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title: "Achtsamkeitstraining und Meditation per App – zeit- und ortsunabhängige Prävention"
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date: "2020-03-20"
section: "Review-Artikel"
categories: ["Ambulante ärztliche Versorgung", "Krankenversicherungen", "mHealth", "Prävention"]
author: "Lisa Korte"
reading_time: "5 Min."
description: "Welche Relevanz spielen diese Apps in der Prävention? Können sie trainerbasierte Übungen zum Teil sogar ersetzen?"
publisher: "Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke"
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# Achtsamkeitstraining und Meditation per App – zeit- und ortsunabhängige Prävention

*20.03.2020 · Review-Artikel · Von Lisa Korte*

In unserer heutigen gestressten Leistungsgesellschaft befinden sich zahlreiche Menschen in einem negativen mentalen Gesundheitszustand (1), ungeachtet diagnostizierter psychischer Erkrankungen wie Depressionen. Unter letzteren litten 2015 weltweit mehr als 300 Millionen Menschen, davon 12 Prozent in Europa; die Tendenz ist steigend (2). In Deutschland betrugen die Kosten aufgrund depressiver Erkrankungen im selben Jahr insgesamt 8 718 Millionen Euro (3). Meditation und Achtsamkeitstraining können insbesondere die psychische Gesundheit positiv beeinflussen (4), nicht nur bei bereits erkrankten, sondern auch bei gesunden Menschen. Letztere können mithilfe von Meditation den alltäglichen Stress bewältigen und sich vor der Entstehung psychischer Krankheiten schützen (5). Eine resultierende Kostenersparnis für das Gesundheitssystem ist die Folge. Üblicherweise leitet ein Trainer das Achtsamkeitstraining oder die Meditation. Da die Primärprävention jedoch zunehmend auch ihren Weg in die digitale Versorgung findet, beispielsweise durch Smartphone-Apps (1), stellt sich die Frage, ob Meditations- und Achtsamkeits-Apps (MuA-Apps) eine geeignete Alternative oder Ergänzung zum Trainer sind. Welche Wirkung hat die Nutzung solcher Apps auf das Wohlbefinden der gesunden Bevölkerung?

#### Gesundheits-Apps in der (Primär-) Prävention

Apps sind als mobiles Gesundheitsangebot ein Teil von mhealth. Sie bieten diverse Vorteile, die das Potenzial ihres Einsatzes in der Gesundheitsversorgung und Prävention betonen. Durch Apps besteht die Chance, zielgruppenorientiert zu arbeiten und Menschen niedrigschwellig zu erreichen, die wenig gesundheitsbewusst leben (6, 7). Nutzer haben die Chance zur Partizipation, da sie in der Auswahl der Apps sowie innerhalb dieser frei entscheiden können (7). Gleichzeitig ist der Zugang flächendeckend vorhanden, da Smartphone die täglichen Begleiter unseres Alltag darstellen – sogar vermehrt bei alten Menschen (7, 8).

Gesundheits-Apps sind sehr gefragt, das Angebot ist groß: Zu Beginn des Jahres 2018 gab es im Apple App Store über 103 000 Apps zu medizinischen und gesundheitlichen Themen, 554 konnten dem Präventionsbereich zugeordnet werden (8). Ziel ist es hier, Krankheiten und deren Folgen durch einen gesunden Lebensstil vorzubeugen oder einzudämmen (7, 9). Die Primärprävention ist mit gesunden Menschen als Zielgruppe durch einen möglichst frühen Ansatz gekennzeichnet (9). Hier kann demnach auch die Prävention von Krankheiten oder negativer psychischer Gesundheit durch MuA-Apps eingeordnet werden.

