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title: "Kapselendoskopie – ein Gewinn für die Diagnose und Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen?"
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date: "2020-04-03"
section: "Review-Artikel"
categories: ["Ambulante ärztliche Versorgung", "Diagnostik", "Krankenhaus", "Telemedizin"]
author: "Lisa Korte"
reading_time: "7 Min."
description: "Die Kapselendoskopie als digitale Überwachung wird zur Diagnose und Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen eingesetzt."
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Kapselendoskopie – ein Gewinn für die Diagnose und Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen?

*03.04.2020 · Review-Artikel · Von Lisa Korte*

Die

Kapselendoskopie

(KE) als digitale Überwachung des Darmkanals wird seit dem neuen Millennium in der Gastroenterologie eingesetzt, so auch zur Unterstützung der Diagnose und Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) (1, 2). Dabei nimmt der Patient nach Vorbereitung – Einnahme einer Lösung und eines Entschäumers (2) – oral eine Videokapsel zu sich. Ein Videochip, Leuchtdioden und Batterien ermöglichen die Bildaufzeichnung aus dem Darminneren, die Bilder werden zur Auswertung auf einen Computer übertragen (3). Aktuelle Studien betonen den Zusatznutzen sowohl der Dünn- als auch der Dickdarm-Kapselendoskopie als wichtigen Parameter für den positiven Krankheitsverlauf bei Patienten mit Morbus Crohn (MC) oder Colitis Ulcerosa (CU) (1, 4) , zwei häufig auftretenden CED. Doch inwiefern ist die KE ein Gewinn für die Diagnose und Behandlung von CED wie MC und CU?

### Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa – eine lebenslange Begleitung

MC und CU treten im Vergleich zu anderen chronischen Krankheiten seltener auf, sind jedoch sowohl für Betroffene als auch das Gesundheitssystem eine ernstzunehmende Herausforderung – besonders, da die Inzidenz von CED zukünftig weiter steigt (5). Aus den Diagnosedaten der Krankenhäuser ließen sich 2017 für Deutschland 26 236 MC-Fälle und 19 992 CU-Fälle feststellen, 2010 waren es noch jeweils 23 365 und 17 277 Fälle (6). Beide Krankheiten sind Entzündungen des Darms, die in Schüben verlaufen. Bei MC kann der gesamte Magen-Darm-Trakt betroffen sein, bei CU meist nur die Schleimhaut des Dickdarms (5). CED sind durch vielfältige Symptome gekennzeichnet wie Bauchschmerzen und bei CU insbesondere peranale Blutungen. Diese wirken sich einschränkend auf den Lebensalltag aus, bis hin zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen (5).

### Wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen die Gesundheitsversorgung herausfordern

Gleichzeitig fordern CED neben den Betroffenen selbst das gesamte Gesundheitssystem. Die Therapie chronisch Kranker bedarf einer engen Vernetzung, um eine qualitativ hochwertige, effiziente und kostengünstige Versorgung zu gewährleisten. Diese ist nicht immer gegeben, die mangelnde Kooperation zwischen Haus- und Fachärzten, in diesem Fall Gastroenterologen, führt zu verzögerter Diagnosestellung und unnötigen Doppeluntersuchungen und damit zu einem langfristig höheren Arbeitsaufwand für Leistungserbringer. Postoperativ besteht zudem speziell bei MC ein Rezidiv-Risiko (4). Der KE-Einsatz ist in diesem Kontext vielversprechend: Die KE ist einerseits ein unterstützendes Element bei der Diagnose von MC oder CU, andererseits dient sie zur Überwachung der Krankheitsaktivität bei Patienten (2, 4).

Überblick der Einsatzgebiete der Kapselendoskopie

**Dünndarm**

• Abklärung von Blutungen im Darm

• Diagnose und Kontrolle von CED

• Abklärung von erblichem Darmkrebs

• Abklärung von Zöliakie

**Dickdarm**

• Kontrolle des Darmabschnittes, der bei einer Koloskopie nicht eingesehen werden konnte

• Aufspüren von Darmpolypen im Rahmen eines Darmkrebs-Screening

### Chancen der Kapselendoskopie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Die KE wird am häufigsten eingesetzt, um Blutungen des Dünndarms abzuklären und dient gleichzeitig der Diagnose und Verlaufskontrollen von CED (2). Hierbei ist die KE unterstützend, eine unabhängige Diagnosestellung kann nicht erfolgen, da ungleich zu Darmspiegelungen keine Proben entnommen werden. Vorteile gegenüber Darmspiegelungen sind der Wegfall einer Sedierung und damit geringere Behandlungsrisiken (4). In weniger als 2 Prozent der KE-Untersuchungen gab es ungewollte Nebenwirkungen – diese umfassen überwiegend ein nicht natürliches Ausscheiden der Kamerakapsel (Retention), das einen operativen Eingriff bedarf (2). Zudem konnten Kosteneinsparungen gegenüber einer Koloskopie nachgewiesen werden (7).

