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title: "Kommunizieren im Gesundheitswesen mit TI-Messenger - Dr. Philipp Kurtz Famedly"
language: "de"
type: "post"
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date: "2026-07-13"
section: "Health Hack"
categories: ["Digitalisierung von Prozessen", "Plattform"]
author: "Hendrik Bensch"
reading_time: "7 Min."
description: "Der TI-Messenger-Anbieter Famedly legte seine Lösung gegenüber der Gematik offen, sodass Ideen des Unternehmens in die Spezifikation des Messengers einfließen konnten. Für das Berliner Unternehmen hat sich diese Offenheit ausgezahlt, sagt Famedly-Gründer Dr. Philipp Kurtz."
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Kommunizieren im Gesundheitswesen mit TI-Messenger - Dr. Philipp Kurtz Famedly

*13.07.2026 · Health Hack · Von Hendrik Bensch*

## ******„**Wir entscheiden uns mehr und mehr für Lösungen, die schon detaillierter ausgearbeitet sind**“******

*********Der TI-Messenger-Anbieter Famedly legte seine Lösung gegenüber der Gematik offen, sodass Ideen des Unternehmens in die Spezifikation des Messengers einfließen konnten. Für das Berliner Unternehmen hat sich diese Offenheit ausgezahlt, sagt Famedly-Gründer Dr. Philipp Kurtz. Im Interview erklärt er, wie der TI-Messenger inzwischen von Akteuren im Gesundheitswesen genutzt wird, wie viel Spielraum für Innovationen trotz der strengen Regulierung bleibt – und in welchen anderen Branchen der Messenger künftig noch zum Einsatz kommen könnte.*********

##### **Herr Dr. Kurtz, was ist Ihr Digital Health Hack? Welche Herausforderung bei der Digitalisierung haben Sie mit Famedly gemeistert, deren Lösung auch für andere Akteure im Digital-Health-Bereich interessant sein könnte?**

Als wir vor einigen Jahren gerade unseren Messenger für das Gesundheitswesen entwickelt haben, sind wir mit der Gematik in Kontakt gekommen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Spezifikation für den TI-Messenger. Die Gematik hat uns damals gefragt, ob wir einmal offenlegen könnten, wie unsere Lösung genau funktioniert und wie wir das technisch umsetzen. Da haben wir natürlich erst einmal überlegt: Sollen wir das wirklich alles offenlegen? Wir haben uns dann dafür entschieden, sehr transparent gegenüber der Regulierung zu sein. Und das ist etwas, was ich anderen Unternehmen auch raten kann: offen, transparent und ehrlich mit staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten. Denn so entstehen Partnerschaften.

##### **Woran machen Sie fest, dass sich diese Transparenz für Sie ausgezahlt hat?**

Zum einen ist dadurch eine sehr gute Zusammenarbeit entstanden. Man nimmt uns ernst, wenn wir bestimmte Themen positionieren. Außerdem hat es dazu geführt, dass sich ein Markt gebildet hat und Netzwerkeffekte entstehen konnten. Andere Anbieter konnten auf das Thema aufspringen. Man könnte natürlich sagen: Wir haben Wettbewerbern unsere Ideen geschenkt. Wir sehen hingegen für unser Produkt eher Netzwerkeffekte: Wenn auch andere Partner auf die gleiche Technologie setzen, haben wir die Möglichkeit, die Angebote miteinander zu verknüpfen. Und je mehr Teilnehmer es gibt, desto mehr profitiert das gesamte System.

##### **Wie genau profitieren Sie von dieser Verknüpfung?**

Man kann sich das so vorstellen, als könnten dadurch WhatsApp, Signal und Threema miteinander reden – nur dass es eben beim TI-Messenger andere Anbieter sind. Jeder Nutzer, den Wettbewerber gewinnen, wird auch von unserem System aus erreichbar. Genauso wird jeder Nutzer, den wir an Bord holen, für die anderen erreichbar. Das ist die Dynamik, die durch die Verknüpfung entsteht.

##### **Wer nutzt Ihren TI-Messenger?**

Wir haben beispielsweise die Charité als Kunden, genauso wie einige weitere Universitätskliniken. Wir haben aber außerdem sehr viele Pflegedienste als Kunden. Über die GEDISA (*die**Gesellschaft für digitale Services der Apotheken, Anm. d. Redaktion*) nutzen zudem mehr als 13.000 Vor-Ort-Apotheken unseren Messenger. Und inzwischen kommen auch immer mehr Arztpraxen hinzu. Insgesamt haben wir etwas mehr als 100.000 registrierte Benutzer.

