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title: "Förderung der Rehabilitation durch Ambient Assisted Living"
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date: "2020-12-07"
section: "Review-Artikel"
categories: ["Digitalisierung von Prozessen", "KI", "mHealth", "Pflege", "Prävention", "Rehabilitation", "Sensorik"]
author: "Thea Kreyenschulte"
reading_time: "8 Min."
description: "Wie können AAL-Systeme durch Unterstützung einer selbstbestimmten häuslichen Lebenssituation zur Förderung der Rehabilitation beitragen?"
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Förderung der Rehabilitation durch Ambient Assisted Living

*07.12.2020 · Review-Artikel · Von Thea Kreyenschulte*

Ambient Assisted Living (AAL) – übersetzt: umgebungsunterstütztes Wohnen – ist das Leben in einer durch intelligente Technologien unterstützten Umgebung. Diese passt sich situationsspezifisch und proaktiv den Bedürfnissen des Benutzers an (1). AAL-Systeme sind besonders aufgrund zu erwartender Herausforderungen des demographischen Wandels interessant.

Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, aufgrund körperlicher und mentaler Einschränkungen den Aktivitäten des täglichen Lebens allein nicht mehr gerecht zu werden. Hinzu kommen nicht-altersgerechte Wohnumgebungen in Privathaushalten. Die Folge können Stürze und Verletzungen wie beispielhaft ein Schenkelhalsbruch sein. Diese sind die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte und letztendlich Versterben älterer Personen (2, 3). In 2018 lag die Fallzahl der Diagnose Schenkelhalsbruch bei insgesamt 192.381 (4). Die durchschnittliche stationäre Verweildauer betrug 14,8 Tage, bei Behandlungskosten pro Behandlungsfall von im Schnitt rund 4.823 Euro (5, 6). 33.055 Patienten wurden wegen eines Schenkelhalsbruchs in einer Rehabilitationseinrichtung behandelt (7), in welcher die Verweildauer (in 2016) bei nochmals 25 Tagen lag (8).

Nach Stürzen und Knochenbrüchen im höheren Alter werden meist ausgedehnte stationäre und ambulante Rehabilitationsmaßnahmen notwendig (3) – die meisten Behandlungsfälle finden sich in der Orthopädie (620 von 1000 Fällen in 2016) (8). AAL wird hier zugesprochen, Kosten zu senken bzw. zu vermeiden, indem stationäre Aufenthalte verkürzt werden können, da Unterstützung in der Häuslichkeit möglich wird (2). Die Frage, die sich hierbei stellt, ist: Wie können AAL-Systeme durch Unterstützung einer selbstbestimmten häuslichen Lebenssituation zur Förderung der Rehabilitation beitragen?

### **Mit AAL selbstständig durch den Alltag**

AAL wurde vorwiegend entwickelt, um älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, selbstständig, möglichst unabhängig und gleichzeitig sicher in ihrem häuslichen Umfeld leben zu können (2, 9). Für die Rehabilitation nach Stürzen kommen AAL-Technologien daher besonders in Frage. Als Bestandteil ambulanter Nachsorge finden sie Anwendung in der Förderung von Mobilität und in der Unterstützung gesundheitsfördernden Verhaltens und somit in der Prävention erneuter Stürze (2, 3).

Technologien, die im Bereich AAL genutzt werden, können Sprachassistenten in Smart-Home-Umgebungen, GPS und Infrarot-Sensoren zur Bewegungsnachverfolgung oder Machine Learning bei der Entwicklung einer Sturzerkennung sein. Einfluss nehmen diese Technologien in der häuslichen Umgebung schlussendlich bspw. über Sprachsteuerung, Audio- und Videoinput oder Datenaustausch über Wearables (2, 10). Besonders kommen Wearables in Frage, die Aktivitäten der Zielgruppe anhand von Sensoren aufzeichnen, diese speichern und an Versorger und Pflegepersonal weitergeben. Sie können z.B. an den Handgelenken, Schenkeln oder um den Hals getragen werden (2).

### **AAL – viel mehr als Sturzprävention**

Anhand der Anwendung von AAL werden Gesundheit und Selbstständigkeit gefördert und Patienten bestenfalls aktiviert (10). Besonders Sensoren können sowohl Patienten als auch Pflegepersonal informieren und sorgen durch Datensammlung für größtmögliche Sicherheit der Anwender. Darüber hinaus können sie Erinnerungen (zur Medikamenteneinnahme oder Physiotherapie) oder Warnhinweise (Vorsicht aufgrund aktueller Vitalwerte oder Umgebungsbeschaffenheit) erzeugen, welche in der Rehabilitation nach einem Sturz relevant werden (2, 3). Durch die potenzielle Verminderung von Betreuungsaufwand sowie die Sicherheit eines funktionierenden Monitorings und Alarmsystems profitieren neben Patienten auch nahestehende und pflegende Bezugspersonen (10).

So entstehen Möglichkeiten der Kosteneinsparung durch Reduzierung stationärer Aufenthalte. Dies ist auch im Sinne der Regelungen des Sozialgesetzbuches (11): Ambulante Versorgung wird stets vorrangig vor stationären Aufenthalten behandelt. Dies tritt besonders dann ein, wenn Technologien erstattet werden können und regelmäßige Anwendung durch Fachkräfte erfahren.

