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title: "Telepharmazie für Schwangere – Apotheken in neuer Rolle"
language: "de"
type: "post"
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date: "2021-02-15"
section: "Review-Artikel"
categories: ["Apotheken", "Digitalisierung von Prozessen", "Marketing", "mHealth", "Telemedizin"]
author: "Lisa Korte"
reading_time: "8 Min."
description: "Wie können stationäre Apotheken speziell Schwangeren durch Telepharmazie ein erweitertes Versorgungsangebot machen?"
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Telepharmazie für Schwangere – Apotheken in neuer Rolle

*15.02.2021 · Review-Artikel · Von Lisa Korte*

Innerhalb des Gesundheitswesens erlebt besonders die Apothekenlandschaft einen digitalen Wandel; häufig fällt der Begriff Online- oder Versandapotheke. Die COVID-19-Pandemie trägt aktuell zum Wachstum des Online-Handels bei, auch in der Arzneimittelversorgung: Der Anteil von Versandapotheken am gesamten Apothekenmarkt ist in den letzten Monaten um zwei Prozentpunkte auf fast 20 Prozent gestiegen (1, 2). Mit der Einführung des eRezeptes ab dem Jahr 2022 werden digitale und dezentrale Prozesse im Gesundheitswesen weiter zunehmen (3). Apotheken sind nicht nur unverzichtbar im Rahmen der Arzneimittelversorgung; durch digitale Technologien bieten sich ihnen innovative Möglichkeiten, ihre Funktion als Gesundheitslotse auszubauen. Die Thematisierung digitaler Konzepte, bei denen die Einbindung der Kunden im Fokus steht, gewinnt durch die Pandemie an Dringlichkeit (4, 5). Eine vulnerable Zielgruppe sind Schwangere. Ihnen kann durch Telemedizin eine sichere Versorgung ohne Personenkontakt angeboten werden. Welche konkrete Rolle nehmen Apotheken hier im Kontext von Telepharmazie ein?

### **Neue Kundenmentalität erfordert neue Geschäftsmodelle**

In Deutschland sind – bei sinkender Anzahl – 19.075 öffentliche Apotheken mit mehr als 160.000 Beschäftigten Teil der Arzneimittelversorgung (6). In Europa sind Versandapotheken zunehmend Anlaufstelle für die Arzneimittelversorgung, da sie für Verbraucher eine Zeit- und Kostenersparnis darstellen (1, 3). Für Apotheken vor Ort müssen digitale Angebote jedoch kein Nachteil sein. Vielmehr können neue Technologien das herkömmliche Angebot und zukunftsorientierte Geschäftsmodelle unterstützen (8, 9). Als wesentlicher Nachteil von Online-Apotheken wird die fehlende persönliche Beratung gesehen. Doch durch Telemedizin können Apotheken beispielsweise ihre Beratungsfunktion festigen oder erweitern (4). Durch eine spezifische Ausrichtung auf die heutige Kundenmentalität können Apotheken als Gesundheitslotsen eine exklusive Rolle im Versorgungskontinuum einnehmen, zum Beispiel bei schwangeren Kundinnen (10).

### **Begleitung Schwangerer durch Telepharmazie**

Die individuelle Patientenorientierung ist wichtig für eine zukunftsorientierte Ausgestaltung vor allem von öffentlichen Apotheken und verschafft Wettbewerbsvorteile innerhalb des Apothekenmarktes und gegenüber Apotheken, die online ausschließlich mit Produkten handeln. Schwangere sind mit ihrem potenziellen Bedarf von Nahrungsergänzungsmitteln und Pflegeprodukten aus dem erweiterten Sortiment einer Apotheke eine wichtige Zielgruppe (4, 11). Darüber hinaus haben sie jedoch meist auch Beratungsbedarf: Telepharmazie ist hier ein entscheidender Baustein in der Versorgung (4) und spricht individuelle Bedarfe der Kundinnen an (11). Durch Online-Sichtbarkeit, Apps und telepharmazeutische Beratung können Apotheken schwangere Kundinnen binden und dieser mobil eingeschränkten und vulnerablen Zielgruppe insbesondere zu Pandemiezeiten zuverlässige Versorgungsangebote bieten (8). Diese exklusiven, digitalen Angebote können Apotheken als Marketingtool nutzen, um Kundenbeziehungen zu fördern und die Kundinnen auch nach der Schwangerschaft nachsorglich zu binden (4). In der Geburtshilfe ist ein einfacher Zugang besonders wichtig für die Patientinnen, im Speziellen beispielsweise bei Risikoschwangerschaften. Auch hier kann eine Apotheke sich im Kontext innovativer, digitaler Angebote attraktiv für die Kundinnen machen, indem sie sich mit Akteuren der Geburtshilfe vernetzt und eine Vermittlungsposition einnimmt (12). Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Kinderheldin, einem telemedizinischen Beratungsservice für Schwangere (10).