##### **Sie können aus Datenschutzgründen natürlich nicht selbst sehen, was im Austausch der Nutzer abläuft. Aber was berichten Ihre Kunden, wofür sie den Messenger einsetzen?**

Apothekenkunden nutzen den TI-Messenger zum Beispiel, um nachzufragen, ob ein Medikament noch vorrätig ist. Auch Fragen zur Reiseapotheke gibt es häufiger, berichten uns die Apotheken. Im Krankenhausbereich ist einer der Top-Anwendungsfälle der Austausch zwischen Ärzten im Hintergrund- und im Bereitschaftsdienst. Der Messenger kommt bei ihnen zum Beispiel ins Spiel, wenn der Assistenzarzt im Krankenhaus ein Foto von einem EKG macht und fragt, was er nun tun sollte.

Bei den Pflegediensten sind Informationen zur Dienstübergabe ein wichtiges Thema – wenn beispielsweise eine Pflegekraft ihrer Kollegin sagt, dass sie heute nicht zu einem bestimmten Pflegebedürftigen fahren muss, weil der Sohn an diesem Tag kommt. Auch der einrichtungsübergreifende Austausch nimmt zu: beispielsweise zur Medikamentenversorgung von Patienten im Pflegeheim. Da tauschen sich dann Pflegeheim, Arztpraxis und Apotheke aus. Erste Anwendungsfälle entstehen inzwischen auch, weil der TI-Messenger in die App der elektronischen Patientenakte (ePA) integriert ist.

##### **Gerade in Kliniken werden ja bereits viele digitale Tools eingesetzt. Wie gelingt es, dass der TI-Messenger tatsächlich hilft, die Prozesse zu verändern und nicht einfach nur noch ein weiteres digitales Tool ist?**

Zum einen muss man sagen: Wir können durchaus Tools ersetzen. Es ist nicht immer so, dass der Messenger ein zusätzliches Tool ist. Es gibt durchaus den einen oder anderen Kunden, der nicht nur seine Schatten-IT damit loswird – also WhatsApp, Signal und so weiter –, sondern der tatsächlich sagt: Für bestimmte Personen brauchen wir dann keine MS-Teams-Lizenz mehr.

Was die Prozesse angeht, muss man wissen: Wir sind ein Anbieter, der auch die Integration in Drittsysteme erledigen kann. Da entsteht ein großer Nutzen, gerade bei der Dokumentation. Aus dem Messenger können bestimmte Chat-Inhalte exportiert und im Krankenhausinformationssystem (KIS) zu Dokumentationszwecken abgelegt werden. Wichtige Informationen, die andernfalls am Telefon besprochen werden, die behandlungsrelevant sind und sonst händisch nachdokumentiert werden müssen, lassen sich per Messenger über eine Schnittstelle ins KIS übertragen.

##### **Was sind andere Punkte, bei denen Sie schon feststellen, dass der TI-Messenger die Versorgungsprozesse verbessern kann?**

Da geht es viel um den einrichtungsübergreifenden Austausch. Früher war es so: Wenn ich jemanden erreichen wollte, habe ich in der Zentrale angerufen. Dann ist niemand ans Telefon gegangen oder es hieß: Wir melden uns. Heute kann man einfach eine Nachricht im Messenger schreiben.

Das muss nicht bedeuten, dass es schneller geht. Aber es gelingt mit weniger Zeitaufwand: Man schreibt nun eine Nachricht, sie kommt bei jemand anderem an – und wenn diese Person Zeit hat, kümmert sie sich darum. In der einrichtungsübergreifenden Zusammenarbeit sehen wir das größte Potenzial, um Prozesse durch den TI-Messenger effizienter zu gestalten.

##### **Auf dem TI-Dashboard der Gematik kann man sehen, dass die Zahl der Benutzenden prozentual kräftig ansteigt. Die absoluten Zahlen sind aber immer noch recht niedrig, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Akteure den Messenger nutzen könnten. Was sind Ihrer Einschätzung nach Gründe, weswegen viele noch zurückhaltend sind, den TI-Messenger einzusetzen?**

Auf Seiten der Versicherten ist das größte Thema sicherlich die Einrichtung der elektronischen Patientenakte und danach die Einrichtung des TI-Messengers. Auf Seiten der Leistungserbringer ist es natürlich auch immer ein Kostenthema.

