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title: "Alltag mit Gesundheits-Apps – Wie autonom sind Patienten?"
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date: "2019-12-02"
section: "Review-Artikel"
categories: ["Datenschutz", "Digitalkompetenzen", "Ethik", "Forschung", "mHealth", "Prävention", "Public Health", "Therapie"]
author: "Lisa Korte"
reading_time: "5 Min."
description: "Wie kann das Potenzial der Nutzung von mobilen Gesundheits-Apps zur Stärkung der Patientenautonomie gezielt fokussiert werden?"
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Alltag mit Gesundheits-Apps – Wie autonom sind Patienten?

*02.12.2019 · Review-Artikel · Von Lisa Korte*

In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Gesundheits-Applikationen (Apps) entwickelt und erfolgreich auf den Markt gebracht. Soziale Auswirkungen und ethische Fragen, die mit der zunehmenden App-Nutzung einhergehen, sind noch nicht ausreichend erforscht. Ziel eines Forschungsprojekts war es nun, einen Überblick über ethische Fragen bei der App-Anwendung zu geben, und speziell zu fokussieren, wie die Autonomie der Patienten bei der Nutzung gestärkt werden kann.

Gesünder durch Autonomie und Health Literacy?

Die Reichweite von

Gesundheits-Apps

nimmt zu; sowohl kranke als auch gesunde Menschen nutzen im Alltag verstärkt mobile Technologien, etwa zur Behandlung oder Prävention von Krankheiten. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass Patienten über ausreichend Selbstbestimmung und Kompetenz bei der Nutzung verfügen und gleichzeitig den Nutzen reflektiert einschätzen können (Health Literacy).

Dies gilt vor allem, da bei der aktuellen Vielzahl von Apps Nutzern nicht intuitiv bewusst ist, ob evidenzbasierte Konzepte zugrunde liegen bzw. wer diese entwickelt hat und welche (ggf. politischen oder ökonomischen) Ziele damit verfolgt werden. Anhand eines Forschungsmodells wird nun gezeigt, wie das Potenzial der Nutzung von mobilen Gesundheits-Apps zur Stärkung der Autonomie gezielt fokussiert werden kann.

Im Zentrum stehen Patienten- und Nutzerautonomie sowie die Verbesserung von Health Literacy, Empowerment und Partizipation. Die Inhalte des Modells werden dabei äquivalent betrachtet, da vorhandene Autonomiekonzepte in der Medizinethik noch nicht ausreichend erforscht sind. Es wird empfohlen, autonomiebezogene Aspekte vor dem Hintergrund der digitalen Innovation im Allgemeinen zu betrachten, um auf dieser Basis einen Rahmen für die ethische Bewertung von Mobile Health (mHealth) im Speziellen zu ergänzen.

Die zugrundeliegende Studie kann somit auch eine Basis für die Rollen und Grenzen von Autonomiekonzepten für verschiedene Stakeholder bei mHealth-Anwendungen bieten.

#### Digitalisierung als Chance für eine neue Rolle

Durch Empowerment kann jedes Individuum seine Rolle in der digitalen Welt neu definieren. mHealth gibt Patienten Kontrolle und das Gefühl, die Gesundheit liege in den eigenen Händen. Dabei dürfen jedoch ethische Fragen, z. B. zu Datenschutz und Privatsphäre, nicht unberücksichtigt bleiben. Es bedarf einer Bewertung der Evidenz und Wirksamkeit von mHealth, damit das Potenzial ausgeschöpft werden kann und der Nutzer eine Rolle einnimmt, in der er sich nicht fremdbestimmt, sondern unterstützt und selbstsicher fühlt.

#### Raum für Ethik

Ethische Fragen erfahren im Digitalisierungsprozess nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie andere Debatten. Dabei wird die Ethik bei mHealth umso bedeutender vor dem Hintergrund, dass zunehmend Akteure außerhalb des traditionellen Gesundheitssystems involviert sind. So können neue Interessenkonflikte entstehen, die gemeinsame ethische Ziele notwendig machen. Eine einheitliche Bewertung der Ethik ist auf der anderen Seite komplex, da die Absichten und Zielgruppen im mHealth-Bereich sehr variieren.

#### Autonomie phasenweise stärken

Die Stärkung der Autonomie ist für das Gesundheitswesen eine wichtige Herausforderung. Da Technologie jedoch vielen Nutzern kompliziert erscheint und mHealth die Privatsphäre gefährden kann, sind die Voraussetzungen für eine autonome Entscheidung in der digitalen Welt nicht durchgehend erfüllt. Ein mehrstufiges Modell schlägt vor, von der Verbesserung der Gesundheitskompetenz durch Selbstmonitoring zu Empowerment und demokratisierter Medizin zu gelangen.

#### Autonomie im Diskurs

Der Autonomiebegriff ist umstritten, so unterscheidet das vorgestellte Stufenmodell z. B. zwischen Patienten- und Konsumentenautonomie. Der Nutzer wird stetig unabhängiger vom Gesundheitswesen und kann durch mHealth selbst seine Gesundheit beeinflussen. Hierfür ist jedoch Health Literacy notwendig – das Wissen und die Motivation, gesundheitsbezogene Informationen zu verstehen und anzuwenden. Gleichzeitig benötigt der Nutzer zur Anwendung von Gesundheits-Apps Digitalkompetenzen (Digital Literacy) welche ihrerseits ungleich verteilt sind und eine weitere ethische Herausforderung darstellen.

#### Ethik als Prozess

Die derzeitige Debatte über ethische Implikationen von mHealth und Auswirkungen auf die Gesundheit ist unzureichend. Das von den Autoren vorgeschlagene Stufenmodell will zunächst konzeptionell einen Beitrag zum Verständnis der komplexen Voraussetzungen für Autonomie bei der Nutzung von Apps leisten. Kollektive Folgen, wie eine mögliche Demokratisierung der Medizin, bleiben hingegen unscharf. Die Ambivalenz von Autonomie als Säule der medizinethischen Debatte ist daher ein wichtiger Schritt zur Verfeinerung eines ethischen Rahmens.

Quellen

1. Schmietow B, Marckmann G. Mobile health ethics and the expanding role of autonomy. Medicine, Health Care and Philosophy. 2019: 1-8. [zum Original](https://link.springer.com/article/10.1007/s11019-019-09900-y)





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**Kategorien:** Datenschutz, Digitalkompetenzen, Ethik, Forschung, mHealth, Prävention, Public Health, Therapie

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