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title: "Telenotärzte: Die Zukunft der prähospitalen Notfallversorgung?"
language: "de"
type: "post"
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date: "2024-07-10"
section: "Science Digest"
categories: ["Notfallversorgung", "Telemedizin"]
author: "Lara Schmidt [Qualitätssicherung: Dr. K. Loboiko]"
reading_time: "5 Min."
description: "Rettungsdienste sind mit zunehmenden Notfalleinsätzen konfrontiert. Kann der Einsatz von Telenotärzten die prähospitale Notfallversorgung entlasten?"
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Telenotärzte: Die Zukunft der prähospitalen Notfallversorgung?

*10.07.2024 · Science Digest · Von Lara Schmidt [Qualitätssicherung: Dr. K. Loboiko]*

*Rettungsdienste sind mit zunehmenden Notfalleinsätzen konfrontiert. Kann der Einsatz von Telenotärzten die prähospitale Notfallversorgung entlasten?*

In den letzten zwei Jahrzehnten ist in Deutschland ein jährlicher Anstieg von rund 4 % bei Rettungsdiensteinsätzen zu verzeichnen [1]. Die zunehmende Alterung der Bevölkerung, die voranschreitende Urbanisierung und die stetig ansteigende Inanspruchnahme des Rettungsdienstes mit gleichzeitigem Mangel an medizinischen Rettungskräften erschweren die Gewährleistung einer flächendeckenden und zeitnahen Notfallversorgung der Bevölkerung [2,3].

Der Einsatz von Telenotärzten in der prähospitalen Notfallversorgung verspricht hier Entlastung. Telemedizin bietet eine zukunftsweisende Ergänzung zur herkömmlichen bodengebundenen Notfallversorgung, dies gilt umso mehr in ländlichen Gebieten. Telenotärzte können die Qualität und Frequenz der Versorgung verbessern, indem sie bei Rettungsdiensteinsätzen in Echtzeit notfallmedizinische Expertise via Telemedizin bereitstellen, ohne dass ein Notarzt vor Ort sein muss. In Deutschland werden in immer mehr Regionen Standorte geschaffen, um mit der Telemedizin den Rettungsdienst weiterzuentwickeln [4].

**Das Aachener Telenotarztsystem**

Aachen führte im Jahr 2014 als erste deutsche Stadt ein Telenotarztsystem im 24-h-Betrieb als strukturelle Ergänzung zum herkömmlichen bodengebundenen Rettungsdienst ein [5, 6]. Dieses System besteht aus erfahrenen Notärzten, die sich durch eine zusätzliche Fortbildung als Telenotärzte qualifiziert haben, sowie aus Rettungswagen, die technisch so ausgestattet sind, dass die Sanitäter mit Notärzten Telekonsultationen durchführen können. Die technische Ausstattung der Rettungswagen ermöglicht die Echtzeitübertragung von Audio, Bild, Video sowie Vitalparamatern [6].

Abbildung 1: Ablauf Telenotarztsystem vs. Notarzt vor Ort

**Studie zur Implementierung und Wirksamkeit einer telenotärztlichen Unterstützung in Aachen**

Kowark et al. (2023) untersuchten in ihrer Studie die Wirksamkeit der telenotärztlichen Unterstützung im Rahmen der Notfallversorgung in Aachen im Vergleich zu einem konventionellen, arztgestützten System bei prähospitalen Notfällen. Die Studie schloss erwachsene Patienten (≥ 18 Jahre) mit schweren Notfällen im Bereich des bodengebundenen Rettungsdienstes ein. Patienten mit akut lebensbedrohlichen Notfällen, wie Polytrauma oder Herzstillstand, wurden ausgeschlossen. Die Patienten wurden zufällig in einem Verhältnis von 1:1 entweder durch einen Telenotarzt (n=1764) oder durch einen Notarzt vor Ort betreut (n=1767).