#### Von Ideen

Achtsamkeitstraining beinhaltet generell die gegenwärtige Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlen. Der Nachweis eines verbesserten Wohlbefindens durch trainerbasierte MuA-Übungen, z. B. in Form von Stressreduktion (10), birgt die Idee, solche Übungen auch App-basiert anzubieten. Unterstützt wird diese Idee durch das Potenzial von Gesundheits-Apps in der Prävention – die Chance einer individuellen und niedrigschwelligen Erreichbarkeit – sowie vor dem Hintergrund, dass die breite Bevölkerung begrenzt Zugang zu herkömmlichen trainerbasierten MuA-Kursen hat (4).

Durch MuA-Apps auf dem Smartphone haben verschiedene Zielgruppen die Möglichkeit, kostengünstig und flexibel, unabhängig von Zeit und Ort, dem Alltagsstress zu entfliehen (4, 5, 10). Der Nutzer steuert die App selbst und entscheidet, was und wie lange er welche Angebote nutzt (4, 10). So kann eine Session innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten abgeschlossen werden, während trainerbasierte Kurse meist eine Stunde dauern (5). Auch wenn viele Menschen derartige Apps nutzen, ist bisher wenig erforscht, ob die Anwendung zu einer Steigerung des Wohlbefindens in der allgemeinen Bevölkerung führen kann (2). Erste Erkenntnisse deuten jedoch in eine Richtung.

#### über erste Erkenntnisse

Sowohl bei kurzzeitiger als auch bei längerfristiger Anwendung von MuA-Apps konnte bei den Nutzern eine Stimmungsverbesserung im Vergleich zu Personen, die die App nicht nutzten, festgestellt werden. Personen, die die App länger und häufiger nutzten, wiesen sogar eine stärkere Verbesserung auf. Folglich wächst die Relevanz von MuA-Apps für die Prävention im Speziellen und für Public Health allgemein (10), da sie der Stressreduktion und der Steigerung von Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Resilienz dienen (1, 4, 5, 10, 11). Auch eine Verbesserung der Aufmerksamkeitskontrolle, positive Veränderungen der Wahrnehmung sowie ein besserer Schlaf konnten durch die Nutzung von MuA-Apps nachgewiesen werden (4, 11). Der Nutzen scheint jedoch bei ängstlichen und depressiven Menschen höher zu sein als bei Gesunden (1), sodass das Potenzial in der Sekundär- und Tertiärprävention tendenziell noch größer ist, als in der Primärprävention.

#### zu neuen Fragen

Trotz der bisherigen Erkenntnisse zur Wirkung von MuA-Apps bestehen offene Fragen, die den Forschungsbedarf zeigen (12). Bisherige Studien haben die Wirkung allein bei kleinen oder sehr homogenen Stichproben untersucht, sodass es weiterer Studien mit heterogenen, größeren Stichproben bedarf (4, 5, 10). Auch haben die Studien überwiegend Surrogate-Parameter gemessen (7), weshalb der Effekt nicht eindeutig nachweisbar ist und nur das mögliche Potenzial von Gesundheits-Apps für die Prävention betont (1, 10). Zudem beruhen die nachgewiesenen positiven auf der subjektiven Wahrnehmung der Studienteilnehmer, was eine Limitation der Ergebnisse darstellt (4). Ein weiterer zu beachtender Faktor stellt die Qualität dar: Der App-Markt ist in seiner Entwicklung sehr dynamisch und daher überlaufen und unstrukturiert. Dies erschwert gleichermaßen für Health Professionals und Patienten die Auswahl qualitativ hochwertiger Apps (6).

#### Fazit

MuA-Apps scheinen eine geeignete Alternative oder Ergänzung zu trainerbasierten Kursen zu sein, da sie eine ähnlich positive Wirkung – Stressreduktion und Steigerung des Wohlbefindens – bei den Nutzern haben. Die Wirkung ist jedoch noch nicht ausreichend nachgewiesen, es bedarf weiterer Studien. Das Potenzial derartiger Apps für die Prävention ist hoch, die Nutzung hat u. a. zeitliche und finanzielle Vorteile. Wenn diese dazu führen, dass MuA-Apps häufig genutzt werden, könnte psychischen Erkrankungen potentiell vorgebeugt werden. Gleichzeitig können Leistungserbringer die Daten für die Gestaltung weiterer Interventionen nutzen. Derartige Apps sollten einer interdisziplinären Qualitätsbewertung unterzogen werden, um einen Weg in die Regelversorgung zu finden. Hier ist eine Beteiligung medizinischen und psychologischen Fachpersonals notwendig.

