die Zukunft der öffentlichen Gesundheit

Öffentliche Gesundheit in Deutschland – Ein Überblick

Über 400 Milliarden Euro wurden 2019 in Deutschland für Gesundheitsausgaben verwendet, pro Einwohner 4 944 Euro und insgesamt 4,9% mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt lag bei 11,9%. Im Jahr 2020 sind die Gesundheitsausgaben um etwa 3,5% gestiegen und belaufen sich Schätzungen zufolge auf 425,1 Milliarden Euro (1). Zu den gesundheitsbezogenen Waren und Dienstleistungen zählen unter anderem Ausgaben für Prävention, Gesundheitsschutz, ärztliche und pflegerische Leistungen sowie Investitionen, die dazu dienen, Krankheiten vorzubeugen und Gesundheit zu fördern (2). Welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf den Anstieg hat, ist bisher schwierig zu ermitteln. Die Pandemie verdeutlicht jedoch die Relevanz der öffentlichen Gesundheit, auch Public Healthgenannt, die bisher in Deutschland jedoch von der Gesundheitspolitik und den Akteuren im Gesundheitswesen defizitär behandelt wurde. Welchen Handlungsbedarf gibt es zukünftig für Public Health in Deutschland, besonders im Hinblick auf die digitale Transformation des Gesundheitswesens? Dieser Übersichtsartikel definiert (Digital) Public Health, benennt die Akteure in Deutschland und weist auf die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung hin.

Was ist Public Health?

Laut Definition der WHO ist Public Health „die Wissenschaft und die Praxis der Verhinderung von Krankheiten, Verlängerung des Lebens und Förderung der Gesundheit durch organisierte Anstrengungen der Gesellschaft“ (Acheson, 1988; WHO, 2011) (2). Kurz gesagt: „Public Health ist die öffentliche Sorge um die Gesundheit aller.“ Die größte Sorge und die höchsten Krankheitskosten von 13,7% verursachten im Jahr 2015 nicht-übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit rund 46,4 Milliarden Euro, gefolgt von Krebs, Diabetes und psychischen Erkrankungen (1, 2). Bisher fehlen aktuelle Zahlen der Corona-Pandemie zu übertragbaren Infektionskrankheiten. Darüber hinaus rücken bestimmte Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Geflüchtete in den Fokus von Public Health. Zehn Kernbereiche für Public Health hat das europäischen Regionalbüro der WHO erarbeitet, die sogenannten Essential Public Health Operations (EPHOs). Dazu zählen laut Robert Koch-Institut (2):

  1. Surveillance von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung,
  2. Beobachtung von Gesundheitsgefahren und gesundheitlichen Notlagen und Gegenmaßnahmen,
  3. Gesundheitsschutzmaßnahmen (u.a. in den Bereichen Umwelt-, Arbeits- und Nahrungsmittelsicherheit,
  4. Gesundheitsförderung, einschließlich Maßnahmen in Bezug auf soziale Determinanten und gesundheitliche Maßnahmen,
  5. Krankheitsprävention, einschließlich Früherkennung,
  6. Gewährleistung von Politikgestaltung und Steuerung (Governance) für mehr Gesundheit und Wohlbefinden,
  7. Gewährleistung einer ausreichenden Zahl von fachkundigem Personal im Bereich der öffentlichen Gesundheit,
  8. Gewährleistung von nachhaltigen Organisationsstrukturen und Finanzierung,
  9. Überzeugungsarbeit, Kommunikation und soziale Mobilisation für die Gesundheit,
  10. Förderung der Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit zwecks Anwendung in Politik und Praxis.

Zehn Kernthemen von Public Health

Welche Akteure spielen in Deutschland eine Rolle?