Zunehmend wird seit 2006 die Dickdarm-KE unter anderem für das Monitoring von CED genutzt, hierbei hat die Kapsel zwei Kameras und erlaubt einen Blick in den Bereich des Dickdarms, den ein Koloskop nicht erreichen konnte (7, 8). Seit Beginn ihres Einsatzes unterliegt die KE einer stetigen Entwicklung, die Bildgebung verbessert sich, ebenso die Abstimmung zwischen Bilderfassung und Bewegungsgeschwindigkeit der Kapsel (1). Die Aufzeichnungen der Videokapsel können eine Lösung für die mangelnde Kommunikation zwischen Haus- und Facharzt sein, da beiden die Bilder im Sinne des Telemonitorings direkt zur Verfügung stehen können und so eine Absprache der Behandlung – z. B. Medikamentengabe – schneller und einfacher erfolgen kann.

### Vielversprechende Zukunft trotz Grenzen in der Diagnostik

Die KE hat großes Potenzial bei der Untersuchung des gesamten Darmkanals: Sie kann bei Verdacht auf eine CED Entzündungen lokalisieren und eine Diagnose unterstützen oder das Monitoring der CED begleiten. Bei Verdacht auf eine CED kann die KE im Vergleich zu Spiegelungen mehrere Befunde sichten (2) und bei der Einschätzung des Schweregrades helfen (1). Gastroenterologen können ihre Entscheidungen über eine zukünftige Therapie durch die KE auf sicherer, ergänzender Datenbasis treffen und damit potentiell Folgebehandlungen vermeiden. Die Ergebnisse einer KE für den Behandlungsverlauf von CED bedürfen zukünftig eindeutigerer Bedeutungskriterien. Das rasante Tempo der digitalen Transformation lässt eine fortlaufende Weiterentwicklung der KE erwarten. Daher ist ein sicherer Umgang mit der KE-Technik bei Leistungserbringern von hoher Relevanz, ebenso ihre kontinuierliche Kompetenzerweiterung parallel zur Entwicklung technischer Innovationen.

Quellen

1. Takada K, Yabuuchi Y, Kakushima N. Evaluation of Current Status and Near Future Perspectives of Capsule endoscopy: Summary of Japan Digestive Disease Week 2019. Dig Endosc. 2020.

zum Original

2. Albert JG, Hausmann J. Kapselendoskopie. Gastroenterologie up2date. 2015;11(04):234-6.

zum Original

3. May A, Albert J, Keuchel M, Moog G, Hartmann D.

Kapselendoskopie

in der Diagnostik von Dünndarmerkrankungen. Zeitschrift für Gastroenterologie. 2010;48(12):1384-404.

zum Original

4. Hausmann J, Schmelz R, Walldorf J, Filmann N, Zeuzem S, Albert JG. Pan-intestinal capsule endoscopy in patients with postoperative Crohn’s disease: a pilot study. Scandinavian journal of gastroenterology. 2017;52(8):840-5.

zum Original

5. Stallmach A, Häuser W, L’hoest H, Marschall U. Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Herausforderungen an die Versorgung. 2012.

zum Original

6. Statistisches Bundesamt (GBE-Bund). Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000 (Fälle/Sterbefälle, Fälle je 100000 Einwohner (altersstandardisiert), Berechnungs- und Belegungstage, durchschnittliche Verweildauer). Gliederungsmerkmale: Jahre, Wohnsitz, Alter, Geschlecht, Verweildauer, ICD10-3-Steller, Art der Standardisierung 2020.

zum Original

7. Pasha SF. Applications of Colon Capsule Endoscopy. Curr Gastroenterol Rep. 2018;20(5):22.

zum Original

8. Muguruma N, Tanaka K, Teramae S, Takayama T. Colon capsule endoscopy: toward the future. Clin J Gastroenterol. 2017;10(1):1-6.

zum Original





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