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title: "Mehr Arbeitsbelastung für Pflegekräfte? Drei Fallbeispiele zur Implementierung von E-Health-Anwendungen"
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date: "2024-02-01"
section: "Science Digest"
categories: ["Digitalisierung von Prozessen", "Pflege"]
author: "Dr. Katharina Loboiko [Qualitätssicherung: T. Langmaack]"
reading_time: "5 Min."
description: "E-Health-Anwendungen versprechen eine effizientere Gesundheitsversorgung. Jedoch stehen die Pflegekräfte vor erheblichen Herausforderungen."
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Mehr Arbeitsbelastung für Pflegekräfte? Drei Fallbeispiele zur Implementierung von E-Health-Anwendungen

*01.02.2024 · Science Digest · Von Dr. Katharina Loboiko [Qualitätssicherung: T. Langmaack]*

*E-Health-Anwendungen versprechen eine effizientere Gesundheitsversorgung. Jedoch stehen die Pflegekräfte vor erheblichen Herausforderungen. Eine aktuelle schwedische Studie zeigt die praktischen Schwierigkeiten auf.*

E-Health umfasst den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen [1], darunter [elektronische Patientenakten](../../../../digitale-gesundheitskompetenz-als-erfolgsfaktor.md), E-Rezepte, Online-Terminvereinbarungen, [Videosprechstunden](../../../../ist-telemedizinische-beratung-die-zukunft.md) und weitere Anwendungen. Das Ziel ist unter anderem, Gesundheitsfachkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen [2], doch insbesondere Pflegekräfte berichten von zusätzlichen Belastungen [3]. Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, die spezifischen Herausforderungen zu verstehen, um adäquate Unterstützungs-maßnahmen und Ressourcen bereitzustellen.

### **Studie zur Implementierung von E-Health-Anwendungen**

Die Studie von Frennert, Petersson und Erlingsdottir aus dem Jahr 2023 untersuchte die Arbeit von Pflegekräften mit drei verschiedenen E-Health-Anwendungen (siehe Abb.1). Insgesamt wurden 75 Interviews mit Gesundheitsfachkräften, einschließlich Pflegekräften, Ärzten, Administratoren, Psychologen, einem Physiotherapeuten und Führungskräften in Schweden durchgeführt [4].

![Abbildung 1 E-Health-Anwendungen](https://www.atlas-digitale-gesundheitswirtschaft.de/mensch/assets/bilder/wp-content/uploads/2024/02/Graph3-e1706797763373.png)

**Abbildung 1: Die drei untersuchten E-Health-Anwendungen für Pflegekräfte**

### **Zusätzlicher Arbeitsaufwand**

Die Digitalisierung der Arbeitsabläufe führte für Pflegekräft nicht zur erhofften Entlastung, sondern verursachte zusätzliche Arbeit. So waren Pflegekräfte aufgrund der geringen Akzeptanz von E-Health-Anwendungen bei Patienten gezwungen, herkömmliche und digitale Kommunikationsmethoden zu kombinieren. Dies zeigte sich etwa bei der Triage von Patienten (Fall 1), die deshalb sowohl digital als auch konventionell telefonisch erfolgte. Die asynchrone Kommunikation während der Nachsorge (Fall 2) erforderte eine kontinuierliche Verfügbarkeit des Pflegepersonals, da Patienten die Anwendungen unregelmäßig und zu unterschiedlichen Zeiten nutzten. Darüber hinaus wurden Pflegekräfte damit beauftragt, Patienten in der Anwendung von E-Health-Technologien zu schulen und technisch zu unterstützen – eine Aufgabe, die zuvor nicht zu ihren primären Verantwortlichkeiten zählte.

### **Erhöhung der Arbeitsprozesskomplexität**

Das digitale Monitoring erwies sich als komplex: Patienten dokumentieren ihre Symptome selbst in der Anwendung, während Gesundheitsfachkräfte diese Daten interpretieren und in die Praxissysteme manuell eingeben müssen (Fall 3). Die von Patienten kommunizierten Daten waren oft lückenhaft oder missverständlich, was zu häufigen Rückfragen führte. Besonders herausfordernd war die Interpretation subjektiver Patientendaten anhand einer vorgegebenen Skala. Zusätzlich erschwerte die fehlende Interoperabilität zwischen E-Health-Anwendungen und bestehenden Systemen die Datenübertragung.