Zur Erreichung dieser Kernthemen von Public Health gibt es im deutschen Gesundheitswesen viele relevante Akteure, die verschiedene Rollen übernehmen. Besonders präsent in den Medien wurde während der Corona-Pandemie die biomedizinische Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung, das 1891 gegründete Robert Koch-Institut (RKI) zur Krankheitsüberwachung und -prävention. Wie komplex die gesamte Public-Health-Landschaft in Deutschland ist, zeigt eine systematische Übersicht der AG Berufswege des Nachwuchsnetzwerks Öffentliche Gesundheit (NÖG) mit über 300 überregionalen Akteuren, von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, der Wissenschaft, Sozialversicherungen, privatwirtschaftlichen Akteuren bis hin zu internationalen Playern (3). Darüber hinaus spielen auf kommunaler Ebene Gesundheitsämter eine wichtige Rolle, auf lokaler Ebene Gesundheitseinrichtungen und –initiativen. Um die Gesundheit der Bevölkerung auf all diesen Ebenen zu verbessern, ebnet die Digitalisierung den zukünftigen Weg für Akteure des Gesundheitswesens. Wie sieht diese Zukunft aus?

Digital Public Health – Die Zukunft der öffentlichen Gesundheit

Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation des Gesundheitswesens ergeben sich neue Chancen und Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit: Mit Digital Public Health soll das Ziel verfolgt werden, die Gesundheit der Bevölkerung durch die Anwendung neuer Technologien zu verbessern, sowohl auf individueller, Community- und globaler Ebene (4, 5). Digitale Technologien ermöglichen die Optimierung von Public Health Angeboten, beispielsweise um mittels Big Data zu einer präziseren öffentlichen Gesundheit beizutragen (6). Dies könnte durch Monitoring und Evaluation zum Erkennen von frühzeitigen Gesundheitsgefährdungen führen, aber auch die Personalisierung von Präventionsmaßnahmen erleichtern. Für die Zukunft von Digital Public Health bietet Big Data, die Sammlung einer großen Datenmenge, viele Chancen für Forschung, Intervention und Politik. Auch Social Media Plattformen haben ein enormes Potenzial, die Analyse der Verbreitung und Übertragung von Krankheiten zu unterstützen. Die verfügbare Datenmenge ermöglicht die Auswertung von gesundheitsbezogenen Daten und das Erkennen versteckter Muster.

Herausforderungen und Fazit: Eine nationale Public-Health-Strategie

Kritisch betrachtet wird an der digitalen Transformation der öffentlichen Gesundheit deutlich, dass es bisher an evidenzbasierter Forschung fehlt, um die Vorteile von neuen Technologien zu begründen (7). Auch unklare Begrifflichkeiten erschweren eine zielführende Diskussion über das Themenfeld und die Komplexität der Public-Health-Landschaft kann zu einer Verwässerung von Verantwortlichkeiten führen. Hier kann jedoch eine digitale Vernetzung von Akteuren dazu beitragen, kooperatives Arbeiten zu fördern. Ein Zusammenschluss von Akteuren aus Wissenschaft und Praxis in Deutschland diskutiert im Zukunftsforum Public Health (ZfPH) über Handlungsempfehlungen für die öffentliche Gesundheit. Gefordert wird eine Public-Health-Strategie, die alle gesundheitsrelevanten Ziele in Deutschland forciert und nachhaltig umsetzbar macht.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis). Gesundheitsausgaben im Jahr 2019 auf über 400 Milliarden Euro gestiegen. 2021. zum Original
  2. Robert Koch-Institut (RKI). Das RKI als nationales Public_Health-Institut. 2016. zum Original
  3. Nachwuchsnetzwerk Öffentliche Gesundheit (NÖG). Übersicht von Public Health-Akteuren. 2021. zum Original
  4. Murray C J, Alamro N M S, Hwang H & Lee U. Digital public health and COVID-19. The Lancet Public Health 2020. 5:9 e469-e470. zum Original30187-0)
  5. Darmann-Finck I, Rothgang H, Zeeb H. Digitalisierung und Gesundheitswissenschaften – White Paper Digital Public Health [Digitalization and Health Sciences – White Paper Digital Public Health]. Gesundheitswesen. 2020;82(7):620-622. zum Original
  6. Pastorino R, De Vito C, Migliara G, Glocker K, Binenbaum I, Ricciardi W & Boccia S. Benefits and challenges of Big Data in healthcare: an overview of the European initiatives. European journal of public health 2019. 29: 23-27. zum Original
  7. Zeeb H, Pigeot I, Schüz B et al. Digital Public Health – ein Überblick. Bundesgesundheitsblatt 2020. 63: 137–144. zum Original

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