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title: "Amazon Care – das Gesundheitsökosystem der Zukunft?"
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type: "post"
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date: "2021-08-31"
section: "Review-Artikel"
categories: ["Ambulante ärztliche Versorgung", "Apotheken", "Digitalisierung von Prozessen", "Plattform", "Telemedizin", "Therapie"]
author: "Jonathan Koß"
reading_time: "7 Min."
description: "Amazon bietet Gesundheitsleistungen über den Telemedizin Service Amazon Care an - eine Bedrohung für etablierte Leistungserbringer?"
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Amazon Care – das Gesundheitsökosystem der Zukunft?

*31.08.2021 · Review-Artikel · Von Jonathan Koß*

Hinweis: Dieser Artikel ist vom 31. August 2021. Amazon Care wurde Ende 2022 abgeschaltet.

Amazon erzielte einen Umsatz von 386 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 und gehört zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen weltweit. Neben dem populären Onlinehandelsplatz erwirtschaftet Amazon seine Erlöse vor allem mit dem Angebot von Cloud Infrastruktur. Seit kurzem bietet Amazon nun auch Gesundheitsleistungen über den Telemedizin Service Amazon Care an, welches aus zwei Komponenten besteht.

Einerseits ermöglicht der „Virtual Care“ Service eine telemedizinische Beratung durch Fachpersonal mittels der Amazon Care App. Beispielsweise kann ein Nutzer, basierend auf den zuvor via Chatbot getätigten Eingaben mit einem Arzt per Videochat verbunden werden (1). Anschließend empfiehlt der Arzt die weiteren Behandlungsschritte. Neben einem telemedizinischen Angebot bietet Amazon Care auch Hausbesuche an. Beispielsweise kann während des Virtual Care Services festgestellt werden, dass eine persönliche Untersuchung notwendig ist. In diesem Fall schickt Amazon Care einen Arzt direkt zum Wohnort des Nutzers. Mögliche Medikationen werden ebenfalls geliefert (1). Momentan grenzt sich Amazon Care somit von bestehenden telemedizinischen Anbietern in Deutschland durch zwei Aspekte ab. Einerseits sind die Ärzte direkt angestellt, Dritte können ihre Behandlungsleistungen momentan nicht anbieten. Andererseits schließt Amazon Care die Lücke zwischen telemedizinischer Versorgung und einer persönlichen Behandlung. Wie könnte Amazon Care etablierte Leistungserbringer aus dem Markt drängen und die deutsche Gesundheitsversorgung verändern?

### **Amazon Care – auch in Deutschland denkbar?**

Das Geschäftsmodell von Amazon Care in den USA basiert erlösseitig auf Verträgen mit Arbeitgebern. Diese können ihren Arbeitnehmern den Service zur Verfügung stellen und sich somit unter anderem als attraktiver Arbeitgeber positionieren (2). Ein Geschäftsmodell mit dem auch ähnliche Telemedizin Anbieter wie die TeleClinic 2018 in Deutschland gestartet sind (3). Im Kontext des deutschen Gesundheitssystems ist jedoch eine GKV Kostenübernahme elementar, um die Behandlung von GKV Versicherten effektiv skalieren zu können – eine Strategie, die durch TeleClinic 2020 bereits erfolgreich umgesetzt wurde (4). Hierzu müsste Amazon Care seine Plattform jedoch für niedergelassene Ärzte mit Kassensitz öffnen. Ansonsten könnten nur Selbstzahler den Service in Anspruch nehmen.

### **Plattform als Geschäftsmodell wahrscheinlich**

Falls Amazon Care sein Geschäftsmodell an das deutsche GKV System anpasst, würde dies zunächst bedeuten, dass niedergelassene GKV Ärzte auf der Plattform, ähnlich wie bei TeleClinic, partizipieren können und ihre Reichweite, bzw. ihr Einzugsgebiet und Erlöse sukzessive steigern könnten (natürlich immer unter der Berücksichtigung des Praxis Budgets). Somit würde das Amazon-typische Plattform-Geschäftsmodell entstehen (5): Patienten werden Amazon Care nutzen, weil es eine komfortable One-Stop-Shop Lösung ist. Vom telemedizinischen Erstkontakt über einen ggfs. notwendigen Hausbesuch bis zur Lieferung des Medikaments – der Service integriert sich in den Alltag des Patienten. Folglich werden sich niedergelassene Ärzte und Apotheken auf der Plattform positionieren, um Umsätze zu generieren. Die hieraus entstehenden Netzwerkeffekte (5) werden – wie auch in der Amazon Consumer Sparte – die Marktmacht von Amazon Care zunehmend erhöhen und das Abschöpfen von Transaktions- und Nutzungsgebühren ermöglichen (5). Darüber hinaus werden auch stationäre Leistungserbringer auf die Plattform angewiesen sein, da dort die notwendigen Einweiser tätig sind. Genauso werden Medikamentengroßhändler in eine gewisse Abhängigkeit geraten, falls ein Großteil der Verschreibungen über Amazon Care getätigt und durch Amazons Online Apotheke „Amazon Pharmacy“ bedient wird. In Folge würde die Marktmacht von Amazon Pharmacy steigen, sodass diese günstigere Medikamenten Preise verhandeln können.