Quellen

1. Athanas AJ, McCorrison JM, Smalley S, Price J, Grady J, Campistron J, et al. Association Between Improvement in Baseline Mood and Long-Term Use of a Mindfulness and Meditation App: Observational Study. JMIR Ment Health. 2019;6(5):e12617. [zum Original](https://mental.jmir.org/2019/5/e12617/)

2. World Health Organization. Depression and Other Common Mental Disorders Global Health Estimates. 2017. [zum Original](https://www.who.int/publications-detail/depression-global-health-estimates)

3. Statistisches Bundesamt d. Statistisches Jahrbuch 2019 – Kapitel 4 Gesundheit. 2019. [zum Original](https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Jahrbuch/jb-gesundheit.html)

4. Huberty J, Vranceanu AM, Carney C, Breus M, Gordon M, Puzia ME. Characteristics and Usage Patterns Among 12,151 Paid Subscribers of the Calm Meditation App: Cross-Sectional Survey. JMIR Mhealth Uhealth. 2019;7(11):e15648. [zum Original](https://asu.pure.elsevier.com/en/publications/characteristics-and-usage-patterns-in-a-convenience-sample-of-pai)

5. Champion L, Economides M, Chandler C. The efficacy of a brief app-based mindfulness intervention on psychosocial outcomes in healthy adults: A pilot randomised controlled trial. PLoS One. 2018;13(12):e0209482. [zum Original](https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6312207/)

6. Rossmann C, Krömer N. mHealth in der medizinischen Versorgung, Prävention und Gesundheitsförderung. In: Fischer F, Krämer A, editors. eHealth in Deutschland Anforderungen und Potenziale innovativer Versorgungsstrukturen. Berlin, Heidelberg: Springer; 2016. 441-56. [zum Original](https://doi.org/10.1007/978-3-662-49504-9)

https://doi.org/10.1007/978-3-662-49504-9

7. Rutz M, Kühn D, Dierks M-L. Gesundheits-Apps und Prävention. Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps (CHARISMHA): Medizinische Hochschule Hannover; 2016. 116-35. [zum Original](https://publikationsserver.tu-braunschweig.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbbs_derivate_00042287/charismha_kapitel_05.pdf)

8. Albrecht U-V, von Jan U. Apps in der digitalen Prävention und Gesundheitsförderung. In: Haring R, editor. Gesundheitswissenschaften. Berlin, Heidelberg: Springer; 2019. 433-41. [zum Original](https://doi.org/10.1007/978-3-662-58314-2)

9. Evers-Wölk M, Oertel B, Sonk M, Jacobs M. Gesundheits-Apps. Innovationsanalyse. 2018. [zum Original](http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/berichte/TAB-Arbeitsbericht-ab179.pdf)

10. Economides M, Martman J, Bell MJ, Sanderson B. Improvements in Stress, Affect, and Irritability Following Brief Use of a Mindfulness-based Smartphone App: A Randomized Controlled Trial. Mindfulness (N Y). 2018;9(5):1584-93. [zum Original](https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6153897/)

11. Walsh KM, Saab BJ, Farb NA. Effects of a Mindfulness Meditation App on Subjective Well-Being: Active Randomized Controlled Trial and Experience Sampling Study. JMIR Ment Health. 2019;6(1):e10844. [zum Original](https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30622094)

12. Mani M, Kavanagh DJ, Hides L, Stoyanov SR. Review and Evaluation of Mindfulness-Based iPhone Apps. JMIR Mhealth Uhealth. 2015;3(3):e82. [zum Original](https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26290327)





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**Kategorien:** Ambulante ärztliche Versorgung, Krankenversicherungen, mHealth, Prävention

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