##### **Wenn man sich die Kosten anschaut: Kann der TI-Messenger denn andererseits auch dabei helfen, Kosten einzusparen?**

Wir sehen, dass man Zeit sparen kann. Ein Kunde aus dem Pflegebereich hat das kürzlich anhand eines Beispiels deutlich gemacht: Er muss nun in eine Chatgruppe eine Information lediglich einmal eintragen. Vorher hätte er alle Mitglieder der Chatgruppe einzeln anrufen müssen, um ihnen die Info mitzuteilen.

Darüber hinaus lässt sich auch beim Dokumentieren Geld sparen. Man kann Infos aus dem Messenger exportieren und in die Dokumentation übertragen. Mit wenigen Klicks ist das erledigt. Das geht natürlich wesentlich schneller, als wenn man die Informationen abtippen muss.

##### **Damit der TI-Messenger seinen Nutzerinnen und Nutzern einen Mehrwert bieten kann, kommt es ja auf Netzwerkeffekte an. In einer Region muss eine bestimmte Anzahl an Personen den Messenger verwenden, andernfalls hat man selbst nichts davon. Was können Sie selbst tun, um diese Netzwerkeffekte zu fördern?**

Wir versuchen das partnerschaftlich mit unseren Kunden zu machen. Denn diese profitieren ja auch von den Netzwerkeffekten. Wir machen zum Beispiel gerade ein Projekt mit einer größeren Klinik in der Oberpfalz. Heute Abend ist ein runder Tisch mit vielen anderen Einrichtungen, wie etwa den Zuweisern. Das ist dann eine gute Gelegenheit, um auch über den TI-Messenger zu sprechen.

##### **Wie sieht es bei dem TI-Messenger mit den Möglichkeiten für Innovationen aus? Wie viel Spielraum bleibt Ihnen und anderen Herstellern von TI-Messengern für Innovationen angesichts der starken Regulierung im Gesundheitswesen?**

Da gibt es in der Tat ein paar Restriktionen, die wir gerne ändern würden. Das gilt zum Beispiel für das Thema Anmeldung: Aktuell ist eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für den TI-Messenger vorgeschrieben. Denkbar wäre, das so zu gestalten, dass man sich den Zugriffslink zusenden lässt.

Trotz vieler Vorgaben gibt es Spielraum, um das Produkt weiterzuentwickeln. So ist die Videotelefonie beispielsweise für den TI-Messenger gar nicht spezifiziert. Aber wir haben trotzdem die Möglichkeit, sie – gut abgegrenzt vom Messenger – anzubieten.

##### **Bleibt angesichts der starken Regulierung das Gesundheitswesen für Sie langfristig interessant? Oder schauen Sie sich schon in anderen Märkten um, die weniger stark reguliert sind?**

Wir haben ein klares Commitment für den Gesundheitssektor. Mein Gründerpartner und ich, wir sind beide Ärzte. Unser Herz schlägt daher für diesen Bereich. Und das Spannende ist, dass sich auch eine internationale Perspektive für den Messenger im Gesundheitswesen bietet: In Österreich wird inzwischen auch ein Matrix-basiertes Messaging für das Gesundheitswesen vorgeschrieben. In Frankreich beschäftigt man sich ebenfalls damit. Es wird also ein europäisches Thema, das macht den Markt sehr spannend.

Nichtsdestotrotz sehen wir auch ein riesiges Potenzial in anderen regulierten Märkten. Überall dort, wo es hochregulierte Bereiche gibt, ist es sinnvoll, sich mit einem souveränen Protokoll wie Matrix und einem souveränen Produkt wie dem TI-Messenger zu beschäftigen.

##### **Welche Bereiche sind das?**

Die innere und äußere Sicherheit sind große Themen. Für diese Bereiche laufen auch schon erste Projekte bei uns. Auch Projekte zur kritischen Infrastruktur – zum Beispiel Stadtwerke und Banken – kommen infrage.

**[Hier](https://www.famedly.com/)**geht es zur Internetseite der**Famedly.**

[**Hier**](../../../../netzwerk/dr-phillipp-kurtz.md) geht es zum ATLAS-Profil von Dr. Philipp Kurtz.

**Weitere Digital Health Hacks** gibt es**[hier](../../../../digital-health-hack.md).**





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**Kategorien:** Digitalisierung von Prozessen, Plattform

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