Die Ergebnisse zeigen, dass ein Telenotarzt mindestens so effektiv ist wie ein Notarzt vor Ort. Der Telenotarzt wies Vorteile bei der Qualität der Anamneseerhebung, Dokumentation und Behandlungsqualität auf [7,8]. Zudem führte der Einsatz des Telenotarztes zu einer verkürzten Bindungszeit des ärztlichen Notfallpersonals und ermöglichte daher, in gegebener Zeit mehr Notfalleinsätze ärztlich zu betreuen. Die telemedizinische Unterstützung ermöglichte den Rettungssanitätern vor Ort, schnell und effizient Entscheidungen zu treffen, indem sie bei Bedarf auf telemedizinische Expertise zurückgreifen konnten. In 58 % der Fälle war eine ergänzende notärztliche Versorgung vor Ort nicht erforderlich [8].

Während des Projektzeitraums (2014 – 2021) konnte die Zahl an Telekonsultationen sowie die Frequenz der Notarzteinsätze erhöht werden. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der Notarzteinsätze vor Ort von 36 % auf 19,7 %, und auch die Zahl der stationären Weiterbehandlungen nach der Notfallversorgung ging zurück. Seit Einführung hat sich das Telenotarztsystem landesweit flächendeckend etabliert [6].

**Fazit**

Telenotarztsysteme können die Verfügbarkeit und Qualität der Notfallversorgung unterstützen. In Zeiten des Fachkräftemangels ergänzen sie den Rettungsdienst mit Notärzten vor Ort und bieten damit effiziente und hochwertige Versorgungslösungen auch für ländliche oder unterversorgte Gebiete.

Lesen sie auch: [Augmented Reality als Ersthelfer](../../../2020/03/23/augmented-reality-als-ersthelfer.md)

Quellen

[1] Schmiedel R, Behrendt H. Analyse des Leistungsniveaus im Rettungsdienst für die Jahre 2016 und 2017.2019. Mensch und Sicherheit. Heft 290. Bergisch Gladbach: Fachverlag NW in der Carl Ed. Schünemann KG. ISBN: 978-3-95606-471-5.

[2] Brinkrolf P, Kuntosch J, Metelmann, B et al. Ist das Telenotarzt-System eine sinnvolle Ergänzung im ländlichen Raum?– Eine Analyse aus medizinischer und ökonomischer Perspektive. 2022. Bundesgesundheitsblatt. 65: 1007-1015. DOI: 10.1007/s00103-022-03581-4.

[3] Schehdat M S, Scherer, G, Groneberg D A, et al. Outpatient care in acute and prehospital emergency medicine by emergency medical and patient transport service over a 10-year period: a retrospective study based on dispatch data from a German emergency medical dispatch centre (OFF-RESCUE). 2021. BMC Emergency Medicine. DOI: 10.1186/s12873-021-00424-4.

[4] Hahnenkamp K, Fleßa S, Hasebrook J, et al. Notfallversorgung auf dem Land. Ergebnisse des Pilotprojektes Land|Rettung. 2020.Berlin, Heidelberg: Springer. ISBN: 9783662619292.

[5] Follmann A, Rossaint R, Brokmann JC, et al. Remote monitoring in emergency medical services. Current Directions in Biomedical Engineering. 2017. 3(2):479–481. DOI: 10.1515/cdbme-2017-0101.

[6] Schröder H, Beckers SK, Borgs C, et al. Long-term effects of a prehospital telemedicine system on structural and process quality indicators of an emergency medical service. 2024. Scientific Reports. 14: 310. [DOI: 10.1038/s41598-023-50924-5](https://doi.org/10.1038/s41598-023-50924-5).

[7] Schröder H, Beckers SK, Ogrodzki K, et al. Tele-EMS physicians improve life-threatening conditions during prehospital emergency missions. 2021. Scientific Reports. 11(1):14366. DOI: 10.1038/s41598-021-93287-5.

[8] Kowark A, Felzen M, Ziemann S, et al. Telemedical support for prehospital emergency medical service in severe emergencies: an open-label randomised non-inferiority clinical trial. 2023. Critical Care. 27(1): 256. DOI: 10.1186/s13054-023-04545-z.





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**Kategorien:** Notfallversorgung, Telemedizin

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