### **Vom Projekt zum Produkt?**

Auf EU-Ebene werden AAL-Technologien mit entsprechenden Projekten zum gesunden Altern finanziell gefördert und eine Evaluation angestrebt. Eine breite Durchsetzung der Technologien gelingt bisher jedoch eher mangelhaft. Zahlreiche Studien werden durchgeführt, die eine Etablierung neuer Produkte im Bereich des AAL fördern sollen. Jedoch entsteht aus den wenigsten Studien ein im Anschluss tatsächlich verwendetes Produkt – oftmals verbleiben Technologien in der Pilotphase oder schließen Evaluationen nicht ab. So konnten in den Jahren 2008 bis 2013 aus 600 Millionen Euro EU-Förderung 152 Projekte zu AAL gefördert, aber hieraus lediglich zwei Produkte in den Markt überführt werden (2, 10).

### **Anwender einbeziehen, um AAL zu fördern**

Aufgrund aktuell mangelnder Anwendung von AAL bedarf es einer Evaluation und Förderung der Akzeptanz verwendeter Technologien, besonders durch Einbezug der Zielgruppe. Zu dieser gehört auch Fachpersonal aus dem Rehabilitationsbereich. Kooperationen mit diesem sind sinnvoll, da sie die Anwendungen in ihrer Umsetzung überwachen bzw. bei dieser helfen.

Aktuell besteht eine geringe Vertrauensbasis bei Anwendern – Patienten und Fachpersonal – aufgrund vieler Pilotprojekte, die eingestellt werden oder Methodenmängel aufweisen. Ihre Akzeptanz muss gefördert werden, da sie maßgeblicher Faktor in der Umsetzung von AAL ist (12). Eine Möglichkeit, dies zu tun, wäre zunächst niedrigschwellige Technologien wie Wearables stationär einzusetzen und diese in ihrer Anwendung durch ältere und beeinträchtigte Menschen adäquat anzupassen, um sie anschließend in die ambulante Rehabilitation zu überführen und dort optimal einzusetzen.

### **Fazit**

AAL birgt einen vielversprechenden, positiven Einfluss auf die Lebenswelt Älterer und gleichzeitig großes Potenzial im Bereich der ambulanten Rehabilitation. Eine erfolgreiche Überführung von Produkten und Prozessen aus der Pilotphase ist hier Voraussetzung.

Quellen

1. AAL F. Fraunhofer-Allianz Ambient Assisted Living AAL 2020. [zum Original](https://www.aal.fraunhofer.de/)
2. Ganesan B, Gowda T, Al-Jumaily A, Fong KNK, Meena SK, Tong RKY. Ambient assisted living technologies for older adults with cognitive and physical impairments: a review European Review for Medical and Pharmalogical Sciences. 2019;23:10470-81. [zum Original](http://doi.org/10.26355/eurrev_201912_19686)
3. Haescher M, Matthies DJC, Srinivasan K, Bieber G. Mobile Assisted Living. Proceedings of the 5th international Workshop on Sensor-based Activity Recognition and Interaction2018. p. 1-10. [zum Original](http://doi.org/10.1145/3266157.3266210)
4. Bundesamt S. 23131-0001: Krankenhauspatienten: Deutschland, Jahre, Hauptdiagnose ICD-10 (1-3-Steller Hierarchie) 2020. [zum Original](https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?operation=table&code=23131-0001&bypass=true&levelindex=0&levelid=1605624864516#abreadcrumb).
5. Bundes Gd. Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000 (Eckdaten der vollstationären Patienten und Patientinnen). Gliederungsmerkmale: Jahre, Behandlungs-/Wohnort, ICD10 2020. [zum Original](http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/WS0100/_XWD_FORMPROC?TARGET=&PAGE=_XWD_2&OPINDEX=1&HANDLER=_XWD_CUBE.SETPGS&DATACUBE=_XWD_30&D.001=1000001&D.946=13699&D.011=44302)
6. Bundesamt S. Gesundheit. Kostennachweis Krankenhäuser. 2018. 2020 14.10.2020. [zum Original](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Krankenhaeuser/Publikationen/Downloads-Krankenhaeuser/kostennachweis-krankenhaeuser-2120630187004.pdf?__blob=publicationFile)
7. Bundesamt S. 23132-0001: Patienten in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen: Deutschland, Jahre, Hauptdiagnose ICD-10 (1-3-Steller Hierarchie) 2020. [zum Original](https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?operation=table&code=23132-0001&bypass=true&levelindex=0&levelid=1605625290778#abreadcrumb)
8. Bundesamt S. Gesundheit. Diagnosedaten der Patientinnen und Patienten in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen. 2016. 2018 01.03.2018. [zum Original](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Vorsorgeeinrichtungen-Rehabilitationseinrichtungen/Publikationen/Downloads-Vorsorge-oder-Reha/diagnosedaten-vorsorge-reha-2120622167004.pdf?__blob=publicationFile)
9. Roy PC, Abidi SR, Abidi SSR. Monitoring Activities Related to Medication Adherence in Ambient Assisted Living Environments. Informatics for Health: Connected Citizen-Led Wellness and Population Health. 2017. [zum Original](http://doi.org/10.3233/978-1-61499-753-5-28)
10. Van Grootven B, van Achterberg T. The European Union’s Ambient and Assisted Living Joint Programme: An evaluation of its impact on population health and well-being. Health Informatics J. 2019;25(1):27-40. http://doi.org/10.1177/1460458216683535. [zum Original](https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28006968)
11. Verbraucherschutz BdJuf. Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477) § 39 Krankenhausbehandlung 2020. [zum Original](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__39.html)
12. Merkel S, Enste P. Barriers to the diffusion of telecare and telehealth in the EU. A literature review. IET International Conference on Technologies for Active and Assisted Living (TechAAL); London, UK 2015. [zum Original](http://doi.org/10.1049/ic.2015.0128)


**Kategorien:** Digitalisierung von Prozessen, KI, mHealth, Pflege, Prävention, Rehabilitation, Sensorik

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