### **E-Health für Pflegekräfte in Deutschland**

Inmitten des Pflegekräftemangels in Deutschland ist eine vorsichtige Integration von E-Health-Anwendungen in den Arbeitsalltag entscheidend [5]. Die ohnehin stark belastete Pflegeberufsgruppe sollte durch digitale Implementierungen nicht zusätzlich beansprucht werden [6]. Gelingt jedoch die Integration, können Pflegekräfte ihre Arbeitsroutinen effizienter gestalten und so entlastet werden [7]. Daher ist die optimale Gestaltung dieser Übergangsphase von entscheidender Bedeutung.

### **Fazit**

Die Erfahrungen der Pflegekräfte in Schweden verdeutlichen, dass die erfolgreiche Integration digitaler Anwendungen im Arbeitsalltag sowohl eine strategische Planung seitens der Führungskräfte als auch ein tiefes Verständnis der Bedürfnisse der Nutzergruppen seitens der Entwickler erfordert. Die Einführung digitaler Unterstützung führt bisher häufig zu einer Komplexitätssteigerung der Arbeitsprozesse und zusätzlichen Belastung der Pflegekräfte. Die Sicherstellung von Interoperabilität und Nutzerakzeptanz sowie Schulungen sind entscheidende Faktoren zur Hebung der Effizienzpotentiale digitaler Anwendungen in der Gesundheitsversorgung.

Quellen

[1] Fischer F, Aust V, & Krämer A. eHealth: Hintergrund und Begriffsbestimmung. In: Fischer, F., Krämer, A. (eds) eHealth in Deutschland. Springer Vieweg, Berlin, Heidelberg. 2016. DOI: [10.1007/978-3-662-49504-9_1](https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-49504-9_1)

[2] McBain H, Shipley M & Newman S. The impact of self-monitoring in chronic illness on healthcare utilisation: a systematic review of reviews. BMC Health Services Research. 2015. 15(565) DOI: 10.1186/s12913-015-1221-5

[3] Cajander Å, Moll J, Englund S & Hansman A. Medical Records Online for Patients and Effects on the Work Environment of Nurses. European Federation for Medical Informatics (EFMI) and IOS Press; 2018. DOI: 10.3233/978-1-61499-852-5-271

[4] Frennert S, Petersson L. & Erlingsdottir G. “More” work for nurses: the ironies of eHealth. BMC Health Services Research. 2023. 23(411) DOI: 10.1186/s12913-023-09418-3

[5] Rothgang H, & Müller R. Barmer Pflegereport 2021: Wirkungen der Pflegereformen und Zukunftstrends. Barmer 2021; ISBN PDF: 978-3-946199-69-4

[6] Ashley C, James S, Williams A, Calma K, Mcinnes S, Mursa R, Stephen C, & Halcomb E. The psychological well-being of primary healthcare nurses during COVID-19: A qualitative study. Journal of Advanced Nursing. 2021. 77(9) DOI: 10.1111/jan.14937.

[7] Kaihlanen, AM., Laukka, E., Nadav, J. et al. The effects of digitalisation on health and social care work: a qualitative descriptive study of the perceptions of professionals and managers. BMC Health Services Research 2023; 23(714) DOI: 10.1186/s12913-023-09730-y.





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**Kategorien:** Digitalisierung von Prozessen, Pflege

## Bilder auf dieser Seite

- Abbildung 1 E-Health-Anwendungen: ../../../../../mensch/assets/bilder/wp-content/uploads/2024/02/Graph3-e1706797763373.png
- shutterstock_159268991-1320x990.jpg: ../../../../../mensch/assets/bilder/wp-content/uploads/2022/04/shutterstock_159268991-1320x990.jpg

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