### **Wird Amazon Care so den deutschen Markt erobern?**

Der Telemedizin Markt in Deutschland ist noch relativ klein. Die Einführung des eRezepts im Januar 2022 ist jedoch vermutlich ein großer Wachstumstreiber, weil somit auch erstmalig online Rezepte ausgestellt werden können, was beispielsweise Chronikern einen erheblichen Mehrwert bietet. Das hieraus resultierende Marktwachstum dürfte den deutschen Gesundheitsmarkt auch für Amazon attraktiver machen. Fraglich ist jedoch, ob ein Markteintritt von Amazon Care den deutschen Telemedizin Markt disruptieren würde: Einerseits ist das beschriebene, mögliche Geschäftsmodell von Amazon Care nicht einzigartig. Exemplarisch agiert der deutsche Anbieter TeleClinic ebenfalls als Plattform: TeleClinic erhebt arztseitig eine Gebühr pro durchgeführter telemedizinischer Behandlung. Falls die etablierten deutschen Telemedizin Anbieter ihr Leistungsangebot kundenfreundlich ausbauen – beispielsweise mit Medikamenten Lieferdiensten und möglichen analogen Arztbesuchen ist hier kein klarer Wettbewerbsvorteil zu erkennen. In der Tat wurde beispielsweise die TeleClinic bereits durch die schweizerische Zur Rose Gruppe übernommen, die ein europäisches Gesundheitsökosystem aufbaut (6). Neben der TeleClinic gehört hier auch die Online Apotheke DocMorris dazu, sodass eine europäische One-Stop-Shop Lösung möglich erscheint (6). Andererseits verfügt Amazon über Kapital, das eine Subvention der Plattform ermöglicht – und somit einen Preiskampf. Bisherige plattformbasierte Unternehmen zeigen, dass während der Wachstumsphase mit hohen Verlusten in Wettbewerbssituation zu rechnen ist (5). Hinzu kommt, dass Amazon ein tiefgehendes technisches Know-how in relevanten Bereichen wie der CloudTechnologie besitzt.

### **Fazit**

Auch wenn es für den Patienten komfortabel ist – eine große US-amerikanische Plattform als zentraler Orchestrator für Gesundheitsleistungen bedeutet jedoch auch, dass die potentiell immensen Gewinne in die USA gehen. Hinzu kommt, dass die umfangreichen Datensätze, bestehend aus privaten Konsum- sowie Gesundheitsverhalten, außerhalb Deutschlands und Europas liegen würden. Außerdem bürgt eine Kontrolle eines signifikanten Anteils des Gesundheitssystems durch ausländische Unternehmen ein nicht unerhebliches Risiko. Vor diesem Hintergrund sollten die Rahmenbedingungen für nationale und europäische Unternehmen weiter verbessert werden, um einerseits eine patientenfreundliche Gesundheitsversorgung und andererseits die Wettbewerbsfähigkeit bereits etablierter Player zu fördern. Dies bedeutet insbesondere, dass Risikokapital zur Verfügung gestellt werden muss und notwendige regulatorische und infrastrukturelle Anpassungen wie die vollständige Integration des Rezepts schnellstmöglich umgesetzt werden sollten. Insgesamt ist jedoch auch festzustellen, dass Amazon Care im Gegensatz zur Consumer-Sparte in Form des Online Handelsplatzes keinen Pionier Vorteil haben wird, sodass Amazon Care nicht zwingend das größte Gesundheitsökosystem in Europa werden wird.

Quellen

1. Amazon. AmazonCare 2021.
2. Reiter M, Bauer M. Amazon ist nur ein Puzzlestück 2021. [zum Original](https://www.hcm-magazin.de/amazon-care-ist-nur-ein-puzzlestueck/150/10668/414431)
3. Deglmann F. TeleClinic startet Kooperation mit Messe München und weiteren Arbeitgebern 2018. [zum Original](https://www.munich-startup.de/40193/teleclinic-kooperation-messe-muenchen/)
4. TeleClinic. TeleClinic – über uns 2021. [zum Original](https://www.teleclinic.com/uber-uns/)
5. Xue C, Tian W, Zhao X. The Literature Review of Platform Economy. Scientific Programming. 2020;2020. [zum Original](https://doi.org/10.1155/2020/8877128)
6. Group ZR. Capital Marktes Day 2021 2021. [zum Original](https://www.zurrosegroup.com/download/companies/zurroseag/CapitalMarketsDay/20210616_Zur_Rose_Group_AG_Capital_Markets_Day_2021.pdf)





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**Kategorien:** Ambulante ärztliche Versorgung, Apotheken, Digitalisierung von Prozessen, Plattform, Telemedizin, Therapie

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