### **Veränderungen bedeuten Arbeit**

Die zukunftsorientierte Ausgestaltung von Apotheken mittels telepharmazeutischer Angebote bedeutet zunächst Arbeit. Wenn zum Beispiel noch keine entsprechenden Strukturen wie eine Website vorhanden sind, bedarf es Zeit und Geld, um diese zu erstellen. Auch bei der Vernetzung mit anderen telemedizinischen Akteuren sind administrativer Aufwand, differenzierte, vertragliche Regelungen und womöglich Weiterbildungen erforderlich (4). Herausforderung einer zukunftsorientierten Angebotsstruktur und der Ausweitung von Telepharmazie ist weiterhin die Abwanderung von Fachkräften in die Wirtschaft (7, 13).

### **Apothekenlandschaft der Zukunft**

Durch Telepharmazie können Apotheken sich innerhalb der digitalen Transformation behaupten und durch exklusive Marketingstrategien Kundengruppen wie Schwangere binden. Insbesondere während Pandemiezeiten und in ländlichen Regionen können eine eigene Homepage mit professionellen Inhalten, Apps und Videochatangeboten die Versorgung aufrecht erhalten und ausweiten (13). Weiterhin kann die Vermittlung anderer telemedizinischer Akteure wie Hebammen und entsprechenden Start-Ups den Apotheken die Rolle beratender Gesundheitslotsen zusprechen, die vor allem öffentlichen Apotheken einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Versandapotheken verschafft. Diese vermittelnde Funktion ist in der Geburtshilfe besonders wichtig, da ein schneller und leichter Zugang für die schwangeren Kundinnen notwendig ist, um ihre Versorgung zu sichern und bei Problemen rechtzeitig zu handeln (12). Bestehende Kooperationen mit beispielsweise Krankenkassen können genutzt und ausgebaut werden. Jeglicher Aufwand kann langfristig Kunden binden und schlussendlich wirtschaftliche Vorteile für Apotheken bringen (8, 13).

Quellen

1. Arnold M. Corona-Krise wirbelt den Apothekenmarkt weiter durcheinander: Stimme.de; 2020 [zum Original](https://www.stimme.de/deutschland-welt/wirtschaft/wt/versandapotheken-haben-marktanteil-in-der-krise-gesteigert;art270,4405966).
2. Prashanti G, Sravani S, Noorie S. A Review on Online Pharmacy. Journal of Pharmacy and Biological Sciences. 2017;12(3):32-4. [zum Original](http://doi.org/10.9790/3008-1203043234)
3. Jehle C. Hat die traditionelle Apotheke noch eine Zukunft? : Heise Medien GmbH & Co. KG; 2020 [zum Original](https://www.heise.de/tp/features/Hat-die-traditionelle-Apotheke-noch-eine-Zukunft-4978167.html).
4. Wunsch A. Interviewreihe: Wie soll die Apotheke der Zukunft aussehen? : Techniker Krankenkasse; 2020 [zum Original](https://wirtechniker.tk.de/2020/11/28/interviewreihe-wie-soll-die-apotheke-der-zukunft-aussehen-3/).
5. Alexander GC, Qato DM. Ensuring Access to Medications in the US During the COVID-19 Pandemic. JAMA. 2020;324(1):31-2. [zum Original](https://doi.org/10.1001/jama.2020.6016)
6. ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. Die Apotheke. Zahlen-Daten-Fakten. Berlin; 2020. [zum Original](https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/zdf/)
7. Fitte, C., & Teuteberg, F. (2019). Ein Rezept für die Apotheke 2.0. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, 56(1), 223-240. [zum Original](https://link.springer.com/article/10.1365/s40702-018-00485-3)
8. Le T, Toscani M, Colaizzi J. Telepharmacy: A New Paradigm for Our Profession. J Pharm Pract. 2020;33(2):176-82. [zum Original](http://doi.org/10.1177/0897190018791060)
9. Baldoni S, Amenta F, Ricci G. Telepharmacy Services: Present Status and Future Perspectives: A Review. Medicina (Kaunas). 2019;55(7). [zum Original](http://doi.org/10.3390/medicina55070327)
10. Lau T. Kinderheldin: Telemedizin-Champion in der Nische Berlin: APOTHEKE ADHOC; 2020 [zum Original](https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/kinderheldin-telemedizin-champion-in-der-nische/?noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=3&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=6b25e2393941463da65d5cb0b0348114).
11. Ming WK, Mackillop LH, Farmer AJ, Loerup L, Bartlett K, Levy JC, et al. Telemedicine Technologies for Diabetes in Pregnancy: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Med Internet Res. 2016;18(11):e290. [zum Original](http://doi.org/10.2196/jmir.6556)
12. Kern-Goldberger AR, Srinivas SK. Telemedicine in Obstetrics. Clin Perinatol. 2020;47(4):743-57. [zum Original](http://doi.org/10.1016/j.clp.2020.08.007)
13. Poudel A, Nissen LM. Telepharmacy: a pharmacist’s perspective on the clinical benefits and challenges. Integr Pharm Res Pract. 2016;5:75-82. [zum Original](http://doi.org/10.2147/iprp.S101685)





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